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- Superfest! Zur Vernichtung der Banknotenserie der Deutschen Notenbank von 1964
Nicht nur die Herstellung, sondern auch die Vernichtung von aus dem Verkehr gezogenen Banknoten stellte und stellt Notenbanken oft vor besondere Herausforderungen [1] . Die Deutsche Notenbank bzw. die Staatsbank der DDR stand ab Mitte der 1960er-Jahre ebenfalls vor entsprechenden Problemen, denn: Das Papier der Banknoten der Ausgabe von 1964 war zu hochwertig! Die Banknoten der Ausgaben 1948 und teilweise auch 1955 waren durch die Deutsche Notenbank verschiedenen Papier- und Kartonagefabriken zur Verkollerung übergeben worden. Dabei wurden die Scheine durch ein schweres Mahlwerk unter Hinzufügung von Wasser und chemischen Zusätzen zu einem Papierbrei zermahlen, der anschließend für die Herstellung von Papier und Pappen verwendet wurde. Ab dem 1. August 1964 gab die Deutsche Notenbank eine neue Serie von Banknoten in den Wertstufen zu 5, 10, 20, 50 und 100 MDN aus [2] , die im Stahlstich-Tiefdruck bei der Staatsdruckerei der UdSSR „Gosnak“ hergestellt worden war [3] . Mitte 1965 liefen die ersten stark gebrauchten Exemplare dieser Scheine an die Deutsche Notenbank zurück, die aus dem Umlauf genommen und zur Vernichtung bereitgestellt wurden. Auch bei diesen Scheinen versuchte man zunächst, sie an den Papierfabriken zur Vernichtung durch Verkollerung weiterzugeben. Die Scheine waren vorher durch die Deutsche Notenbank zerschnitzelt und teilweise lochentwertet worden [4] , wobei die Schnipsel recht groß waren und Teile der Banknote gut erkennen ließen. Das sollte sich noch als problematisch herausstellen. Schnipsel von zur Verkollerung bestimmten Banknoten der Deutschen Notenbank Ausgabe 1964 aus den Beständen der Papier- und Kartonagefabrik PAKA in Glashütte/Erzgebirge. Diese waren durch Anwohner am 3. Juni 1969 auf offener Strasse in Bärenhecke bei Glashütte gefunden worden. Was die Deutsche Notenbank nicht bedacht hatte, war, dass dem Papier der Scheine der Ausgabe 1964 bei der Herstellung Kunstharze zugegeben worden waren, die für eine besondere Haltbarkeit sorgen sollten. Das Papier war dadurch „nassstabil“ – es löste sich in Wasser nicht auf. Was die Haltbarkeit der Scheine und damit deren Umlaufdauer erhöhte, wurde für die Vernichtung plötzlich zu einem echten Problem: Die weiterhin bei diversen Betrieben der Altpapierverwertung angelieferten Schnipsel von Banknoten der Ausgabe 1964 konnten dort nicht mehr, wie noch die Vorgängerserien, problemlos verkollert werden. Die Papierindustrie lehnte daher ab 1968 einheitlich die weitere Annahme von Banknotenschnipseln zur Verwertung ab. Die Staatsbank tat deshalb ab Sommer 1969, was diverse Papierfabriken mit den ihr überlassenen Schnipseln - ohne Genehmigung der Staatsbank - auch schon getan hatte: Sie begann damit, diese in Säcken auf der Mülldeponie Schwanebeck bei Bernau abladen zu lassen. Dabei hatte sie allerdings den sozialistischen Schlendrian auch bei der Ablagerung von Müll nicht berücksichtigt. Denn entgegen ausdrücklichen Weisungen wurden die Säcke dabei mitnichten mit Schutt und Erde bedeckt. Wind und Wetter setzten den Säcken zu und bald fanden sich zudem ungebetene Besucher ein. Am 29. September 1969 bei der Kreisfiliale Bernau der Industrie und Handelsbank zum Umtausch vorgelegte Scheine zu 20 und 100 MDN, die aus Banknotenschnipseln zusammengeklebt worden waren, die die Staatsbank einige Monate zuvor auf der Mülldeponie Schwanebeck bei Bernau hatte abkippen lassen. Rückseiten. Am 29. September 1969 legte Dieter H. aus Zepernick bei der Kreisfiliale Bernau der Industrie und Handelsbank je eine Banknote zu 20 und 100 MDN der Ausgabe 1964 zum Umtausch vor. Die Bankmitarbeiter erkannten sofort, dass mit diesen beiden Scheinen etwas nicht stimmen konnte: Sie waren aus diversen gelochten Schnipseln zusammengeklebt. Auch wichen die Kontrollnummern auf beiden Notenhälften voneinander ab. Die Industrie- und Handelsbank zog die Noten gegen Empfangsbescheinigung ein und schickte sie an die Staatsbank der DDR in Berlin. Dort erkannte man schnell, worum es sich handelte – die Scheine waren aus den Schnipseln von zur Vernichtung bestimmten Banknoten zusammengesetzt worden. Wegen der Nähe von Zepernick zur Mülldeponie Schwanebeck war auch sofort klar, woher diese Schnipsel stammen mussten. Die Deutsche Notenbank leitete Ermittlungen ein, der Einreicher wurde durch die Volkspolizei in Bernau vorgeladen. Bei seinen Aussagen verwickelte er sich in Widersprüche: Während er zunächst angab, einer alten Dame beim Umtausch behilflich gewesen zu sein, und sodann mitteilte, dass er die Scheine zur Vermeidung von Missbrauch nur habe abgeben wollen, stellte sich schließlich heraus, dass Dieter H. Säcke mit Banknotenschnipsel auf der Müllkippe in Schwanebeck gefunden hatte, aus denen dann zwei Scheine zusammengeklebt wurden. Die Müllkippe suchte Dieter H. nach eigenen Angaben regelmäßig Samstags zum „Kramen“ auf. Nicht nachzuweisen war Dieter H., dass er die Scheine selbst zusammengeklebt hatte, von DNA-Spurenauswertung war man damals noch weit entfernt. Zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen Dieter H. kam es nicht, obwohl jedenfalls eine Strafbarkeit wegen versuchten Betrugs nachgewiesen war. Über die Gründe schweigen sich die Akten der Staatsbank aus, sie dürften aber auf der Hand gelegen haben: Dieter H. war Sekretär bei der DDR-Gewerkschaft IG Bau und Holz. Ein Funktionär als Müllkippenkramer und Bankbetrüger – ein öffentliches Aufsehen in diesem Fall musste vermieden werden. Staatsbank und Volkspolizei kamen daher überein, den Fall durch einen Bescheid der Staatsbank zum Einlösungsantrag zu beenden, der am 23. Oktober 1969 erging. Die Einlösung der Scheine wurde abgelehnt, Dieter H. vor dem Hintergrund seiner Funktionärsstellung und als Bürger des sozialistischen Staates schärfstens verwarnt. Eine Kopie des Schreibens und die zusammengeklebten Noten wurden zu den Akten genommen. Empfangsbescheinigung der Kreisfiliale Bernau der Industrie und Handelsbank über die von Dieter H. zum Umtausch vorgelegten Banknoten. Zu einer Erstattung kam es nicht. Die weitere Verklappung von Banknotenschnipseln auf Mülldeponien kam damit jedenfalls nicht mehr in Betracht, zumal auch in Bärenhecke bei Glashütte auf offener Straße Banknotenschnipsel aufgetaucht waren, die aus einer ungesicherten Abfuhr von Säcken mit nicht verkollerbaren Schnipseln durch die Papier- und Kartonagenfabrik PAKA in Glashütte stammten. Einen ähnlichen Fund hatte die Volkspolizei bereits Ende April 1969 an der Autobahn bei Duben in Brandenburg gemacht, wo in einer Sandgrube ebenfalls Säcke mit Banknotenschnipseln gefunden wurden. Diese hatte der VEB Lübbener Papierfabrik dort ohne Genehmigung der Staatsbank abladen lassen. Banknotenschnipsel aus einer Sandgrube bei Duben, die von einer Streife der Volkspolizei am 28. April 1969 sichergestellt worden waren. Der VEB Lübbener Papierfabrik hatte dort ohne Genehmigung der Staatsbank Säcke mit nicht verkollerbaren Schnipseln abladen lassen. Interessant ist, dass diese ungelocht sind. In den Folgejahren führte die Staatsbank der DDR zusammen mit diversen staatlichen Produktionsbetrieben und sogar dem Forschungsbereich Chemie der Akademie der Wissenschaften der DDR Versuche durch, nicht mehr umlauffähige Banknoten einer Wiederverwertung zuzuführen – sei es als Altpapier, bei der Herstellung von Faserplatten oder als Zwischenlage bei der Herstellung von Wellpappe. Alle Versuche brachten unbefriedigende Ergebnisse oder erwiesen sich als zu aufwändig und unwirtschaftlich. Eine testweise Verbrennung von Notenschnipseln in den Kesseln eines Ostberliner Kraftwerkes scheiterte am Aufwand: Die Verbrennung von 350 kg Banknotenschnipseln dauerte 3 ½ Stunden, da die Schnipsel nur häppchenweise dem Verbrennungsprozess beigegeben werden konnten. Außerdem führte die Verbrennung zu einer starken Verschmutzung der Kessel. Ebenso erfolglos waren Überlegungen, die ausgesonderten Banknoten in ausgedienten Bergwerksstollen zu verkippen, wie das die Nationalbank der Tschechoslowakei tat. Die Banknoten der Ausgabe 1964 erwiesen sich selbst in stark gebrauchtem Zustand als zu robust. Ab 1975 fand die Staatsbank der DDR die Möglichkeit einer Verbrennung ausgesonderter Banknoten in der 1974 in Betrieb genommenen Müllverwertungsanlage in Berlin-Lichtenberg, der seinerzeit einzigen in der DDR. Auch hier waren jedoch die Kapazitäten zur Vernichtung begrenzt. Außerdem rückten jetzt nicht mehr umlauffähige Bestände aus der ab 1973 ausgegebenen Ausgabe von 1971/1975 [5] nach, die ebenfalls vernichtet werden mussten. Die Probleme bei der Vernichtung der Banknotenausgabe 1964 erklären, warum 1990 in den Tresoren der Staatsbank der DDR noch große Mengen dieser Scheine vorhanden, obwohl bereits zum 31. Dezember 1983 ungültig geworden waren. Diese Bestände wurden dann 1991 durch die Staatsbank in Berlin in einer Untertageanlage bei Halberstadt eingelagert [6] . Auch dort erwiesen sie sich aufgrund der Papierqualität als „superfest“ [7] . Die Scheine verrotteten nicht wie geplant und mussten 2002 nach Bekanntwerden von Diebstählen unter hohem Aufwand geborgen und einer Vernichtung durch Hochtemperaturverbrennung in der Müllverbrennungsanlage Buschhaus in Schöningen bei Helmstedt zugeführt werden. Hätte man seitens der Staatsbank in Berlin vor der Einlagerung in die alten Unterlagen zur Vernichtung von Banknoten aus den Jahren 1969 bis 1975 geschaut, hätte man vielleicht erahnen können, dass der Plan, die Scheine im Halberstädter Stollen verrotten zu lassen, aufgrund der Papierqualität der Banknoten zum Scheitern verurteilt sein musste. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen Dazu Uwe Bronnert, Kurze Geschichte der Vernichtung von Banknoten, https://www.geldscheine-online.com/post/kurze-geschichte-der-vernichtung-von-banknoten Grabowski DDR-16 bis DDR 20 Interessante Details dazu bei Peter Leisering, Geldgeschichten aus der DDR, Regenstauf 2011, S. 107 ff. Vermutlich stammen lochentwerte Scheine aus den Kreisfilialen der Staatsbank, die eingezogene Scheine vor Versand an die Zentrale in Berlin zur Entwertung mehrfach lochten. Grabowski DDR-21 bis DDR-25 Dazu mit anschaulichen Bildern Hans-Ludwig Besler, Das Ende der DDR-Banknoten, https://www.geldscheine-online.com/post/das-ende-der-ddr-banknoten , ferner Uwe Bronnert, Das Milliardengrab – Eine Währung wird abgewickelt https://www.geldscheine-online.com/post/das-milliardengrab-eine-w%C3%A4hrung-wird-abgewickelt , sowie die KfW-Publikation „Der Schatz von Halberstadt“, online abrufbar unter https://www.kfw.de/stories/halberstadt.html „Superfest“ war in der DDR eine Marke für hochfeste Trinkgläser, die aufgrund eines besonderen Herstellungsverfahrens erheblich stabiler und bruchfester waren als Trinkgläser aus normalem Glas. Sie wurden zwischen 1980 und 1990 im damaligen VEB Sachsenglas Schwepnitz (Kombinat Lausitzer Glas) produziert.
- Testmitgliedschaft bei der IBNS: Ein Jahr für nur 5 Euro!
Vom 1.1. bis 30.06.2026 bietet die International Bank Note Society (IBNS) für Neumitglieder eine einjährige Testmitgliedschaft für nur 5 Euro an. Die Testmitgliedschaft wandelt sich nach einem Jahr in eine reguläre Mitgliedschaft um und kann zum Ablauf gekündigt werden. Neumitglieder können während der Testmitgliedschaft alle Vorteile der IBNS nutzen, das viermal jährlich in englischer Sprache erscheinende IBNS-Journal (80 Seiten) kann als pdf-Datei aus dem Mitgliederbereich der Webseite der IBNS heruntergeladen werden. Der reguläre Mitgliedsbeitrag beträgt 32 Euro pro Jahr und schließt den Versand des gedruckten Journals ein. Mitglieder der IBNS erhalten zudem eine Vergünstigung von 20 US-Dollars auf das jährliche Abonnement des Weltbanknotenkatalogs The Banknote Book von Owen W. Linzmayer. Die 1961 gegründete IBNS hat derzeit etwa 1.800 Mitglieder in über 90 Ländern und ist die größte Vereinigung von Banknotensammlern weltweit. Sie hat ihren offiziellen Sitz in England. Eine Beantragung der Mitgliedschaft ist hier möglich: https://www.theibns.org/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=1006 Dr. Sven Gerhard
- Tongas Serie 2023: Musterscheine und mehr!
Am 4. Dezember 2023 gab die National Reserve Bank of Tonga (NRBT) ihre neue Banknotenserie in den Stückelungen 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Pa'anga heraus. Alle Banknoten wurden von De La Rue plc gedruckt. Die 5- und 10-Pa'anga-Scheine wurden auf dem Safeguard®-Polymersubstrat gedruckt, die anderen auf einem Substrat auf Baumwollbasis. Über diese Neuausgaben wurde erstmals HIER in diesem Blog berichtet. Die UV-Bilder dieser Banknoten wurden HIER vorgestellt. Für den Gebrauch durch die NRBT wurden zwei Varianten von Musterbanknoten erstellt. Was ist eigentlich ein Musterschein ("Specimen" auf Englisch)? Eine Musterbanknote wird in der Regel in sehr begrenzter Auflage gedruckt und an Zentralbanken verteilt, um diese bei der Erkennung von Banknoten aus anderen Ländern zu ermöglichen. In einigen Fällen werden Musterbanknoten an Geschäftsbanken, Strafverfolgungsbehörden und Wirtschaftsunternehmen verteilt und manchmal auch dazu verwendet, die breite Öffentlichkeit über neue Designs zu informieren. Manchmal werden Musterbanknoten an Sammler verkauft (oft in speziellen Foldern oder Alben verpackt). Gelegentlich werden Musterbanknoten als Geschenke an Würdenträger oder Mitarbeiter von Zentralbanken verteilt, oft in Präsentationsalben. Wenn eine Zentralbank einen Druckauftrag erteilt, gibt sie die Anzahl der Musterscheine an, die sie erhalten möchte. Im Falle der NRBT wurden zwei Varianten von Musterbanknoten hergestellt: Offizielle Bank-Musterscheine mit den Kontrollnummern A000000, dem Wort " SPECIMEN " in roter Schrift in der oberen linken und unteren rechten Ecke und " SPECIMEN No xxx " in roter Schrift in der unteren linken Ecke, wobei xxx = 001 bis 100. Somit wurden 100 Musterscheine für den internen Gebrauch der Bank hergestellt. Die Rückseiten der Bankmuster weisen keinerlei Aufdrucke auf und sehen genauso aus wie die im Umlauf befindenden Banknoten. Offizielle Sammler-Musterscheine mit den Kontrollnummern A000000 und dem Wort " SPECIMEN " in roter Schrift, das diagonal auf der Vorder- und Rückseite jeder Banknote aufgedruckt ist. Es wurden 1000 Musterscheine für Sammler hergestellt, die genauso offiziell wie die Bankmuster sind, jedoch für ein anderes Publikum bestimmt. Beide Musterbanknoten-Varianten aus Tonga sind sehr begehrte Sammlerstücke und eine schöne Ergänzung für jede Sammlung. Wie bereits bei den beiden vorherigen Serien wurden auch die neuen NRBT-Banknoten mit gleichen Kontrollnummern in Präsentationsfoldern (Mappen) verpackt und der Öffentlichkeit zum Verkauf angeboten. Ausgewählt wurden die Kontrollnummern 1 bis 100 sowie etwa 250 weitere Nummern, darunter niedrige Nummern unter 500 und viele Nummern, die für Jahreszahlen stehen, wie 1965, 2024 usw. Diese "matching serial number sets" in Präsentationsfoldern waren bei den Bankangestellten sehr beliebt, die viele davon selbst kauften. Viele kauften ihr Geburtsjahr und/oder andere Nummern, die für sie eine besondere Bedeutung hatten. Sogar die Banknoten im offiziellen Präsentationsset, das bei der Enthüllungszeremonie verwendet wurde und jetzt in der Lobby der NRBT ausgestellt ist, haben alle die Kontrollnummer A002023, das Ausgabejahr. Diese Präsentationsmappen wurden alle vom Gouverneur der NRBT handsigniert. Das in der Lobby der NRBT ausgestellte, offizielle Präsentationsset der aktuellen Serie. Zusätzlich zu den normalen Umlaufbanknoten, den Musterbanknoten und den "matching number sets", gibt es Ersatzbanknoten für alle sechs Stückelungen. Der Ersatzpräfixbuchstabe ist Z statt A. Vier der sechs Ersatznoten der aktuellen Serie. Alle oben genannten Varianten haben nun ihren Weg auf den Sammlermarkt gefunden, wobei die offiziellen Bankmuster am seltensten sind. Donald Ludwig ( polymernotes.org )
- Russland gibt eine neue 1000-Rubel-Banknote aus
Am 26. Dezember 2025 gab die Zentralbank der Russischen Föderation offiziell erstmals ihre neue 1000-Rubel-Banknote heraus. Die Vorderseite zeigt den Nikolskaja-Turm (Sankt-Nikolaus-Turm) und die Brücke des Kremls von Nischni Nowgorod, das Hauptgebäude der Messe von Nischni Nowgorod, eine Karte der Flüsse Oka und Wolga, einen stilisierten Turm und Kreis in einem farbwechselnden Sicherheitsmerkmal (OVI), das von gold-purpurrot bis gold-grün die Farbe wechselt, das Stadion von Nischni Nowgorod und einen QR-Code. Die Rückseite zeigt die Straßenbrücke von Saratow, ein Tragflügelboot Meteor-120R, den Palast der Bauern in Kasan, eine Karte des Föderationskreises Wolga, fliegende Vögel und einen 5,5-mm-breiten holografischen Sicherheitsfaden mit Flügeln und Fenstern, auf dem „1000 CBRF“ in entmetaliserter Schrift zu sehen ist. Das Wasserzeichen zeigt den Nikolskaya-Turm, seine Brücke und die Elektrotypie 1000. Die Papierbanknote wurde von Gosnak gedruckt und misst 157 mm x 69 mm. Die Banknote wurde zwar offiziell ausgegeben, wird jedoch Berichten zufolge nicht sofort in Umlauf kommen. Die Verzögerung könnte bis zu anderthalb Jahre dauern, da Geldautomaten usw. an die neuen Banknoten angepasst werden müssen. Erinnern wir uns daran, dass die Zentralbank bereits eine aktualisierte 1.000-Rubel-Banknote vorgestellt hatte, über die HIER im Geldschein-Blog berichtet wurde. Damals war auf der Vorderseite auch der Nikolskaja-Turm des Kremls von Nischni Nowgorod abgebildet, aber auf der Rückseite das Museum für die Geschichte der Staatlichkeit des tatarischen Volkes und Tatarstans, der Syuyumbike-Turm in Kasan und das Museum für Archäologie und Ethnographie in Ufa. Das Bild des Museums sorgte jedoch für Empörung. Insbesondere der Priester und Blogger Pavel Ostrovsky war empört darüber, dass auf der Banknote angeblich eine Kirche ohne Kreuz und ein Minarett mit Halbmond abgebildet waren. Später widmete sich auch die russisch-orthodoxe Kirche diesem Problem. Der Leiter der Abteilung für Medienarbeit, Vladimir Legoyda, forderte eine sorgfältigere Auswahl der Bilder für Banknoten, um „keine Spannungen zu erzeugen, wo keine sein sollten“. Gleichzeitig betonte die russisch-orthodoxe Kirche, dass die Kirche auf der Banknote ohne Kreuz abgebildet sei, da es sich um ein Museum handele und in Wirklichkeit kein Kreuz auf ihrer Kuppel zu sehen sei. Letztendlich beschloss die Zentralbank jedoch, die Ausgabe der Banknote zu stoppen, ohne sie in den Umlauf zu bringen. Um Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden, startete die Regulierungsbehörde auf ihrer Internetseite eine Abstimmung über die Objekte, die auf der Banknote abgebildet werden sollten. 25 Symbole des Föderationskreises Wolga nahmen an der Abstimmung teil. Am Ende erhielt das in Zelenodolsk hergestellte Hochgeschwindigkeits-Tragflügelboot Meteor die meisten Stimmen. Der Kasaner Bauernpalast belegte den zweiten und die Saratower Automobilbrücke über die Wolga den dritten Platz. Rund 700.000 Russen nahmen an der Abstimmung teil. Donald Ludwig
- Marokko: Gedenkbanknote zum Afrika-Cup
Anlässlich der Ausrichtung der 35. Ausgabe des Afrika-Cups gab die Bank Al-Maghrib (die marokkanische Zentralbank) am 22. Dezember 2025 eine Gedenkmünze mit einem Nennwert von 250 sowie eine Gedenkbanknote mit einem Nennwert von 100 Dirhams heraus. Diese Ausgaben erinnern an AFCON 2025 (den 35. Afrika-Cup) vom 21. Dezember 2025 bis zum 18. Januar 2026 in Marokko. Die Gedenkbanknote verdeutlicht das Engagement des Königreichs für den Sport und hebt seine neue Sportinfrastruktur hervor. Auf der Vorderseite sind das Porträt von König Mohammed VI., das Wappen des Königreichs, eine stilisierte Darstellung des Prinz-Moulay-Abdellah-Sportkomplexes in Rabat, die Umrisskarte Afrikas, ein marokkanisches Arabeskenmotiv und ein stilisierter Fußball abgebildet. Die Rückseite zeigt den Namen der ausgebenden Institution in Tifinagh (eine Schrift, die zur Darstellung der Berbersprachen verwendet wird und aus dem alten libysch-berberischen Alphabet hervorgegangen ist) und in lateinischer Schrift, eine Innenansicht des Prince Moulay Abdellah Sports Complex in Rabat, stilisierte Silhouetten von Fußballspielern, einen mit der Karte Afrikas verzierten Fußball, dynamische Sterne, die an Feierlichkeiten erinnern, sowie eine Mischung aus marokkanischen Arabesken und afrikanischen Motiven. Die Banknote verfügt über mehrere hochmoderne Sicherheitsmerkmale, darunter einen gefensterten Sicherheitsfaden mit Farbwechsel-Effekt und dynamischen Effekten, ein durchscheinendes Registerungsmerkmal, Motive, die mit speziellen Druckfarben gedruckt sind, die je nach Blickwinkel ihre Farbe ändern, Motive mit taktiler Reliefstruktur für Sehbehinderte und Mikrotexte. Das Wasserzeichen zeigt König Mohammed VI. und eine Elektrotypie der Zahl 100. Die 100-Dirhams-Gedenkbanknote, die ein gesetzliches Zahlungsmittel ist und im ganzen Land zum Bezahlen verwendet werden kann, wurde in begrenzter Auflage herausgegeben und wird parallel zu den derzeit im Umlauf befindlichen 100-Dirhams-Banknoten verwendet. Alle Phasen des Entwurfs- und Produktionsprozesses dieser Gedenkbanknote (und -münze) wurden ausschließlich von marokkanischen Spezialisten bei Dar As-Sikkah, der nationalen Banknotendruckerei und Münzprägeanstalt Marokkos, durchgeführt. Donald Ludwig
- Neue Weltbanknoten-Varianten: Januar 2025, Teil 2
Angola, Aserbaidschan, Cayman Islands, Chile, Kolumbien, Komoren, Peru, Philippinen, Schweiz, Tadschikistan, Thailand BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Angola 500 Kwanzas von 2025 BNB B558c: wie BNB B558b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum (Agosto de 2025). Aserbaidschan 50 Manat von 2025 BNB B412b: wie BNB B412a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschaft (Kazimov) oben links statt oben mittig und neuem Jahr. Serie B. Cayman Islands 1 Dollar von 2024 BNB B218d: wie BNB B218c (SCWPM 38), aber mit neuen Unterschriften (Scotland/O’Connor-Connolly), neuem Titel für die untere Unterschrift (CHIEF EXECUTIVE OFFICER) und neuem Jahr. 25 Dollars von 2024 BNB B221d: wie BNB B221c (SCWPM 41), aber mit neuen Unterschriften (Scotland/O’Connor-Connolly) und neuem Jahr. Chile 20.000 Pesos von 2025 BNB B300n: wie BNB B300m (SCWPM 165), aber mit neuen Unterschriften (Costa/Herrera) und neuem Jahr. Kolumbien 100.000 Pesos vom 23.07.2024 BNB B998h: wie BNB B998g (SCWPM 463), aber mit neuem Datum (23 DE JULIO DE 2024). Komoren 5000 Francs von 2025 BNB B311a: wie BNB B309c (SCWPM 18), aber mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen (u.a., einem OVI der Union der Komoren und einem neuen holografischen Streifen), einer Unterschrift (Dr. Younoussa Imani) statt zwei und neuem Jahr. 10.000 Francs von 2025 BNB B312a: wie BNB B310c (SCWPM 19), aber mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen (u.a., einem OVI der Union der Komoren und einem neuen holografischen Streifen), einer Unterschrift (Dr. Younoussa Imani) statt zwei und neuem Jahr. Peru 20 Soles vom 15.12.2022 BNB B538b: wie BNB B538a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Chong/Valarde/Llosa) und neuem Datum (15 DE DICIEMBRE DE 2022). Philippinen 100 Piso von 2025 BNB B1102e: wie BNB B1102d (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Serie (2025A). Schweiz 50 Franken von 2021 BNB B357c: wie BNB B357b (SCWPM 77), aber mit neuem Jahr (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Tadschikistan 100 Somoni von 2025 BNB B219.5c: wie BNB B219.5b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Rahmon/Tolibzoda) und neuem Jahr. Thailand 100 Baht, neue Auflage BNB B202b: wie BNB B202a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Nitithanprapas/Ratanakorn). 1000 Baht, neue Auflage BNB B197e: wie BNB B197d (SCWPM 139), aber mit neuen Unterschriften (Nitithanprapas/Ratanakorn). Donald Ludwig ( polymernotes.com ) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book , und Stane Straus, polymernotes.com )
- Aktuelle Ausstellung der G+D Stiftung: "Die Welt der Musik auf Banknoten – ein visuelles Konzert"
Zum Start ins neue Jahr möchten wir auf unsere aktuelle Banknoten-Ausstellung „Die Welt der Musik auf Banknoten – ein visuelles Konzert“ aufmerksam machen. Die Ausstellung wird in Kooperation mit Werken des Frankfurter Künstlers Pete Jones gezeigt. Ziel ist es, die Ausstellung und damit auch die Geldscheinsammlung der G+D Stiftung einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Nachdem die G+D Stiftung 2025 bereits an der Langen Nacht der Museen in München und Regensburg teilgenommen hat, wird sie im neuen Jahr erstmals auch auf der World Money Fair in Berlin dabei sein und die Ausstellung dort zeigen. Danach zieht die Ausstellung ab dem 12. Februar 2026 weiter ins Museum für Druckkunst in Leipzig. Links zu den Ausstellungen der Geldscheinsammlung der G+D Stiftung: Neue Ausstellung „Die Welt der Musik auf Banknoten – ein visuelles Konzert · G+D Stiftung Die Schönheit des Unsichtbaren · G+D Stiftung Pete Jones | Fotografie | Frankfurt a.M. - Die Sammlung Jones Giesecke+Devrient Stiftung Prinzregentenstraße 161, 81677 München www.geldscheinsammlung.de
- Neue Weltbanknoten-Varianten: Januar 2026, Teil 1
Dänemark, Europäische Union, Kuba, Mexiko, Mongolei, Neuseeland, Nigeria, Oman, Philippinen, Seychellen, Tadschikistan BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Dänemark 500 Kroner von 2022 BNB B943b: wie BNB B943a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Europäische Union 10 Euro, neue Auflage BNB B109v4: wie BNB B109v3 (SCWPM 21), aber mit neuer Unterschrift (Christine Lagarde). Präfix V (Fábrica Nacional de Moneda y Timbre, Spanien). Kuba 200 Pesos, neue Auflage BNB B916i: wie BNB B916h (SCWPM 130), aber mit neuem gefenstertem Sicherheitsfaden mit entmetalisiertem BCC, neuer Druckerei (Gosnak) und Serif-Schriftart für die Kontrollnummern. Mexiko 500 Pesos vom 12.03.2025 BNB B726c: wie BNB B726b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum (12 MAR. 2025). Mongolei 500 Tugrik von 2025 BNB B443b: wie BNB B443a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Lkhagvasuren) und neuem Jahr. 1000 Tugrik von 2025 BNB B444b: wie BNB B444a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Lkhagvasuren) und neuem Jahr. Neuseeland 5 Dollars von 2018 BNB B137b: wie BNB B137a (SCWPM 191), aber mit neuer Unterschrift (Orr) und neuem Jahr (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Nigeria 100 Naira von 2024 BNB B238ez: wie BNB B238d (SCWPM 41), aber mit neuen Unterschriften (Cardoso/Solaja) und neuem Jahr. Oman 100 Baisa, neue Auflage BNB B238b: wie BNB B238a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Unterschrifts-Titel („Vorsitzender des Verwaltungsrats“ wurde in Arabisch zu „Vorsitzender des Vorstands“ geändert). Philippinen 1000 Piso von 2025 BNB B1103.5b: wie BNB B1103.5a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Seychellen 500 Rupees, neue Auflage BNB B423a: wie B422 (SCWPM 51), aber mit holografischem Folienstreifen mit einer in den Wellen schwimmenden Meeresschildkröte statt Optiks™-Sicherheitsfaden. Tadschikistan 50 Somoni von 2025 BNB B219d: wie BNB B219c (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Rahmon/Tolibzoda) und neuem Jahr. Donald Ludwig ( polymernotes.com ) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book und Stane Straus, polymernotes.com )
- Anmerkung zum "Schweine-Tausender"
Anmerkungen zum Beitrag Das Mysterium des „Schweine-Tausenders“ von Dr. Sven Gerhard hier im Blog und in der Zeitschrift "Münzen & Sammeln", Ausgabe 1/2026. Sehr geehrte Damen und Herren, die 1000-Markscheine der DDR gelangten schon lange vor 1995 in den Handel und damit in Sammlerhände. Die Staatsbank der damaligen Sowjetunion (Bank for foreign trade of the USSR) hat ganz offiziell komplette Serien der 1948er Ausgabe von 0,50 DM bis zu 1000 DM in kassenfrischem Zustand verkauft. Mein Vater Lothar Schoenawa hatte solche Sätze in der Zeit von 1978 bis ca. 1985 zum Preis von D-Mark(West) 210,00 am Verkaufslager. Ich erinnere mich, dass wir diese mehrfach am Lager hatten. Leider kann ich in meinen Unterlagen keine Preisliste mehr finden, in dem die UdSSR-Bank die Scheine angeboten hat. Ich habe aber im Jahre 1985 dort anfragt, ob man noch solche Sätze bestellen kann, worauf ich eine Preisliste mit dem handschriftlichen Zusatz bekam, dass die Banknoten nicht mehr vorrätig waren; womit bewiesen ist, dass sie ursprünglich dort verfügbar waren. Ich kann auch leider nicht mehr feststellen, ob es sich um Noten mit einem oder zwei Serienbuchstaben, oder Noten mit 6- oder 7-stelliger Kennziffer gehandelt hat. Ich hoffe, ich konnte etwas hierzu beitragen. Mit freundlichen Grüßen H. Schoenawa Antwort des Autors Lieber Herr Schoenawa, vielen Dank für Ihre E-Mail, die mir Herr Grabowski vom Battenberg Bayerland Verlag weitergeleitet hat. Wie ich schon in meinem Beitrag schrieb: Der Schein war bereits vor der Auktion des Nachlasses der Staatsbank der DDR durch das Auktionshaus Busso Peus in Frankfurt am Main im Jahr 1995 am Sammlermarkt erhältlich. Ihre Ausführungen bestätigen das. Spannend ist, dass die Spur nach Moskau führt. Woher kamen die von der staatliche Außenhandelsbank der UdSSR (Vneshtorgbank) verkauften Scheine – waren es Restbestände der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), die durch die Deutsche Notenbank nachweislich mit größeren Mengen der neuen ostdeutschen DM-Banknoten Ausgabe 1948 ausgerüstet wurde, darunter im Juli 1948 auch mit 2000 Scheinen zu 1.000 DM ? Es steht zu vermuten. Leider lässt es sich nicht nachvollziehen, da die Kontrollnummern der der SMAD übergebenen Bargeldbestände nicht überliefert sind. Die staatliche Außenhandelsbank verkaufte neben Sammlermünzen der UdSSR auch kassenfrische Banknoten der Rubelausgaben der UdSSR von 1947 (1957) gegen Devisen, auch an Privatsammler im westlichen Ausland. Ich selbst habe in Moskau 1988 ein solches Set erworben. Der Preis betrug nach meiner Erinnerung ca. 40 – 50 DM. Heute sind diese Scheine in kassenfrischer Erhaltung selten und gesucht. Nochmals vielen Dank für Ihren sehr interessanten Leserbrief und den Blick zurück auf den Münz- und Banknotenhandel der 1970/1980er Jahre in Westdeutschland. Beste Grüße, Dr. Sven Gerhard Anmerkung der Redaktion Übrigens: Meinen Tausender (siehe Abbildung) habe ich um 1985 beim Staatlichen Kunsthandel der DDR im Münzfachgeschäft Moneta in der Berliner Friedrichstraße gekauft. Der hat damals 400 oder 450 Mark der DDR gekostet. Hans-Ludwig Grabowski
- Ein spannender Archivfund erinnert an ein missglücktes Projekt
Ein Dokument aus den 1970er Jahren sorgte zum Beginn des Jahres 2026 für Aufmerksamkeit in Österreich. Im Archiv der Oesterreichischen Notenbank fand man eine Vorlagezeichnung für eine Banknote. Sie zeigt das Atomkraftwerk Zwentendorf und stammt von Rudolf Nitsch, dem Architekten des AKWs. Die Abbildung war als mögliches Rückseitenmotiv für die 1983 ausgegebene 1000-Schilling-Banknote mit dem Physiker, Wissenschaftstheoretiker und Philosophen Erwin Schrödinger gedacht. Da es im Museumsbestand der Oesterreichischen Nationalbank nur diese eine Vorzeichnung und keine weiteren Detailstudien im Banknotenformat gibt, dürfte die Idee mit dem AKW eher kurzlebiger Natur gewesen sein. Die österreichischen Tageszeitungen veröffentlichten auch nicht die Originalzeichnung, sondern eine Foto-Montage der geplanten 1000-Schilling- Banknote. Abb. 1: Foto-Montage des geplanten 1000 Schilling Scheins, bei dem auf der Rückseite das AKW Zwentendorf zu sehen sein sollte. Wie kam es zu dieser Vorlagenzeichnung? Für die neue Notenserie, die die Oesterreichische Notenbank in den 1980er Jahren emittieren wollte, wurde eine inhaltliche Verbindung der Rückseitendarstellung mit der abgebildeten Person auf der Vorderseite gewünscht. Der Schein zu 1000 Schilling sollte Erwin Rudolf Josef Alexander Schrödinger (* 12. August 1887 in Wien-Erdberg; † 4. Januar 1961 in Wien-Alsergrund) abbilden. Er gilt als einer der Begründer der Quantenmechanik. 1933 wurde er zusammen mit Paul Dirac für die Entdeckung neuer produktiver Formen der Atomtheorie mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Was lag da näher, als für die Rückseite eine Abbildung des bei Wien neu gebauten AKW Zwentendorf vorzusehen. Die Errichtung des Kernkraftwerkes wurde von der damaligen Bundesregierung Klaus am 11. November 1969 genehmigt und am 4. April 1972 wurde mit dem Bau begonnen. Man rechnete mit Baukosten von umgerechnet rund 600 Millionen Euro. Der Siedewasserreaktor von KWU Siemens sollte mit Urandioxid-Brennelementen, angereichert mit bis zu 4,02 Prozent Uran-235, betrieben werden. Mit dem bei der beim Kernzerfall erzeugten Wärme sollte die Turbine angetrieben werden. „Nach Verlassen der Turbine wäre Wasserdampf (rund 4000 Tonnen pro Stunde) durch Kühlwasser im Kondensator verflüssigt und wieder dem Kreislauf zugeführt worden. Der Dampf in einem solchen Reaktor ist 286 Grad heiß, der Druck sollte 70 bar betragen, um die Turbine anzutreiben.“ [1] Dabei wären brutto 730 Megawatt Strom erzeugt worden; ausreichend, um damals eine Million Haushalte zu versorgen. Der österreichische Energieplan sah 1976 noch den Bau von drei weiteren Kernkraftwerken vor. Der Betrieb des Kernkraftwerks war nicht unumstritten. Nach Fertigstellung des AKWs lehnten bei einer Volksabstimmung am 5. November 1978 mit 50,47 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 64,1 Prozent die Inbetriebnahme ab, sodass das AKW nie ans Netz ging. 2005 wurde eine Öffnung in die doppelwandige Kondensationskammer des Kraftwerkes geschnitten, um Besuchern die Kammer zugänglich zu machen. Dies war der endgültige „Todesstoß des Kernkraftwerkes“, da damit eine Inbetriebnahme unmöglich wurde. An dem Durchbruch wäre beim Betrieb Strahlung ausgetreten, somit war an eine Zulassung nicht mehr zu denken. Heute besichtigen jährlich bis zu 16.000 Besucher die „Industrieruine“. Abb. 2.1: Oesterreichische Nationalbank, 3. Januar 1983, 1000 Schilling, Vorderseite. Abb. 2.2: Oesterreichische Nationalbank, 3. Januar 1983, 1000 Schilling, Rückseite. Eine Abbildung des AKWs auf der Banknotenrückseite war nach dem Ergebnis der Volksabstimmung auch hinfällig. Stattdessen zeigt die 1000-Schilling-Note mit dem Ausgabedatum vom 3. Januar 1983 das Hauptgebäude der Universität Wien an der Ringstraße. Von 1956 bis zu seinem Tod lehrte Schrödinger am Institut für Theoretische Physik der Universität. Der 152 x 76 mm große Schein wurde von Robert Kalina, von dem auch die Entwürfe der ersten Euronoten-Serie stammen, entworfen. Die Banknoten waren vom 14. November 1983 bis zum 20. April 1998 im Umlauf. [2] Uwe Bronnert Anmerkungen < https://www.zwentendorf.com/AKW-Zwentendorf/Zahlen,-Daten,-Fakten > (08.01.2026) Johann Kodnar und Norbert Künstner, Katalog der österreichischen Banknoten ab 1759, Eigenverlag Wien 2018, S. 274, Kat.-Nr. 255. Abbildungen FOTO: EVN, Quelle: < https://www.noen.at/tulln/entwurf-gefunden-das-akw-zwentendorf-als-motiv-fuer-einen-geldschein-504357330 > (10.01.2026) Quelle: < https://www.ma-shops.com/schmuckstube/item.php?id=29166 > (10.01.2026)
- Geldscheinporträts: Sigmund Freud – Erforschung des Unbewussten
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Geburtsname: Sigismund Schlomo Freud Zur Person: Psychologe, Arzt, Kulturtheoretiker Nationalität: Österreichisch Lebensdaten: 6. Mai 1856 – 23. September 1939 Geburtsort: Freiberg in Mähren, Kaisertum Österreich Sterbeort: London, Großbritannien Porträt von Sigmund Freud, 1926, von Ferdinand Schmutzer (1870–1928). Es, Ich, Über-Ich, Freud'sche Versprecher, Ödipus-Komplex – diese von Sigmund Freud geprägten Begriffe haben längst Eingang in unsere Alltagssprache gefunden. Auch aus Philosophie, Soziologie und Literatur sind die Gedanken des Wiener Arztes kaum noch wegzudenken. Am 6. Mai 1856 wurde Sigismund Schlomo Freud – mit 22 Jahren nannte er sich Sigmund – in Freiberg in Mähren (dem heutigen Příbor) als Sohn jüdischer Eltern geboren. Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Wien, wo Freud den Großteil seines Lebens verbrachte. Der begabte Schüler studierte ab 1873 Medizin an der Universität Wien, wobei er sich nicht auf die Ausbildung als Mediziner beschränkte. Er besuchte die Vorlesungen Franz Brentanos zu Logik und Erkenntnistheorie, betrieb einen eigenen Philosophiezirkel und arbeitete in Versuchslaboren. Durch seine häufigen Neigungswechsel und einen unersättlichen Bildungstrieb dauerte sein Studium länger als gewöhnlich. Nach dem Studium arbeitete Freud zunächst als Neurologe. Ein Stipendium führte ihn 1885 nach Paris zu Jean-Martin Charcot, einem der berühmtesten Neuropathologen seiner Zeit. Diese Begegnung sollte prägend werden: Charcot demonstrierte, wie psychische Symptome durch Hypnose beeinflusst werden konnten. Zurück in Wien eröffnete Freud seine eigene Praxis und heiratete Martha Bernays. Zusammen hatten sie sechs Kinder, darunter Anna Freud, die später selbst eine bedeutende Psychoanalytikerin werden sollte. Der Durchbruch kam durch die Zusammenarbeit mit dem Kollegen Josef Breuer. Gemeinsam behandelten sie Patienten mit Hysterie und entdeckten, dass das Sprechen über verdrängte Erlebnisse heilsam wirken konnte. Breuer nannte dies die „Redekur“, Freud sprach von der „Methode der freien Assoziation“. Doch während Breuer vor den sexuellen Aspekten der Neurosen zurückschreckte, erkannte Freud die Sexualität als zentrale Triebkraft menschlichen Verhaltens. 1895 veröffentlichten beide gemeinsam die „Studien über Hysterie“ – das Gründungswerk der Psychoanalyse. Von männlicher Hysterie und kindlicher Sexualität wollte man im zeitgenössischen Wien nichts wissen. In der Wiener Ärzteschaft machte sich Empörung breit. Freud wurde bei Vorträgen ausgepfiffen und war wissenschaftlich weitgehend isoliert. Doch er verfolgte sein Projekt weiter. Mit seiner bahnbrechenden „Traumdeutung“ von 1900 legte er den Grundstein für ein völlig neues Verständnis des menschlichen Seelenlebens. Träume, so Freuds revolutionäre These, seien der „Königsweg zum Unbewussten“ – verschlüsselte Botschaften verdrängter Wünsche und Triebe. In Werken wie „Das Unbehagen in der Kultur“ analysierte Freud die Spannungen zwischen menschlichen Trieben und zivilisatorischen Anforderungen. Allmählich bildete sich um ihn ein Kreis von Anhängern: Alfred Adler, Carl Gustav Jung, Otto Rank und andere. 1908 fand der erste Internationale Psychoanalytische Kongress statt – die Psychoanalyse wurde zur Bewegung. Nicht alle Schüler blieben Freud treu. Jung entwickelte eigene Theorien, Adler gründete die Individualpsychologie. Freud empfand dies als persönliche Kränkung. Er wollte die reine psychoanalytische Lehre erhalten. Oesterreichische Nationalbank: Banknote zu 50 Schilling vom 2. Januar 1986 (ausgegeben 1987), Vorderseite mit Porträt von Sigmund Freud. Oesterreichische Nationalbank: Banknote zu 50 Schilling vom 2. Januar 1986 (ausgegeben 1987), Rückseite mit dem Josephinum Wien. 1923 wurde bei Freud Gaumenkrebs diagnostiziert. Trotz zahlreicher Operationen arbeitete er weiter. Als die Nationalsozialisten 1938 Österreich anschlossen, musste der 82-Jährige nach London fliehen. Dort starb er am 23. September 1939. Freud hinterließ ein gewaltiges Werk, das weit über die Medizin und Psychologie hinauswirkte. Seine Entdeckung des Unbewussten veränderte unser Selbstverständnis fundamental. Auch wenn viele seiner Theorien heute umstritten sind – als Kultur- und Zivilisationstheoretiker sowie Pionier der Tiefenpsychologie bleibt Sigmund Freud unvergessen. Elias Heindl Literatur/Quellen: „Sigmund Freud, Neurologe (Todestag 23.09.1939), WDR 2 Stichtag, 23.09.2019, aufgerufen über: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-sigmund-freud-100.html Peter-André Alt: Sigmund Freud. Der Arzt der Moderne. Eine Biographie. C.H. Beck, München 2016 Heidemarie Schumacher: Patriarch bis zum Ende. Deutschlandfunk, 25.09.2016, aufgerufen über: https://www.deutschlandfunk.de/biografie-ueber-sigmund-freud-patriarch-bis-zum-ende-100.html
- Lexikon: Mark
Mark war ursprünglich eine Gewichtsnorm für Edelmetalle und Münzen, so zum Beispiel die alte Kölnische Mark (ab Mitte des 12. Jahrhunderts) = 233,8123 g, die Wiener Mark = 0,280668 kg und die neue Kölnische Mark = 233,855 g. Alte Markmünzen kannte man in Deutschland im 16. Jahrhundert in Lübeck und Lüneburg, beim Wendischen Münzverein und in der Freien Reichsstadt Aachen. Auch in Skandinavien gab es Mark-Münzen. In Hamburg diente die Mark als Rechnungseinheit (Mark Banco = 1/3 Reichsthaler Banco), und auch in Lübeck, Schleswig-Holstein und Mecklenburg gab es Geldrechnungen mit der Mark, hier wurde der Betrag von 16 Schilling seit 1623 als Mark bezeichnet. Deutsches Reich, Reichs-Schulden-Verwaltung: Reichskassenschein zu 20 Mark vom 11. Juli 1874, Vorderseite. Deutsches Reich, Deutsche Reichsbank: 50 Reichsmark vom 11. Oktober 1924, Vorderseite. Auf Grund des Münzgesetzes vom 4. Dezember 1871 wurde die Mark im neu gegründeten Deutschen Reich als Reichswährung eingeführt (1 Mark = 100 Pfennige), 1923 dann unter der Bezeichnung "Rentenmark", 1924 als "Reichsmark" und 1948 als "Deutsche Mark". Oberost, Darlehnskasse Ost: 100 Mark vom 4. April 1918, gültig bis 1922 in Litauen, Vorderseite. Finnland, Suomen Pankki: 50 Mark von 1939, Vorderseite. Polen, Polska Krajowa Kasa Pożyczkowa : 100 Marek vom 23. August 1919, Vorderseite. Außerhalb Deutschlands war die Markwährung auch in Estland (1922-1928), in Finnland (1860 bis zur Euro-Einführung 2002) und Polen (1916-1923) bekannt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abbildungen: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte












