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  • Aus alten Zeitungen: Ein teurer Strafzettel

    Gefunden in: "Altenkirchener Kreisblatt", Nr. 127 vom 24. Oktober 1923 Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote zu 200.000 Mark vom 9. August 1923, Druck einseitig. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Ein teurer Strafzettel Ein Landwirt unserer Bürgermeisterei erhielt vor 8 Tagen ein Strafmandat, weil er mit einem einspännigen Pferdefuhrwerk ohne Namensanschrift auf öffentlicher Straße gefahren war. Das Strafmandat lautete über eine Geldstrafe von 200.000 Mark oder 3 Tage Haft. Außerdem hatte er 15 Millionen Porto und 1.000 Mark Schreibgebühren zu entrichten. – Wer lacht da? Uwe Bronnert Anmerkung der Redaktion Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen. Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!

  • USA: Es wird keine "Tubman-Banknote" zu 20 Dollars geben … oder doch?

    Am 6. Juli 2026 erklärte Finanzminister Scott Bessent gegenüber Spectrum News, dass das US-Finanzministerium nicht mehr vorhabe, die Kämpferin gegen die Sklaverei Harriet Tubman auf einer 20-Dollars-Note abzubilden. „Derzeit nicht“, antwortete Bessent knapp, als er in einem Interview gefragt wurde, ob das US-Finanzministerium noch immer vorhabe, den bereits seit einem Jahrzehnt bestehenden Plan umzusetzen. Bessent ging nicht näher darauf ein, und ein Sprecher des Finanzministeriums lehnte es ab, über Bessents Äußerung hinaus Stellung zu nehmen. Die Obama-Regierung hatte 2016 angekündigt, dass Tubman, die Anfang der 1820er Jahre als Sklavin geboren wurde und später Hunderten von Sklaven zur Flucht verhalf, den siebten US-Präsidenten Andrew Jackson auf dem 20-Dollar-Schein ablösen würde. Der damalige Finanzminister Jacob Lew erklärte, die Entscheidung sei das Ergebnis Tausender Rückmeldungen von US-Bürgern gewesen. Tubman wäre die erste Afroamerikanerin auf der Vorderseite einer US-Banknote gewesen. Während seines ersten Präsidentschaftswahlkampfs bezeichnete Donald Trump, der seitdem versucht hat, Initiativen für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion zu untergraben, den Schritt, Jackson durch Tubman zu ersetzen, als „reine politische Korrektheit“. Er hatte vorgeschlagen, sie auf den selten benutzen 2-Dollars-Schein oder eine andere Banknote zu setzen, doch während Trumps erster Amtszeit wurden keine Fortschritte bei diesem Vorhaben erzielt. Bessents Vorgängerin, die ehemalige Finanzministerin der Biden-Regierung, Janet Yellen, hatte das Projekt für den 20-Dollars-Schein mit Tubman-Motiv wiederbelebt, schätzte jedoch, dass die neue Banknote aufgrund der erforderlichen hochentwickelten Fälschungsschutzmaßnahmen erst ⁠2030 fertig sein würde. Darüber wurde HIER im Blog berichtet: Bessent wurde im Mai 2025 in einem angespannten Wortwechsel mit der Abgeordneten Joyce Beatty, einer schwarzen Demokratin aus Ohio, gefragt, ob er einen aktuellen Stand zum Tubman-Schein geben könne. „Das kann ich nicht, meine Mitarbeiter werden sich bei Ihnen melden“, antwortete er. Zwar wurde seit 1928 keine neue Persönlichkeit mehr auf US-Banknoten abgebildet, doch einige Vertreter der aktuellen Trump-Regierung haben versucht, das Porträt des republikanischen Präsidenten Trump auf eine geplante 250-Dollars-Banknote zu bringen, um den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten zu feiern. Darüber wurde HIER im Blog berichtet: Auf die Frage, warum das Finanzministerium nicht mit einer 20-Dollars-Banknote mit Tubmans Bildnis vorankommt, während es Vorbereitungen für eine 250-Dollars-Banknote mit Trumps Porträt trifft, erklärte Bessent gegenüber Spectrum News: „Für die 250er-Note ist ein Gesetz des Kongresses erforderlich, da man keine lebende Person (auf US-Banknoten) abbilden darf, und dies war für den 250. Jahrestag vorgesehen.“ „Wenn wir eine bestehende Banknote ändern wollen, sei es von 1 bis 100 Dollars, erfordert das eine mehrjährige Vorbereitungszeit“, fügte er hinzu. Wenn die Demokraten das Weiße Haus zurückerobern, wird diese Entscheidung höchstwahrscheinlich wieder rückgängig gemacht werden. Donald Ludwig

  • Aus privaten Sammlungen: Eine gefährliche Fälschung

    Am 29. Mai 1945 wurde durch den Beirat der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) der Neudruck von auf Schilling lautenden Banknoten beschlossen. Wegen der Dringlichkeit wurde auf die vorhandenen Klischees der letzten Ausgabe der Schillingnoten der ersten Republik zurückgegriffen. Die Scheine wurden ab dem 13. Dezember 1945 in Umlauf gesetzt. Die Banknote zu 100 Schilling der Ausgabe 1945, die auf dem 1927 in Umlauf gesetzten Entwurf von Wilhelm Dachauer basierte, wurde in der Wertpapierdruckerei der Oesterreichischen Nationalbank in Wien im Offsetdruck hergestellt, der nur einen eingeschränkten Schutz gegen Fälschungen bot, zumal Papier ohne Wasserzeichen verwendet wurde. Im Spätherbst 1946 tauchten in größerem Umfang Fälschungen der 100-Schillingnote auf. Mitte Dezember 1946 hatte die OeNB in Wien und ihren Zweiganstalten bereits über 800 Fälschungen angehalten, die als Typ 1 und 2 bezeichnet wurden. Den Ursprung der Fälschungen vermutete die Bank im italienischen Südtirol, da viele davon bei der Zweigniederlassung der OeNB in Innsbruck aufliefen. Anfang Dezember 1946 reiste Bankdirektor Eugen Kaniak selbst nach Innsbruck, um sich dort persönlich über die Situation zu informieren. Er konnte erreichen, dass österreichische Kriminalbeamte nach Südtirol fahren und vor Ort Nachforschungen anstellen konnten, die aber ergebnislos verliefen, die Fälscher blieben unentdeckt. Die OeNB gab Merkblätter (Zirkulare) heraus, um das Publikum vor den auftretenden Fälschungen zu warnen. Die darin beschriebenen Abweichungen der Fälschung vom Original waren jedoch so "feinsinnig", dass sie für die Erkennung der Fälschungen im täglichen Umlauf nicht brauchbar waren. Zirkular der Oesterreichischen Nationalbank über gefälschte Banknoten zu 100 Schilling. Bankhistorisches Archiv der OeNB, Wien. Für den Zahlungsverkehr war diese Situation bedrohlich, weil die 100-Schillingnote die wichtigste Note im Geldumlauf war und jederzeit mit neuen Fälschungen gerechnet werden musste. Tatsächlich tauchten im Frühjahr 1947 weitere Fälschungen auf, deren Anzahl in den kommenden Monaten immer weiter anstieg. Die OeNB plante, die umlaufenden Noten zu 100 Schilling einzuziehen und gegen neue Scheine auszutauschen. Bereits im Dezember 1946 war die Staatsdruckerei Wien beauftragt worden, eine sogenannte Ersatznote zu 100 Schilling in einer Auflage von 10 Millionen Exemplaren herzustellen, die sich von der umlaufenden Banknote nur durch eine Allonge mit der Aufschrift „Zweite Auflage“ unterschied. Im Januar 1947 hatte die OeNB zudem einen Auftrag für den Neudruck einer 100-Schilingnote an die Banknotendruckerei Bradbury, Wilkinson & Co (BWC) in New Malden, England. Die im Dezember 1947 durchgeführte zweite Währungsreform überholte den geplanten Austausch – die 100 Schillingnoten der Ausgabe vom 29. Mai 1945 wurden mit Ablauf des 24. Dezember 1947 wertlos. Tatsächlich sind die vermutlich in Südtirol hergestellten Fälschungen außerordentlich gut gemacht und im äußerlichen Gesamteindruck von den echten Banknoten nur sehr schwer zu unterscheiden. Da beim Papier der Originalscheine verschiedene Sorten verwendet wurden, musste ein leicht abweichendes Papier der Fälschung insbesondere bei gebrauchten Scheinen nicht auffallen. Den Fälschern müssen eine hochwertige Offset-Druckmaschine sowie hochwertige Druckfarben zur Verfügung gestanden haben. Auch die Schnittkanten der Scheine sind akkurat ausgeführt. Erkennbar sind die Fälschungen jedoch anhand der Serien- und Kontrollnummern auf der Rückseite der Scheine – diese wurden auf den Fälschungen mit einem Paginierstempel aufgebracht. Für das geübte Auge ist die Abweichung des Ziffernschnitts der Nummern vom Original sofort erkennbar. Im Vergleich mit Originalschein wundert es nicht, dass die Oesterreichische Nationalbank die Fälschungen als gefährlich einstufte und einen Neudruck der Wertstufe zu 100 Schilling in Auftrag gab, um bei einem weiteren Anwachsen der Fälschungen im Zahlungsverkehr gewappnet zu sein. Weiterführende Literatur: https://www.geldschein.at/schilling-faelschungen-der-ausgaben-von-1945-und-1947.html Objekttyp: Banknotenfälschung Sammlung: Sammlung Dr. Sven Gerhard Authentizität: zeitgenössische Fälschung (Typ 1) Land/Region/Ort: Österreich Emittent: Oesterreichische Nationalbank Nominal: 100 Schilling Datierung: 29.Mai 1945 Vorderseite: dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Frauenkopf (Allegorie der Wissenschaften), Ornamente, Abbildung einer Eule (Symbol der Weisheit) Rückseite: dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Gebäude der Akademie der Wissenschaften in Wien, vier Symbole der Wissenschaften: oben links Philosophie, oben rechts Theologie, unten links Medizin, unten rechts Jurisprudenz Unterschrift: Dr. Viktor Kienböck, Eugen Kaniak und Dr. Franz Bartsch Material: Papier ohne Wasserzeichen Format: 162 mm x 85 mm Druck: vermutlich in einer Fälscherwerkstatt in Südtirol Nummerierung: Serie 7995 Kontrollnummer 02436 Umlauf: ab ca. November 1946 bis 24. Dezember 1947 Zitate: zu Kodnar/Künstner 223, Richter 268, Standard Catalogue of World Papier Money 118. Dr. Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com mit dem Betreff "Aus privaten Sammlungen".

  • Neue Weltbanknoten-Varianten: Juli 2026, Teil 1

    Bangladesch, Belarus, Botswana, Ghana, Haiti, Mongolei, Nepal, Nigeria, Pakistan, Rumänien, Uganda, Ukraine BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Bangladesch 10 Taka, neue Auflage BNB B366b: wie BNB B366a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Rahman). Belarus 200 Rubles von 2026 BNB B149a: wie BNB B142 (SCWPM 42), aber mit neuer Unterschrift (Golowtschenko), taktilen Linien am rechten und linken Rand der Vorderseite, einem gefensterten, holografischen Sicherheitsfaden mit entmetallisiertem Br200, neuem Jahr und neuer Druckerei (Gosnak). Botswana 20 Pula von 2024 BNB B125i: wie BNB B125h (SCWPM 31), aber mit neuen Unterschriften (Gaolathe/Dekop), neuem Jahr und einem Glanzlackstreifen auf der Rückseite. 50 Pula von 2024 BNB B126f: wie BNB B126e (SCWPM 32), aber mit neuen Unterschriften (Gaolathe/Dekop), neuem Jahr und einem Glanzlackstreifen auf der Rückseite. Ghana 50 Cedis vom 01.08.2025 BNB B159c: wie BNB B159b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Johnson Pandit Asiama) und neuem Datum (1st AUGUST 2025). 100 Cedis vom 01.08.2025 BNB B160c: wie BNB B160b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Johnson Pandit Asiama) und neuem Datum (1st AUGUST 2025). Haiti 500 Gourdes von 2023 BNB B850i: wie BNB B850h (SCWPM 277), aber mit neuem Jahr in brauner Druckfarbe und Unterschriftstitel über den Unterschriften. Mongolei 100 Tögrög von 2025 BNB B442b: wie BNB B442a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Lkhagvasuren) und neuem Jahr. Nepal 500 Rupees von 2025 BNB B292c: wie BNB B292b (SCWPM 81), aber mit neuer Unterschrift (Poudel) und neuem Jahr. Nigeria 1000 Naira von 2026 BNB B246h: wie BNB B246g (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Pakistan 10 Rupees von 2026 BNB B231aa: wie BNB B231z (SCWPM 45), aber mit neuem Jahr. 20 Rupees von 2026 BNB B233z: wie BNB B233y (SCWPM 55), aber mit neuem Jahr. 50 Rupees von 2026 BNB B234y: wie BNB B234x (SCWPM 47), aber mit neuem Jahr. 1000 Rupees von 2026 BNB B238aa: wie BNB B238z (SCWPM 50), aber mit neuem Jahr. 5000 Rupees von 2026 BNB B239v: wie BNB B239u (SCWPM 51), aber mit neuem Jahr. Rumänien 10 Lei vom 01.02.2026 BNB B288f: wie BNB B288e (SCWPM 119), aber mit neuen Unterschriften (Isarescu/Tolici), neuem Datum (1 februarie 2026) und neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). 200 Lei vom 01.02.2026 BNB B291i: wie BNB B291h (SCWPM 122), aber mit neuen Unterschriften (Isarescu/Tolici), neuem Datum (1 februarie 2026) und Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Uganda 1000 Shilingi von 2025 BNB B154i: wie BNB B154h (SCWPM 49), aber mit neuem Jahr. 2000 Shilingi von 2025 BNB B155i: wie BNB B155h (SCWPM 50), aber mit neuem Jahr. Ukraine 100 Griwna von 2026 BNB B868a: wie BNB B856 (SCWPM 126), aber mit dem akteullen Motto der Ukraine „СЛАВА УКРАЇНІ! ГЕРОЯМ СЛАВА!“ („EHRE DER UKRAINE! EHRE DEN HELDEN!“) auf der Rückseite und neuem Jahr. Donald Ludwig (polymernotes.com) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book, und Stane Straus, polymernotes.com)

  • Die Salomonen geben eine 50-Dollars-Polymergedenkbanknote heraus

    Am 18. Juni 2026 gab die Zentralbank der Salomonen (CBSI) anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens und ihres Engagements für den Inselstaat eine neue 50-Dollars-Gedenkbanknote heraus. Die Banknote wurde offiziell im Konferenzsaal des Heritage Park Hotels in Anwesenheit hochrangiger Gäste, führender Vertreter des Finanzsektors und des CBSI-Vorstands vorgestellt. Premierminister Mathew Cooper Wale und Finanz- und Schatzminister Gordon Darcy Lilo waren die Hauptredner der Veranstaltung. Diese Gedenkbanknote würdigt die Geschichte der CBSI. Von traditionellen Zahlungsmitteln bis hin zum modernen Finanzsystem von heute spiegelt sie wider, wie weit die Salomonen als Nation gekommen sind und wohin ihr Weg in Zukunft führt. Die neue Banknote behält das bekannte Format, die grüne Farbgebung und die wesentlichen künstlerischen Motive der derzeit im Umlauf befindlichen 50-Dollars-Banknote bei, verfügt jedoch über neue Merkmale, fortschrittliche Polymer-Technologie und modernisierte Sicherheitsmerkmale: Sie ist auf einem strapazierfähigen Polymersubstrat (Safeguard® von DLR) gedruckt. Ein auffälliges neues transparentes Fenster zeigt den Kopf eines Adlers und den Schriftzug „CBSI 50“ über dem offiziellen CBSI-Bokolo-Logo. Links neben dem Staatswappen befindet sich ein rundes, goldenes Patch mit der Aufschrift „1976 CBSI 2026“. Auf der Rückseite ist das Gebäude der Zentralbank abgebildet, und sie veranschaulicht die historische Entwicklung des Geldwesens auf den Salomonen – von traditionellem Muschelgeld bis hin zu modernen digitalen Zahlungsmitteln. Unterhalb des Zentralbankgebäudes befindet sich der Schriftzug „COMMEMORATING CBSI GOLDEN JUBILEE 1976 – 2026“ („ZUM GEDENKEN DES GOLDENEN JUBILÄUMS DER CBSI 1976 – 2026“). Taktile Punkte helfen sehbehinderten Nutzern, den Nennwert zu erkennen. Die neue Gedenkbanknote, die in einer Auflage von einer Million Stück ausgegeben wird, wird parallel zur derzeit im Umlauf befindlichen 50-Dollars-Banknote im Umlauf sein. Beide Banknoten wurden von DLR gedruckt. Donald Ludwig (polymernotes.com)

  • Die Gutscheine der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft in Brasilien

    Die österreichische Auslands-Siedlungsgesellschaft m.b.H. wurde durch Andreas Thaler und andere am 29. März 1933 in Wien gegründet und verfügte über eine Zweigstelle in Innsbruck. Thaler wurde mit Einzelprokura ausgestattet. Dies ermöglichte ihm, Liegenschaften im Ausland zu erwerben. Die Gesellschaft wurde im Jahr 1959 aufgelöst. Zweck der Siedlungsgesellschaft war die Organisation von Auswanderung und der Aufbau von Siedlungen, hauptsächlich für Tiroler Bauern, um der Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrise der 1930er Jahren zu entgehen. Bild 1: Porträt (Öl auf Leinwand) des österreichischen Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft Andreas Thaler (1883-1939) aus dem Andreas-Thaler-Haus in Treze Tilias (Brasilien). Präsident der Auslands-Siedlungsgesellschaft war Andreas Thaler (geboren am 10. September 1883 in Oberau in der Wildschönau in Tirol; verstorben am 28. Juni 1939 in Dreizehnlinden, Brasilien).[1] Von 1914 bis 1919 war er Gemeindevorsteher von Oberau und ab 1919 Abgeordneter im Tiroler Landtag. Von 1919 bis 1921 fungierte er als Obmann des Tiroler Antisemitenbundes. 1929 bis 1932 war er Obmann des Reichsbauernbundes. 1927 bis 1933 war er Nationalratsabgeordneter für die Christlichsoziale Partei. Vom 15. Januar 1926 bis 4. Mai 1929 und vom 30. September 1930 bis zum 18. März 1931 war er in fünf Kabinetten Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft. Als Bauernsohn kannte Thaler die Nöte der einfachen Bauern in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts nur zu gut. Die Weltwirtschaftskrise brachte Arbeitslosigkeit, die nicht aufhören wollende Inflation seit den 1920er Jahren, die Tausend-Mark Sperre Hitlers[2], die den schon damals wichtigen österreichischen Tourismus 1933 zum Erliegen brachte und die strenge Erbfolge der Tiroler Bauern, nach der der erstgeborene Sohn den Hof erbte und die anderen Geschwister leer ausgingen waren allgegenwärtige Sorgen. 1931 trat Thaler aus der Bundesregierung aus und widmete sich ganz der Aussiedlungsfrage. Er bereiste fast ganz Südamerika um geeignetes Siedlungsgebiet für seine Bauern zu finden. Auch hielt er viele Vorträge in Tirol und Vorarlberg, um für seine Siedlungsgesellschaft zu werben. Das Gebiet des späteren Dreizehnlinden in Brasilien stand nach Thalers Südamerikareise ganz oben auf der Liste. Ausschlaggebend waren für ihn die wenigen Kindergräber auf den Friedhöfen, denn Gelbfieber war damals in Südamerika eine große Plage. Zudem lag das Gebiet auf 700 bis 1.300 Meter Höhe, war hügelig und die Temperatur war ähnlich der in Südtirol und im Welsch-Tirol (heutiges Trentin). Entscheidend für Thaler war auch die niedrige Bevölkerungsdichte des Landes mit nur fünf Menschen pro Quadratkilometer sowie die Eisenbahnanbindung an die großen Städte. Außerdem gab es in dieser Gegend schon weitere deutschsprachige Auswanderer. Seitens der brasilianischen Regierung erhielt Thaler jede Unterstützung, man war gerne bereit Österreicher aufzunehmen. Auf seiner Reise durch den Bundesstaat Santa Catarina[3] wurde Thaler vom österreichischen Konsul Walther von Schuschnigg[4] beraten. Schuschnigg schlug eine Siedlungsmöglichkeit in der Kolonie Sao Bento vor, nahe der Eisenbahnstation von Barra do Sao Bento, dem heutigen Itapui. Diese Kolonie wurde von Jose Schneider verwaltet. In der 1928 gegründeten Siedlung lebten 300 überwiegend deutschkatholische Familien, Deutschbrasilianer, Reichsdeutsche, Österreicher, Russlanddeutsche und Schweizer. Ausgestattet mit 500.000 Schilling von der Dollfuß-Regierung konnte Thaler ein Gebiet von 52 Quadratkilometern im vorgeschlagenen Gebiet kaufen. Bild 2: Siedlungsgebiet Dreizehnlinden. Am 08. September 1933 machten sich die ersten Auswanderer über den Hafen Genua auf die Reise und erreichten am 18. September 1933 Rio de Janeiro. Von dort erfolgte die beschwerliche Weiterfahrt ins Zielgebiet. Am 13. Oktober 1933 wurde Dreizehnlinden offiziell gegründet. Die Gemeinde war anfänglich streng genossenschaftlich strukturiert. Andreas Thaler wurde bei der Namensfindung für die neue Siedlung durch das Buch von Friedrich Wilhelm Weber „Dreizehnlinden“[5] inspiriert. In diesem Epos geht es um christliche Missionierung und um den Niedergang des Heidentums. Das passte zu seinem katholischem Wertesystem und war der perfekte Name für die neue Siedlung. Die ersten Jahre waren für die Neuankömmlinge sehr beschwerlich. Es warteten schwere Arbeit, ein wider Erwarten ungewohntes Klima, viele Entbehrungen und natürlich Heimweh. Aber es ging langsam voran. Bild 3: Die ersten Siedler hausten in diesen Baracken. Bild 4: Dreizehnlinden in den frühen Siedlungsjahren. Das vorhandene brasilianische Bargeld musste in erster Linie für den An- und Ausbau der Siedlung verwendet werden. Der Bargeldmangel belastete jedoch zunehmend den wirtschaftlichen Aufstieg der Gemeinde. Deshalb wurde ein Gutscheinsystem eingeführt, das auf geleisteter Gemeinschaftsarbeit basierte. Die Gutscheine waren außerhalb der Siedlung wertlos und innerhalb der Siedlung eine Art Ersatzwährung. Sie dienten vermutlich als Tauschmittel, um Lebensmittel, Alltagsprodukte und Ähnliches zu erwerben. Folgende Gutscheine sind bekannt:[6] Eine halbe Stundenschicht ohne gedruckte Unterschrift, Format 105 x 65 mm Eine ganze Stundenschicht ohne gedruckte Unterschrift, Format 110 x 70 mm Eine halbe Tagschicht mit gedruckter Unterschrift Andreas Thaler, Format 111 x 71 mm Eine ganze Tagschicht mit gedruckter Unterschrift Andreas Thaler, Format 119 x 75 mm Bild 5.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Stundenschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 5.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Stundenschicht ohne Datum, Rückseite. Bild 6.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Stundenschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 6.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Stundenschicht ohne Datum, Rückseite. Bild 7.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Tagschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 7.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Tagschicht ohne Datum, Rückseite. Bild 8.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Tagschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 8.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Tagschicht ohne Datum, Rückseite. Die farbig gestalteten Gutscheine weisen auf den Vorderseiten die Arbeitsleistung auf und die Rückseiten zeigen verschiedene landwirtschaftliche Motive. Alle Gutscheine sind auf Papier ohne Wasserzeichen und ohne Kontrollnummer ausgeführt. Ausgegeben wurden sie nach bislang bekannten Informationen in den Jahren 1934 bis 1935. Sie sollen in Österreich, vermutlich in Innsbruck gedruckt worden sein. Eine Druckerei ist allerdings nicht bekannt. Für den Aufbau der Gemeinde und aufgrund der genossenschaftlichen Organisation müssen sehr viele Arbeitsstunden geleistet worden sein, folglich dürften in den Anfangsjahren viele Gutscheine Verwendung gefunden haben. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt. Heute sind diese Stücke sehr selten und kaum erhältlich. Der Autor hatte seine Exemplare vor Jahren in Brasilien erworben. Eine aktuelle Bewertung kann für die wenigen bekannten Exemplare nicht abgegeben werden. Es dürften sich um Liebhaberpreise handeln, wenn solch ein Gutschein doch einmal angeboten werden sollte. Ein Landlos von 20 ha kostete die Siedler seinerzeit 1.500 Schilling, das abbezahlt werden musste. Auch das bereitgestellte Vieh musste gekauft werden. Eine Familie bekam zunächst höchstens 20 ha Land zugewiesen. Zwei mittlere Kühe kosteten 300 bis 400 Milreis (damals 130 bis 170 Schilling). Ein Arbeiter verdiente pro Tag 2 Milreis[7]. Unbemittelte Siedler mussten so lange in der Gemeinschaftssiedlung arbeiten, bis sie die Mittel zum Ankauf einer eigenen Kolonie aufbringen konnten. Das bedeute einen hohen Anteil an gemeinschaftlicher Arbeit. Und heute? Brasilien trat 1942 auf Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Die Regierung unter dem davor deutschfreundlichen Präsidenten Vargas änderte nun ihre Politik grundsätzlich. Die Verwendung der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit wurde verboten. Das Land der Siedler wurde enteignet und Dreizehnlinden in Papuan umbenannt. Am 29. April 1963 wurde Dreizehnlinden wieder zur selbstständigen Gemeinde erklärt. Auch der ursprüngliche Name wurde wieder eingeführt, allerdings nun offiziell in der portugiesisch-sprachigen Version als "Treze Tilias". Bild 9: Wappen von Treze Tilias – Das brasilianische Tirol. Bis in die 1980er Jahre fristete man in Treze Tilias ein eher kärgliches Dasein, da die Straße in die nahe gelegene Stadt Joaçaba sehr schlecht und damit der Absatz für landwirtschaftliche Produkte erschwert war. Erst mit der Verbesserung von Infrastruktur, der Anbindung an das überörtliche Straßennetz und der Gründung der Molkerei Tirol im Jahr 1975 erhielt die Gemeinde einen bedeuteten wirtschaftlichen Aufschwung. Die Firma Tirol ist inzwischen die zweitgrößte Molkerei in Brasilien, der größte Betrieb des Ortes und einer der größten der ganzen Region. Das zweite Standbein der Gemeinde Treze Tilias ist der Tourismus. Jährlich Mitte Oktober feiert die Gemeinde ein Tirolerfest zur Erinnerung an die österreichischen Einwanderer. Bild 10: Tirolerfest in Treze Tilias. An die österreichische Tradition erinnern insbesondere das weit verbreitete Kunsthandwerk der Holzbildhauer sowie die Tiroler Musikkapelle Dreizehnlinden, die Schuhplattlergruppe, die Volkstanzgruppe, viele Häuser im Tiroler Baustil, die Edelweiß-Bar, das Rathaus, die vielen Blumen an den Ortseinfahrten und im Zentrum sowie Hotels und Gebäude im alpenländischen Stil. Besuchen Sie einmal die Webseite von Treze Tilias[8]. Sie gibt es natürlich auch deutschsprachig. Bild 11: Rathaus von Treze Tilias. Die Bewahrung von Tradition, Herkunft und Sprache, dem großen Ziel von Andreas Thaler, ist sehr gut gelungen. Zwischen Treze Tilias und der alten Heimat Tirol, insbesondere nach Wildschönau[9] [10] bestehen Partnerschaften, die intensiv gepflegt werden. Sollten Sie einmal die Gelegenheit haben in Brasilien zu sein, dann kann ich einen Besuch von Treze Tilias nur empfehlen. Eigentlich wollte ich nur kurz diese seltenen Gutscheine vorstellen, aber nun ist doch ein längerer Text entstanden. Es gäbe noch sehr viel mehr zu erzählen: von der Zeit vor 90 bis 100 Jahren, von der Aufbauzeit in Brasilien und von der heutigen Zeit. Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben und vielleicht Neugier auf mehr wecken. Thomas van Eck Anmerkungen [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Thaler [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Tausend-Mark-Sperre [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Catarina [4] https://www.vienna.at/die-oesterreicher-in-brasilien/3966571 [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Dreizehnlinden_(Friedrich_Wilhelm_Weber) [6] Sammlung des Autors [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Milreis [8] https://www.trezetilias.com.br/deutsch [9] https://www.wildschoenau.com/de [10] https://www.wildschoenau.gv.at/gemeinde-wildschoenau/unser-tal/partnergemeinde-dreizehnlinden

  • Zwei aktuelle Veröffentlichungen der Oesterreichischen Nationalbank

    Die Oesterreichische Nationalbank 1925 – Aufbruch in eine neue Zeit 64 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Format 21 x 25 cm, Broschur. Oesterreichische Nationalbank, Wien, 2025. Zu bestellen über das Geldmuseum der OeNB: geldmuseum@oenb.at Es war einmal … DER SCHILLING 80 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Format 21 x 25 cm, Broschur. Oesterreichische Nationalbank, Wien, 2025. Zu bestellen über das Geldmuseum der OeNB: geldmuseum@oenb.at Die Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) pflegt ihre Geschichte. Am Hauptsitz Otto-Wagner-Platz in Wien unterhält die Bank neben dem Bankhistorischen Archiv das Geldmuseum mit zahlreichen Ausstellungsstücken aus der hauseigenen Sammlung. Der Eintritt ist frei, ein Besuch lohnt sich. Daneben veranstaltet die Bank dort, sowie in ihrer letzten noch verbliebenen Zweiganstalt in Innsbruck regelmäßig wechselnde Sonderausstellung, zu denen auch Publikationen herausgegeben werden. 2025 war man aus Anlass des 100jährigen Jubiläums sowohl der Einführung der Schillingwährung in Österreich als auch des Bezugs des neuen Bankgebäudes am Otto-Wagner-Platz besonders rege: Im Oktober 2025 fand im historischen Kassensaal der Bank, leider nur für wenige Tage, die Sonderausstellung „1925 – Aufbruch in eine neue Zeit“ statt. Bereits im August war in den Räumen des Geldmuseums die Sonderausstellung „Es war einmal … DER SCHILLING“ eröffnet worden, die bis Anfang Juli 2026 lief. Anlässlich beider Ausstellungen erschien jeweils eine gedruckte Publikation, die hier kurz vorgestellt werden sollen. Das im März 1925 eröffnete neue Bankgebäude markierte einen Wendepunkt in der österreichischen Architektur. Ursprünglich war es als Nebengebäude eines monumentalen Palastes der Oesterreichisch-ungarischen Bank geplant worden und sollte lediglich die Wertpapierdruckerei der Bank aufnehmen. Die Arbeiten am Bankpalast wurden infolge des Kriegsbeginns nicht mehr realisiert und waren nach dem Ersten Weltkrieg infolge der Auflösung der Bank obsolet geworden. Das teilweise bereits fertig gestellte Nebengebäude wurde von 1923 bis 1925 nach den Plänen der Architekten Rudolf Eisler und Ferdinand Glaser zum Hauptsitz der neugegründeten OeNB umgebaut. Es markiert durch seine nüchterne und funktionale Gestaltung mit zurückhaltenden geometrischen Dekorationselementen den Höhepunkt der Kunstrichtung der „Neuen Sachlichkeit“, die als Bau- und Kunststil nach dem Ersten Weltkrieg auch in Österreich Einzug hielt. Auch die Erstausgabe der neuen Schillingnoten war von dieser Kunstrichtung geprägt. Sie zog viel Kritik auf sich, insbesondere hinsichtlich der Porträtabbildungen auf der Vorderseite, so dass schon 1925 ein Künstlerwettbewerb für eine zweite Banknotenserie ausgerufen wurde. Überhaupt war die Einführung der Schillingwährung in Österreich von zahllosen wirtschaftlichen Herausforderungen begleitet. Dennoch etablierte sich die Währung, die ab 1927 in den Umlauf gegebene Banknotenserie fand in der Öffentlichkeit Akzeptanz. Im Dezember 1945 erlebte der Schilling seine Wiedergeburt, und erst 2002 verabschiedete er sich im Zuge der Euroeinführung auch in Österreich – nicht vollständig, da die Münzen und Banknoten der letzten Ausgabe unbegrenzt umtauschbar bleiben. Beide Publikationen ergänzen sich und überzeugen durch sehr fundiert recherchierte und interessant geschriebene Texte sowie zahlreiche Abbildungen. In der Broschüre „1925 – Aufbruch in eine neue Zeit“ erhält der Leser neben vielen wertvollen Informationen rund um die Ausgabe der ersten Schillingnoten sowie der Folgeserie Einblicke in die künstlerische Gestaltung des Bankgebäudes zum Zeitpunkt seiner Eröffnung, und lernt ausgewählte Bilder österreichischer Künstler aus der Kunstsammlung der Bank kennen, die einen umfassenden Eindruck vermitteln, wie die Gestaltungen des Gebäudes zum Zeitpunkt seiner Eröffnung künstlerisch einzuordnen ist. Den Banknotensammler erfreuen neben den Abbildungen der Geldscheine der ersten Schillingserie von 1925 unter anderem bisher unveröffentlichte Entwürfe für die Banknoten der zweiten Serie aus dem Künstlerwettbewerb von 1925. Die Publikation „Es war einmal … DER SCHILLING“ enthält darüber hinaus zahlreiche weitere Informationen über die durch die OeNB seit 1925 ausgegebenen Banknoten sowie Abbildungen, Fotos und Dokumente aus 70 Jahren Schillingwährung. Auch einige Fälschungen von Schillingnoten sind darunter. Wer sich für österreichisches Papiergeld interessiert, wird beide Publikationen mit viel Freude lesen. Sie werden durch die OeNB kostenfrei abgegeben, solange verfügbar. Dr. Sven Gerhard

  • Geldscheinporträts: Immanuel Kant – "Der große Zerstörer im Reiche der Gedanken"

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. ​Geburtsname: Immanuel Kant Zur Person: Philosoph ​Nationalität: Deutsch ​Lebensdaten: 22. April 1724 – 12. Februar 1804 ​Geburtsort: Königsberg i. Pr. ​Sterbeort: Königsberg i. Pr. Immanuel Kant, Porträt um 1790, möglicherweise von Elisabeth von Staegemann (1761–1835). Immanuel Kant revolutionierte die Philosophie. Was er in seinen Schriften niederlegte, bildete eine Zäsur, von der sich das Denken bis heute nicht erholt hat – im besten Sinne. Noch heute wird die deutsche Philosophie in eine Phase vor und nach Kant eingeteilt. Heinrich Heine adelte ihn als „großen Zerstörer im Reiche der Gedanken“. Sein Leben hingegen hatte wenig von dem eines Revolutionärs. Er hat seine Geburtsstadt Königsberg in Ostpreußen nie verlassen. Während sein Denken die Welt erschütterte, war sein Alltag von einer fast pedantischen Regelmäßigkeit geprägt. Die Bürger Königsbergs sollen ihre Uhren nach seinen täglichen Spaziergängen gestellt haben, so pünktlich war der Professor in seinen Gewohnheiten. Seine bedeutendste Errungenschaft war wohl die sogenannte „kopernikanische Wende“ in der Erkenntnistheorie. Fast zehn Jahre widmete sich Kant seinem Monumentalwerk „Kritik der reinen Vernunft“. 1781 war es fertiggestellt. Das Resultat bezeichnete Kant selbst als „Revolution der Denkungsart“. Er stellte darin die bis dahin gängige Auffassung völlig auf den Kopf: Wir erkennen die Welt nicht, wie sie an sich ist, sondern wie sie uns durch die Strukturen unseres Verstandes erscheint. Er bricht damit mit dem Rationalismus und erwachte, wie er in seinem Vorwort schrieb, durch die Lektüre von Werken David Humes aus dem „dogmatischen Schlummer“. Nachdem er sich durch Rezensenten missverstanden fühlte, verfasste er ein erläuterndes und einleitendes Werk zur „Kritik der reinen Vernunft“, die „Prolegomena“. 1787 veröffentlichte er eine zweite und überarbeitete Auflage seiner Kritik. Ebenso bedeutsam war seine Moralphilosophie, die er vor allem in seiner zweiten Kritik, der „Kritik der praktischen Vernunft“ von 1788, dargelegt hat. Der kategorische Imperativ – „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ – gehört bis heute zu den unverzichtbaren Grundlagen ethischen Denkens. Kant befreite die Moral von äußeren Autoritäten und gründete sie auf die Vernunft selbst. Königsberg i. Pr., Ostpreußen, Notgeldschein, 100 Mark vom 30.09.1922. Vorderseite: Ansicht Königsbergs mit Blick über den Schlossteich zum Königsberger Schloss, das 1944/45 schwer beschädigt wurde, nach dem Krieg verfiel und 1968 auf Anweisung Leonid Breschnews restlos abgetragen wurde. Königsberg i. Pr., Ostpreußen, Notgeldschein, 100 Mark vom 30.09.1922. Rückseite: Büste Immanuel Kants mit Früchtekranz, links und rechts Engelfiguren mit brennenden Kerzen. Auch politisch war Kant alles andere als zurückhaltend. Die Französische Revolution begrüßte er ausdrücklich als Fortschritt der Menschheit. Diese Haltung behielt er bei, auch als nach 1786 Friedrich Wilhelm II. die Regierung übernahm und Kant mit Sanktionen rechnen musste. Trotz zunehmender Zensur veröffentlichte Kant in dieser Zeit seine religionsphilosophischen Schriften. Nach ihnen lässt Gott sich nicht logisch beweisen, da Gott kein Gegenstand möglicher Erfahrung ist. Doch konsequentes moralisches Handeln ist nicht möglich ohne den Glauben an Gott. Daher ist die Moral das Ursprüngliche und die Religion erklärt die moralischen Pflichten als göttliche Gebote. Kant hat nie geheiratet, keine Kinder, keine weiten Reisen unternommen. Sein Leben spielte sich in einem Radius von wenigen Kilometern ab. Und doch reicht sein Einfluss bis in die entferntesten Winkel der modernen Welt. Keine ethische Debatte, keine erkenntnistheoretische Diskussion in der Philosophie kommt an ihm vorbei. Der Mann, der Königsberg nie verließ, hat die Grenzen des menschlichen Denkens neu vermessen. Elias Heindl Literatur/Quellen: Heinrich Heine (1834): Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. In: Der Salon, Band 2, 1835. (aufgerufen über: https://www.projekt-gutenberg.org/heine/religion/religion.html, zul. am 18.12.2025) https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Jürgen Kaube: Wider die Selbstverkleinerung des Geistes. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2024 (aufgerufen über: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/immanuel-kant-der-alleszermalmer-wurde-heute-vor-300-jahren-geboren-19664507.html, zul. am 17.12.2025) Manfred Kühn (2001): Kant. A Biography. Cambridge University Press

  • Philippinen: Eine neue 3000-Piso-Gedenkbanknote

    Am 10. Juni 2026 stellte der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Alexander G. Gesmundo, im Sitzungssaal des Obersten Gerichtshofs in Manila eine neue Gedenkmünze, eine Gedenkbanknote und Gedenkbriefmarken zu Ehren des 125-jährigen Bestehens des Gerichtshofs vor. Präsident des Obersten Gerichtshofs Alexander G. Gesmundo (vordere Reihe, Mitte) leitet die Vorstellung der Gedenkausgaben des Obersten Gerichtshofs. Die 125-jährige Geschichte des Obersten Gerichtshofs und sein Vermächtnis bei der Wahrung von Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit auf den Philippinen wurden der philippinischen Bevölkerung durch eine Gedenkbanknote und eine Gedenkmünze der Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) sowie durch Gedenkbriefmarken der Philippine Postal Corporation (PHLPost) nähergebracht, die am 10. Juni 2026 offiziell vorgestellt wurden. Der Oberste Richter Alexander G. Gesmundo leitete die Zeremonie, an der auch der Senior-Richter am Obersten Gerichtshof Marvic M.V.F. Leonen sowie weitere Richter teilnahmen. Der Oberste Richter Alexander G. Gesmundo (rechts) nimmt die Gedenkbanknote zum 125-jährigen Jubiläum des Obersten Gerichtshofs von Eli M. Remolona Jr., dem Gouverneur der Bangko Sentral ng Pilipinas, entgegen. Die 3000-Piso-Gedenkbanknote, die erste von der BSP herausgegebene Banknote mit vertikalem Design, zeigt das Porträt des ersten Obersten Richters der Philippinen, Cayetano Arellano. Auf der Vorderseite ist der Sitzungssaal des Obersten Gerichtshofs abgebildet, der derzeitige Veranstaltungsort für mündliche Verhandlungen „en banc“ und früher die Hauptbibliothek der Universität der Philippinen, bevor diese nach Diliman in Quezon City verlegt wurde. Auf der Rückseite sind die Justitia, das neue Gebäude des Obersten Gerichtshofs sowie die Namen der Präsidenten zu sehen, die den Obersten Gerichtshof seit 1901 geleitet haben – von Präsident Arellano bis hin zu Präsident Gesmundo. Die Banknote wurde von dem BSP-Künstler Kenneth Arroyo entworfen. Sowohl die neue Banknote als auch die Münze sind gesetzliches Zahlungsmittel, d. h., sie sind landesweit als Zahlungsmittel gültig. Beide Gedenkausgaben werden in Kürze bei der BSP und im neu eröffneten Souvenirladen des Obersten Gerichtshofs erhältlich sein. Donald Ludwig

  • Abchasien: Gedenkbanknote im Nennwert von 200 Apsar ausgegeben

    Am 8. Juni 2026 gab die Nationalbank der Republik Abchasien die Ausgabe einer neuen Gedenkbanknote im Nennwert von 200 Apsar bekannt. Auf der Vorderseite ist rechts Nestor Apollonowitsch Lakoba abgebildet. Er war ein Revolutionär und Führer der Sozialistischen Sowjetrepublik Abchasien in den 1920er- und 1930er-Jahren. In der Mitte ist ein stilisierter Reiter der abchasischen revolutionären Einheit „Kiaraz“ zu sehen (basierend auf einer Komposition aus einem Mosaik aus der Sowjetzeit, das sich am Ufer von Suchumi befindet). Oben rechts befindet sich das Staatswappen der SSR Abchasien (1921–1931). Das Motiv enthält außerdem das aktuelle Staatswappen der Republik Abchasien, sieben in einem Halbkreis angeordnete Sterne, die zweimal vorhandene Wertangabe „200 Apsars“, den Namen der ausgebenden Behörde sowie die Unterschrift von Beslan Baratelia, dem Vorsitzenden der Nationalbank der Republik Abchasien. In der Mitte der Rückseite ist die dekorative Inschrift „Apsny“ vor dem Hintergrund eines traditionellen abchasischen Gehöfts mit Wohngebäuden zu sehen. Im oberen Teil der Komposition ist ein hochfliegender Falke abgebildet. Die Banknote enthält außerdem sieben in einem Halbkreis angeordnete Sterne, die zweifache Nennwertangabe „200 Apsar“ sowie die Kontrollnummer der Banknote, die sowohl im rechten als auch im unteren Bereich der Banknote aufgedruckt ist. Unten rechts erscheint ein QR-Code. Die vorherrschende Farbgebung basiert auf Rot- und Orangetönen. Die neue Banknote misst 150 mm × 65 mm und wurde von Dzhapua B. R. entworfen. Es wurden 5000 Banknoten gedruckt und „in Umlauf“ gebracht. Diese Ausgabe folgt auf die Stückelungen von 10, 25, 50, 100 und 500 Apsar. Austauschnote sind durch die Serie AB gekennzeichnet. Die Republik Abchasien ist ein teilweise anerkannter Staat im Südkaukasus. Die Nationalbank von Abchasien vermarktet diese Banknoten intensiv an internationale Sammler. Lesen Sie HIER und HIER mehr über einige der früheren Ausgaben. Donald Ludwig

  • Ein scheinbar unedierter Notgeldschein des Donnerstags Kegel-Club der Stadt Vohwinkel

    Vohwinkel war bis 1929 eine selbstständige Stadt innerhalb der preußischen Rheinprovinz und gehörte von 1877 bis 1929 zum Kreis Mettmann. Der Landkreis Mettmann hatte bis dahin seinen Sitz in Vohwinkel. Durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets vom 29. Juli 1929 wurde Vohwinkel zusammen mit den Städten Barmen, Cronenberg, Elberfeld und Ronsdorf zunächst zu Barmen-Elberfeld vereinigt. Noch im selben Jahr beschloss die Stadtverordnetenversammlung der neu gegründeten Gemeinde, dem Preußischen Staatsministerium vorzuschlagen, die Stadt in Wuppertal umzubenennen. Dem Vorschlag wurde im Januar 1930 stattgegeben. Von der Stadt Vohwinkel wurde im Jahr 1923 auch eigenes Notgeld ausgegeben. Hierzu wurde bereits in diesem Blog ein lesenswerter Artikel veröffentlicht, auf den ich gerne verweise.[1] Am 10. August 1923, einem Freitag, wurden die ersten städtischen Notgeldscheine ausgegeben. Die Scheine über 100.000, 500.000, 1 Million, 5 Millionen und 10 Millionen Mark tragen dieses Datum. Die Ausgaben sind alle ohne Wasserzeichen, eine Druckfirma ist auf den Scheinen nicht angegeben. Einzige Ausnahme ist die Ausgabe über 500.000 Mark gedruckt auf rotem Papier. Auf diesen Scheinen ist als Druckfirma „Hüster & Vogel, Vohwinkel“ genannt. Dieser rote Schein ist in seiner Gestaltung etwas anders als die übrigen städtischen Notgelder.[2] Er hatte eine Auflagenhöhe von 18.000 Exemplaren und wurde bereits zum 1. September 1923 zu Einlösung aufgerufen. In Vohwinkel gab es neben der Druckerei Hüster & Vogel auch die Meise & Möcking GmbH, diese stellte u.a. auch diverse Ausgaben an Briefmarkenkapselgeld her. Die städtischen Notgeldscheine sind aufgrund ihrer Gestaltung wahrscheinlich von einer heute nicht mehr verifizierbaren Druckerei hergestellt worden. Ein besonderer Gutschein aus Vohwinkel, der auf den ersten Blick wie ein Notgeldschein wirkt, soll an dieser Stelle vorgestellt werden. Es handelt sich um einen Gutschein über 500.000 Mark vom 13. August 1923[3], ohne Wasserzeichen, beidseitig bedruckt. Aussteller ist der „Donnerstags Kegel-Club der Stadt Vohwinkel“. Unterzeichnet durch den Präsidenten des Kegel-Clubs mit „Baas“. In der rheinischen Mundart bezeichnet Baas einen Vorsitzenden, Meister, Herr oder einen der die Oberaufsicht hat. Im Text auf der Vorderseite des Gutscheins ist zu lesen: „Dieser Gutschein wird von allen Kassen nicht angenommen. Der Gutschein verliert seine Gültigkeit mit dem Tage der Annahme; er wird nie eingelöst, da als Zahlungsmittel nicht zulässig. Vor Annahme wird gewarnt.“ Die Bezeichnung „Donnerstags Kegel-Club der Stadt Vohwinkel“ suggeriert, dass es sich bei den Mitgliedern des Kegel-Clubs möglicherweise um Bedienstete der Stadtverwaltung Vohwinkel gehandelt haben könnte, die sich regelmäßig an einem Donnerstag zu einem geselligen Beisammensein trafen. Leider konnten keine weiteren Angaben zu diesem Kegel-Club gewonnen werden. Allerdings spricht einiges dafür, dass die v.g. Annahme vielleicht richtig sein könnte. Folgende Anhaltspunkte weisen daraufhin: die grafische Gestaltung es Gutscheins weist wie das städtische Notgeld einen starken Heimatbezug auf, die Schreibweise von Ort und Datum stimmen mit Ausnahme der verwendeten Schrifttype überein, das verwendete Papier ist das gleiche wie bei den städtischen Ausgaben und der Gutschein wurde nur drei Tage später datiert. Denkbar ist, dass Mitglieder des Kegel-Clubs als Bedienstete der Stadt Vohwinkel mit der Gestaltung des städtischen Notgelds beruflich involviert waren. Im lilafarbigen Unterdruck des Gutscheins werden Szenen aus Vohwinkel gezeigt, aber was ist darauf zu sehen? Auf der Vorderseite ist links ein Eckhaus, rechts Teile des Stadtgartens und natürlich die Schwebebahn. Als Vorlage wurde hier eine Ansicht „Stationsgarten Vohwinkel im Jahre 1900“ verwendet. Die Fläche des Stationsgartens lag damals neben der Endstation der Schwebebahn. Eine spätere Postkarte „Vohwinkel, Schwebebahn am Kaiserplatz“ zeigt eine ähnliche Ansicht.[4] Im Eckhaus ist nun das Café H. Bremkamp zu erkennen. Der Kaiserplatz ist und war die zentrale Straßenkreuzung in Vohwinkel.[5] Das Café des Hugo Bremkamp war Conditorei, Restauration und beliebter Treffpunkt. Gegründet Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte es zu den besseren Restaurants und verfügte auch über eine eigene Musikkapelle. Eine eigene Kegelbahn gehörte ebenfalls dazu. Es ist zu vermuten, dass sich der „Donnerstags Kegel-Club“ regelmäßig in der Restauration Bremkamp getroffen haben könnte. Die eigenen Gutscheine könnten als eine Art Spielgeld gedient haben. Die linksseitig gedruckte vierstellige Kennnummer könnte auch einzelne Punkte, die man beim Kegeln erzielen kann, darstellen. Auch die Rückseite des Gutscheins zeigt eine Straßenszene für die eine historische Vorlage verwendet wurde. Sie zeigt die Kaiserstraße. An dieser Stelle gilt mein Dank dem Bürgerverein Vohwinkel und dem Bezirksbürgermeister von Vohwinkel Herrn Andreas Schäfer für die freundliche Unterstützung.[6] Im Jahr 2026 feiert die Schwebebahn ihren 125. Geburtstag mit vielen Veranstaltungen.[7] Zu diesem Anlass gibt die Münze Deutschland im September 2026 eine 35-Euro-Silbermünze aus.[8] Zur Geschichte der Schwebebahn sei auf die lesenswerten Ausführungen in Wikipedia verwiesen.[9] In Wuppertal gibt es aber noch viel mehr zu entdecken, es lohnt sich. Übrigens, die Schwebebahn kann man auch mit dem Deutschlandticket nutzen. Thomas van Eck Anmerkungen https://www.geldscheine-online.com/post/vohwinkel-1923-goethe-notgeld https://www.vohwinkel.net/3-verwaltung/notgeld.htm Sammlung van Eck. Alle Postkarten aus der Sammlung U. Johenneken, Wuppertal. https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserplatz_(Wuppertal) https://buergerverein-vohwinkel.de/vohwinkel-historisch https://www.wsw-online.de/mobilitaet/schwebebahn/jubilaeum-der-schwebebahn/ https://shop.muenze-deutschland.de/Muenzen/Alle-Muenzen/35-Euro-Silbermuenze-2026-125-Jahre-Wuppertaler-Schwebebahn.html https://de.wikipedia.org/wiki/Wuppertaler_Schwebebahn

  • Von der "Platte" zu "Erichs Lampenladen"

    Zur Gestaltung der Rückseite der Banknote zu 100 Mark der Staatsbank der DDR der Ausgabe 1975[1] „Erichs Lampenladen“ war in der DDR ein Spitzname für den am 23. April 1976 eröffneten Palast der Republik am Marx-Engels-Platz (Lustgarten) im Zentrum von (Ost-)Berlin. Mit dem Bau war im November 1973 begonnen worden. Der Palast der Republik war Sitz der Volkskammer der DDR und beinhaltene ferner zahlreiche Veranstaltungsräume, Bars und Restaurants, die für Besucher frei zugänglich waren. Er wurde im September 1990 wegen der Belastung mit Spritz-Asbest geschlossen, dann entkernt und zwischen 2006 und 2008 abgerissen – eine Entscheidung, die immer noch kontrovers diskutiert wird. Heute steht an dieser Stelle der Nachbau des Berliner Stadtschlosses mit dem Humboldt-Forum. Der Spitzname „Erichs Lampenladen“ (auch „Lampenhaus Mitte“) spielte auf die rund 10.000 kugelförmigen Lampen in Foyer des Gebäudes an. Palast der Republik, Blick in das Hauptfoyer, Foto: Ulrich Kohls, Aufnahme vom 22. April 1976, einen Tag vor der Eröffnung des Gebäudes. Abb. Bundesarchiv (Wikimedia Commons). Staatsbank der DDR - 100 Mark Ausgabe 1975, ausgegeben ab 2.10.1978 (Grab DDR-25, Ro. 363), Rückseite: Stadtzentrum von (Ost-)Berlin mit Palast der Republik, fertiggestellt 1976. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Der Palast der Republik ist auf der Rückseite der ab 2. Oktober 1978 ausgegebenen Banknote zu 100 Mark der Staatsbank der DDR (Ausgabe 1975)[2] abgebildet. Auf dieser Abbildung ist die Sicht auf das Gebäude von der Straße „Unter den Linden“ her in Richtung Osten, so dass vom Betrachter aus links das historische Zeughaus, mittig im Hintergrund der Fernsehturm am Alexanderplatz, und rechts ein kleiner Ausschnitt des Kronprinzenpalais zu sehen ist. Das an das Kronprinzenpalais an der Straße Unter den Linden Richtung Osten anschließende Gebäude der Alten Kommandantur ist nicht im Bild – es war im Krieg beschädigt und 1950 abgerissen worden, es wurde erst zwischen 2001 und 2003 wieder errichtet. Die Abbildung des Palastes der Republik auf der Rückseite der Banknote zu 100 Mark war zunächst nicht vorgesehen. Als das Politbüro des Zentralkomitees der SED[3] am 10. November 1970 die Motive für die Ausgabe einer neuen Banknotenserie der Staatsbank der DDR festlegte, wählte man für die Wertstufe zu 100 Mark auf der Vorderseite eine Kopfabbildung von Karl Marx und für die Rückseite eine Abbildung des zwischen 1962 und 1964 errichteten Staatsratsgebäudes am Marx-Engels-Platz (Schlossplatz) in (Ost-)Berlin[4]. Der Entwurf der Vorderseite des Scheines stammte von Margot Bitzer, derjenige der Rückseite von Gerhard Faulwasser[5]. Die Farbe des Scheines sollte dunkelbau sein. Ursprünglicher Entwurf der 100-Mark-Banknote der Staatsbank der DDR von 1971 mit dem Staatsratsgebäude auf der Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Bereits mit Beschluss des Politbüros vom 1. Juni 1971 wurde das Motiv der Rückseite geändert. Es sollte nunmehr das Stadtzentrum von Berlin nach seiner Fertigstellung 1974 zeigen. Eine Begründung hierfür findet sich in der kurz gehaltenen Beschlussvorlage nicht. Die Gründe für diese Entscheidung mögen politischer Natur gewesen sein: 1974 wurde tatsächlich der städtebaulich neu gestaltete Bereich rund um das Rote Rathaus und den Marx-Engels-Platz in Ost-Berlin fertig gestellt, wodurch die Funktion von (Ost-)Berlin als Hauptstadt der DDR betont und hervorgehoben werden sollte. Die Ausgabe der Banknote zu 100 Mark sollte nach der Beschlussvorlage im 2. Halbjahr 1977 erfolgen. Sie verzögerte sich, weil der VEB Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig die Produktion von Banknoten für die Staatsbank der DDR zwischen Ende 1976 und Herbst 1977 zugunsten eines anderen Auftrags zurückstellen musste, nämlich der Herstellung von Banknoten für Vietnam. 2. Entwurf der Rückseite der Banknote zu 100 Mark von 1971 (Ausschnitt) - Stadtzentrum von (Ost-)Berlin. Bildnachweis: KfW, Historisches Konzernarchiv, MüA 839. Zu sehen sind auf der der Beschlussvorlage von 1971 zugrunde liegenden, gezeichneten Entwurfsvorlage moderne mehrgeschossige Wohn- bzw. Bürohäuser im Stadtzentrum von (Ost-)Berlin. Links an die moderne Häuserzeile schließt sich ein Altbau an. Im Hintergrund ist der Fernsehturm am Alexanderplatz sowie schemenhaft das rote Rathaus zu sehen, ferner zwei Hochhäuser. Im Vordergrund sind Autos sowie ein Linienbus zu erkennen, bei dem es sich um wahrscheinlich um ein ungarisches Ikarus-Modell Typ 66 handeln dürfte, der ab Mitte der 1960-er Jahre im Ostberliner Stadtverkehr zum Einsatz kam. Die Straßenszene lässt sich identifizieren: Es handelt sich um die Straßenkreuzung Wilhelmstraße/Unter den Linden mit Blick nach Osten[6]. Das größere Hochhaus im Hintergrund links ist das 1970 fertig gestellte Hotel Stadt Berlin, das kleinere Hochhaus vermutlich das zwischen 1969 und 1971 errichtete Haus des Reisens; beide Gebäude befinden sich am Alexanderplatz. Mit dem Richtfest des Palastes der Republik am 18. November 1974 war klar, dass dieser vor der Ausgabe der Banknote zu 100 Mark fertig gestellt sein würde. Mit seiner Eröffnung sollte die Umgestaltung des Ostberliner Stadtzentrums abgeschlossen werden. Durch Beschluss des Politbüros vom 8. November 1974 wurde daher die im Juni 1971 beschlossene Abbildung der Rückseite der Banknote zu 100 Mark erneut verworfen, und ein neues Motiv beschlossen, dass das Ensemble rund um den Marx-Engels-Platz mit dem Palast der Republik im Mittelpunkt zeigen sollte. Bewusst war keine Fokussierung allein auf den Palast der Republik gewollt. Vielmehr sollte durch die Verbindung von Zeughaus und (kleinem) Ausschnitt des Kronprinzenpalais die „harmonische Verbindung moderner und prägnanter Bauwerke sozialistischen Charakters mit der historischen klassizistischen Architektur Berlin dar[gestellt]“ werden. 3. Entwurf der Rückseite der Bankote zu 100 Mark von 1974 (Ausschnitt) - Stadtzentrum von (Ost-)Berlin mit Palast der Republik im Rohbau. Bildnachweis: KfW, Historisches Konzernarchiv, MüA 839. Nachdem das Politbüro den Andruck der Banknote zu 100 Mark mit Beschluss vom 2. August 1977 freigegeben hatte, begann die Produktion der Scheine im 4. Quartal 1977 im VEB Deutsche Wertpapierdruckerei Leipzig. Die bis April 1978 herzustellende Erstauflage (Serienbuchstaben AA bis AH) betrug 80 Millionen Scheine, hinzu kommen Austauschnoten mit den Serienbuchstaben ZA bis ZD. Das endgültig umgesetzte Rückseitenmotiv weicht in Details von der Vorlage der Beschlussfassung vom November 1974 ab: Der Fernsehturm erscheint weniger alleinstehend, der Turm des Roten Rathauses im Hintergrund ist nur andeutungsweise zu erkennen. Abgebildet sind zudem Straßenlaternen. Außerdem ist die Straße mit Verkehr und Passanten belebt, was die Szene lebhafter und weniger künstlich erscheinen lässt. Dieser Effekt dürfte gewollt gewesen sein. Es ist zu vermuten, dass dem ausgeführten Motiv einen Originalfoto zugrunde gelegen hat, das kurz vor oder nach Eröffnung des Palastes 1976 aufgenommen wurde, während der Entwurf von 1974 sich zwangsläufig auf eine Fotografie des Rohbaues stützen musste. Deutlich zu sehen ist das an der Fassade des Palastes des Republik – auf dem ausgegebenen Schein ist die Glasfront zu sehen, in der sich Wolken spiegeln. Der Entwurf von 1974 dagegen zeigt eine offene Gebäudefront ohne Fassade und ohne Innenausbau. Zudem fehlt das Staatswappen über dem Gebäudeeingang. Staatsbank der DDR - 500 Mark Ausgabe 1985, nicht ausgegeben (Grab DDR-27, Ro. 365) - Rückseite: Staatsratsgebäude in (Ost-)Berlin. Diese Abbildung war zunächst für die Rückseite der Banknote zu 100 Mark Ausgabe 1975 vorgesehen. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Die 1971 für die Banknote zu 100 Mark entworfene rückseitige Abbildung des Staatsratsgebäudes wurde 1984 durch die Staatsbank der DDR als Motiv wieder aufgegriffen und für die Rückseite der nicht ausgegebenen Banknote zu 500 Mark von 1985 (Grab DDR-27, Ro. 365) verwendet. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen Grabowski DDR-25, Ro. 363. Anordnung Nr. 4 über die Ausgabe neuer Banknoten der DDR vom 18. August 1978, GBl 1978 I S. 350. Das Politbüro des ZK des SED war das höchste Führungsgremium der Staatspartei SED. Es traf in seinen wöchentlichen Sitzungen alle grundsätzlichen politischen und wichtigen personelle Entscheidungen, nachdem sie von den Behörden vorbereitet worden waren. Der 1960 gegründete Staatsrat war das formelle Staatsoberhaupt der DDR. Peter Reissig, DDR-Papiergeld Katalog und Geschichte mit Bewertungen (8), moneytrend 6/2011, S. 210 ff. Frank Scholz vom DGW e.V. an dieser Stelle vielen Dank für die entsprechenden Hinweise und Bildbelege.

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