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  • Die Gutscheine der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft in Brasilien

    Die österreichische Auslands-Siedlungsgesellschaft m.b.H. wurde durch Andreas Thaler und andere am 29. März 1933 in Wien gegründet und verfügte über eine Zweigstelle in Innsbruck. Thaler wurde mit Einzelprokura ausgestattet. Dies ermöglichte ihm, Liegenschaften im Ausland zu erwerben. Die Gesellschaft wurde im Jahr 1959 aufgelöst. Zweck der Siedlungsgesellschaft war die Organisation von Auswanderung und der Aufbau von Siedlungen, hauptsächlich für Tiroler Bauern, um der Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrise der 1930er Jahren zu entgehen. Bild 1: Porträt (Öl auf Leinwand) des österreichischen Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft Andreas Thaler (1883-1939) aus dem Andreas-Thaler-Haus in Treze Tilias (Brasilien). Präsident der Auslands-Siedlungsgesellschaft war Andreas Thaler (geboren am 10. September 1883 in Oberau in der Wildschönau in Tirol; verstorben am 28. Juni 1939 in Dreizehnlinden, Brasilien).[1] Von 1914 bis 1919 war er Gemeindevorsteher von Oberau und ab 1919 Abgeordneter im Tiroler Landtag. Von 1919 bis 1921 fungierte er als Obmann des Tiroler Antisemitenbundes. 1929 bis 1932 war er Obmann des Reichsbauernbundes. 1927 bis 1933 war er Nationalratsabgeordneter für die Christlichsoziale Partei. Vom 15. Januar 1926 bis 4. Mai 1929 und vom 30. September 1930 bis zum 18. März 1931 war er in fünf Kabinetten Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft. Als Bauernsohn kannte Thaler die Nöte der einfachen Bauern in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts nur zu gut. Die Weltwirtschaftskrise brachte Arbeitslosigkeit, die nicht aufhören wollende Inflation seit den 1920er Jahren, die Tausend-Mark Sperre Hitlers[2], die den schon damals wichtigen österreichischen Tourismus 1933 zum Erliegen brachte und die strenge Erbfolge der Tiroler Bauern, nach der der erstgeborene Sohn den Hof erbte und die anderen Geschwister leer ausgingen waren allgegenwärtige Sorgen. 1931 trat Thaler aus der Bundesregierung aus und widmete sich ganz der Aussiedlungsfrage. Er bereiste fast ganz Südamerika um geeignetes Siedlungsgebiet für seine Bauern zu finden. Auch hielt er viele Vorträge in Tirol und Vorarlberg, um für seine Siedlungsgesellschaft zu werben. Das Gebiet des späteren Dreizehnlinden in Brasilien stand nach Thalers Südamerikareise ganz oben auf der Liste. Ausschlaggebend waren für ihn die wenigen Kindergräber auf den Friedhöfen, denn Gelbfieber war damals in Südamerika eine große Plage. Zudem lag das Gebiet auf 700 bis 1.300 Meter Höhe, war hügelig und die Temperatur war ähnlich der in Südtirol und im Welsch-Tirol (heutiges Trentin). Entscheidend für Thaler war auch die niedrige Bevölkerungsdichte des Landes mit nur fünf Menschen pro Quadratkilometer sowie die Eisenbahnanbindung an die großen Städte. Außerdem gab es in dieser Gegend schon weitere deutschsprachige Auswanderer. Seitens der brasilianischen Regierung erhielt Thaler jede Unterstützung, man war gerne bereit Österreicher aufzunehmen. Auf seiner Reise durch den Bundesstaat Santa Catarina[3] wurde Thaler vom österreichischen Konsul Walther von Schuschnigg[4] beraten. Schuschnigg schlug eine Siedlungsmöglichkeit in der Kolonie Sao Bento vor, nahe der Eisenbahnstation von Barra do Sao Bento, dem heutigen Itapui. Diese Kolonie wurde von Jose Schneider verwaltet. In der 1928 gegründeten Siedlung lebten 300 überwiegend deutschkatholische Familien, Deutschbrasilianer, Reichsdeutsche, Österreicher, Russlanddeutsche und Schweizer. Ausgestattet mit 500.000 Schilling von der Dollfuß-Regierung konnte Thaler ein Gebiet von 52 Quadratkilometern im vorgeschlagenen Gebiet kaufen. Bild 2: Siedlungsgebiet Dreizehnlinden. Am 08. September 1933 machten sich die ersten Auswanderer über den Hafen Genua auf die Reise und erreichten am 18. September 1933 Rio de Janeiro. Von dort erfolgte die beschwerliche Weiterfahrt ins Zielgebiet. Am 13. Oktober 1933 wurde Dreizehnlinden offiziell gegründet. Die Gemeinde war anfänglich streng genossenschaftlich strukturiert. Andreas Thaler wurde bei der Namensfindung für die neue Siedlung durch das Buch von Friedrich Wilhelm Weber „Dreizehnlinden“[5] inspiriert. In diesem Epos geht es um christliche Missionierung und um den Niedergang des Heidentums. Das passte zu seinem katholischem Wertesystem und war der perfekte Name für die neue Siedlung. Die ersten Jahre waren für die Neuankömmlinge sehr beschwerlich. Es warteten schwere Arbeit, ein wider Erwarten ungewohntes Klima, viele Entbehrungen und natürlich Heimweh. Aber es ging langsam voran. Bild 3: Die ersten Siedler hausten in diesen Baracken. Bild 4: Dreizehnlinden in den frühen Siedlungsjahren. Das vorhandene brasilianische Bargeld musste in erster Linie für den An- und Ausbau der Siedlung verwendet werden. Der Bargeldmangel belastete jedoch zunehmend den wirtschaftlichen Aufstieg der Gemeinde. Deshalb wurde ein Gutscheinsystem eingeführt, das auf geleisteter Gemeinschaftsarbeit basierte. Die Gutscheine waren außerhalb der Siedlung wertlos und innerhalb der Siedlung eine Art Ersatzwährung. Sie dienten vermutlich als Tauschmittel, um Lebensmittel, Alltagsprodukte und Ähnliches zu erwerben. Folgende Gutscheine sind bekannt:[6] Eine halbe Stundenschicht ohne gedruckte Unterschrift, Format 105 x 65 mm Eine ganze Stundenschicht ohne gedruckte Unterschrift, Format 110 x 70 mm Eine halbe Tagschicht mit gedruckter Unterschrift Andreas Thaler, Format 111 x 71 mm Eine ganze Tagschicht mit gedruckter Unterschrift Andreas Thaler, Format 119 x 75 mm Bild 5.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Stundenschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 5.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Stundenschicht ohne Datum, Rückseite. Bild 6.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Stundenschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 6.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Stundenschicht ohne Datum, Rückseite. Bild 7.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Tagschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 7.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine halbe Tagschicht ohne Datum, Rückseite. Bild 8.1: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Tagschicht ohne Datum, Vorderseite. Bild 8.2: Gutschein der österreichischen Auslands-Siedlungsgesellschaft für eine ganze Tagschicht ohne Datum, Rückseite. Die farbig gestalteten Gutscheine weisen auf den Vorderseiten die Arbeitsleistung auf und die Rückseiten zeigen verschiedene landwirtschaftliche Motive. Alle Gutscheine sind auf Papier ohne Wasserzeichen und ohne Kontrollnummer ausgeführt. Ausgegeben wurden sie nach bislang bekannten Informationen in den Jahren 1934 bis 1935. Sie sollen in Österreich, vermutlich in Innsbruck gedruckt worden sein. Eine Druckerei ist allerdings nicht bekannt. Für den Aufbau der Gemeinde und aufgrund der genossenschaftlichen Organisation müssen sehr viele Arbeitsstunden geleistet worden sein, folglich dürften in den Anfangsjahren viele Gutscheine Verwendung gefunden haben. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt. Heute sind diese Stücke sehr selten und kaum erhältlich. Der Autor hatte seine Exemplare vor Jahren in Brasilien erworben. Eine aktuelle Bewertung kann für die wenigen bekannten bekannten Exemplare nicht abgegeben werden. Es dürften sich um Liebhaberpreise handeln, wenn solch ein Gutschein doch einmal angeboten werden sollte. Ein Landlos von 20 ha kostete die Siedler seinerzeit 1.500 Schilling, das abbezahlt werden musste. Auch das bereitgestellte Vieh musste gekauft werden. Eine Familie bekam zunächst höchstens 20 ha Land zugewiesen. Zwei mittlere Kühe kosteten 300 bis 400 Milreis (damals 130 bis 170 Schilling). Ein Arbeiter verdiente pro Tag 2 Milreis[7]. Unbemittelte Siedler mussten so lange in der Gemeinschaftssiedlung arbeiten, bis sie die Mittel zum Ankauf einer eigenen Kolonie aufbringen konnten. Das bedeute einen hohen Anteil an gemeinschaftlicher Arbeit. Und heute? Brasilien trat 1942 auf Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Die Regierung unter dem davor deutschfreundlichen Präsidenten Vargas änderte nun ihre Politik grundsätzlich. Die Verwendung der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit wurde verboten. Das Land der Siedler wurde enteignet und Dreizehnlinden in Papuan umbenannt. Am 29. April 1963 wurde Dreizehnlinden wieder zur selbstständigen Gemeinde erklärt. Auch der ursprüngliche Name wurde wieder eingeführt, allerdings nun offiziell in der portugiesisch-sprachigen Version als "Treze Tilias". Bild 9: Wappen von Treze Tilias – Das brasilianische Tirol. Bis in die 1980er Jahre fristete man in Treze Tilias ein eher kärgliches Dasein, da die Straße in die nahe gelegene Stadt Joaçaba sehr schlecht und damit der Absatz für landwirtschaftliche Produkte erschwert war. Erst mit der Verbesserung von Infrastruktur, der Anbindung an das überörtliche Straßennetz und der Gründung der Molkerei Tirol im Jahr 1975 erhielt die Gemeinde einen bedeuteten wirtschaftlichen Aufschwung. Die Firma Tirol ist inzwischen die zweitgrößte Molkerei in Brasilien, der größte Betrieb des Ortes und einer der größten der ganzen Region. Das zweite Standbein der Gemeinde Treze Tilias ist der Tourismus. Jährlich Mitte Oktober feiert die Gemeinde ein Tirolerfest zur Erinnerung an die österreichischen Einwanderer. Bild 10: Tirolerfest in Treze Tilias. An die österreichische Tradition erinnern insbesondere das weit verbreitete Kunsthandwerk der Holzbildhauer sowie die Tiroler Musikkapelle Dreizehnlinden, die Schuhplattlergruppe, die Volkstanzgruppe, viele Häuser im Tiroler Baustil, die Edelweiß-Bar, das Rathaus, die vielen Blumen an den Ortseinfahrten und im Zentrum sowie Hotels und Gebäude im alpenländischen Stil. Besuchen Sie einmal die Webseite von Treze Tilias[8]. Sie gibt es natürlich auch deutschsprachig. Bild 11: Rathaus von Treze Tilias. Die Bewahrung von Tradition, Herkunft und Sprache, dem großen Ziel von Andreas Thaler, ist sehr gut gelungen. Zwischen Treze Tilias und der alten Heimat Tirol, insbesondere nach Wildschönau[9] [10] bestehen Partnerschaften, die intensiv gepflegt werden. Sollten Sie einmal die Gelegenheit haben in Brasilien zu sein, dann kann ich einen Besuch von Treze Tilias nur empfehlen. Eigentlich wollte ich nur kurz diese seltenen Gutscheine vorstellen, aber nun ist doch ein längerer Text entstanden. Es gäbe noch sehr viel mehr zu erzählen: von der Zeit vor 90 bis 100 Jahren, von der Aufbauzeit in Brasilien und von der heutigen Zeit. Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben und vielleicht Neugier auf mehr wecken. Thomas van Eck Anmerkungen [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Thaler [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Tausend-Mark-Sperre [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Catarina [4] https://www.vienna.at/die-oesterreicher-in-brasilien/3966571 [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Dreizehnlinden_(Friedrich_Wilhelm_Weber) [6] Sammlung des Autors [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Milreis [8] https://www.trezetilias.com.br/deutsch [9] https://www.wildschoenau.com/de [10] https://www.wildschoenau.gv.at/gemeinde-wildschoenau/unser-tal/partnergemeinde-dreizehnlinden

  • Lexikon: Münzfuß

    Der Münzfuß war der gesetzlich bestimmte Maßstab, nachdem ein Staat seine Münzen ausprägte und nach dem sich der innere Wert der Münzen richtete. Der preußische oder Graumann'sche Münzfuß vom 29. März 1764, auch 21-Gulden- oder 14-Thaler-Fuß genannt, bestimmte, dass aus der Kölnischen Mark (233,8 g) 14 Thaler bzw. 21 Gulden geprägt wurden. Preussen, Haupt-Verwaltung der Staats-Schulden: Königlich preussische Cassen-Anweisung über 5 Thaler Courant nach dem Münzfuß von 1764 vom 6. Mai 1824, G/K 271, Pick A209, Vorderseite. Der "Konventionsfuß" basiert auf einer Vereinbarung zwischen Österreich und Bayern von 1753, die den österreichischen 20-Gulden-Fuß von 1750 für beide Staaten festlegte (20 Gulden aus 1 Mark fein von 233,8 g). Der Vertrag wurde aber bereits 1754 von Bayern gekündigt. Seit 1760 galt vor allem in Süddeutschland, aber auch in Sachsen, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Coburg der "rheinische Fuß", der 1800 zum 24 ½-Gulden-Fuß wurde. Durch den zu hoch bewerteten Kronenthaler wurde aus diesem 1837 der 24 ½-Gulden-Fuß (süddeutsche Währung), der eine exakte Verrechnung mit dem 14-Thaler-Fuß möglich machte. Auf der Wiener Münzkonvention vom 21. Januar 1857 wurde dann der 30-Thaler- oder 52 ½-Gulden-Fuß (in Österreich 45 Gulden, auch als "österreichische Währung" bezeichnet) eingeführt. Während bis 1857 die Gewichtsmark die Basis aller Münzfüße ware, bezogen sich diese seither auf das Gewichtspfund (= 500 g). Preussen, Tresor-Schein über 5 Thaler Courant nach dem Münzfuß von 1764 aus dem Jahr 1806, G/K 265, Pick A203, Vorderseite. Auf den Scheinen der altdeutschen Staaten findet man die Münzfuß-Bezeichnungen oft hinter der Währungsbezeichnung oder aber im übrigen Text, so auf den preußischen Scheinen von 1806 und 1809 (nach dem Münzfuß von 1764) ohne ein anderes Datum, sodass viele Sammler fälschlich 1764 für das Ausgabedatum halten. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Aus privaten Sammlungen: Empfangsbestätigung über 10 Mark für Entnahme von Waren aus Hameln

    Während des Ersten Weltkriegs zog die Reichsbank zunächst Gold- und Silbermünzen aus dem Verkehr, später auch Nickel- und Kupfermünzen. Die von den Münzanstalten als Ersatz geprägten Eisen- und Aluminiummünzen konnten den Bedarf bei Weitem nicht decken, sodass Kommunen und Unternehmen zur Selbsthilfe schritten und Notgeld emittierten. Bekanntlich macht Not erfinderisch. So druckte die Buchdruckerei W. Hesse in Hameln besondere Quittungskarten, die auf 5 bzw. 10 Mark lauteten. Diese Karten konnten Einzelhändler erwerben, die diese dann mit ihrem Firmenstempel kennzeichneten. Kunden erwarben nun diese mit „Empfangsbestätigung“ überschriebenen Karten und leistete damit eine Vorauszahlung auf künftige Einkäufe. Die Vorderseite der Formulare wurde mit dem Namen des Kunden, dem Ausstellungsdatum und der Unterschrift des Händlers vervollständigt. Auf der Rückseite wurden die Beträge der getätigten Einkäufe handschriftlich eingetragen, bis der jeweilige Nennwert erreicht war. Ein evtl. Restbetrag konnte dann entweder bar beglichen oder auf eine neue Karte übertragen werden. Durch diese Vorgehensweise begegneten Lebensmittelhändler im Hameln dem Problem des Klein- und Wechselgeldmangels. Die 5-Mark-Scheine gibt es in den Farben Grün und Weiß, die 10-Mark-Scheine in Hellblau und Hellbraun. Benutzt wurden die Quittungen etwa von 1917 bis 1919. Die Empfangsbestätigungen sind wohl nur als Blanko-Exemplare in Sammlungen vorhanden. Lediglich eine ausgefüllter 10-Mark-Karte ist in der Sammlung der Deutschen Bundesbank in Frankfurt/Main bekannt: ausgestellt am 2. Juli 1919 von der Feinkost- und Butterhandlung Georg Schaefer. Objekttyp: Empfangsbestätigung Sammlung: Uwe Bronnert Authentizität: Original Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Preußen, Provinz Hannover, Hameln Emittent: In Hameln ansässige Einzelhandelsgeschäfte Nominal: 10 Mark Datierung: 191 … (das Datum war handschriftlich einzutragen) Vorderseite: Schwarzer Druck auf farbigem Karton Rückseite: Aufdruck von drei Spalten zum handschriftlichen Eintrag von Einkäufen Unterschrift: Die Quittungen waren bei Ausgabe vom Emittenten (Geschäftsinhaber) zu unterschreiben Material: Dünner hellbrauner Karton Druck: Buchdruckerei W. Hesse, Hameln, Kleinestraße 26 Auflage: Unbekannt Umlauf: Etwa Februar 1917 bis 1919 Format: 92 mm x 122 mm Nummerierung: Ohne Zitate: Ulrich E. G. Schrock, Geschichte des Hamelner Notgeldes 1916 bis 1948, Bremen 1987, S. 35 Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • SHENBERG: Vorschau auf den Banknotenteil der 15. Auktion e-live am 30. Mai 2026

    Das junge lettische Auktionshaus SHENBERG veranstaltet seine 15. e-live Auktion. Ab sofort sind alle Lose auf der Website des Hauses einsehbar. Ab 30. Mai um 11 Uhr läuft die Auktion mit 1.746 Losen für Münzen und Medaillen und Banknoten an. Der Papiergeldteil umfasst mehr als 1000 Lose, beginnt bei Los 1000 und endet bei Los 2055. Hier geht es direkt zur Seite mit dem Beginn des Banknotenteils! Nachfolgend finden Sie ausgewählte Lose der Auktion zu Banknoten: Los 1494: Latvia, 500 Rubles, 1920, AU-XF, SPECIMEN Description: Latvia, Latvian Government Currency Note, 500 Rubles, 1920, AU-XF, Pick: 8s, SPECIMEN, AU-XF Starting Bid: € 4,000 Los 1594: Lithuania, 100 Litu, 1922, F Description: Lithuania, Bank of Lithuania, 100 Litu, 1922, F, Pick: 20a, F Starting Bid: € 3,000 Los 1623: Luxembourg, 100 Francs, 1980, Gem UNC 66 EPQ, SPECIMEN Description: Luxembourg, Grand-Duche, 100 Francs, 1980, Gem UNC 66 EPQ, SPECIMEN, Pick: 57s, 66 Gem UNC EPQ Starting Bid: € 250 Los 1753: Romania, 20 Lei, 1944, About UNC 53 Description: Romania/ Russian Occupation WWII, 20 Lei, 1944, About UNC 53, Pick: M12, 53 About UNC Starting Bid: € 800 Los 1853: Russia, 25 Rubles, 1947, Choice UNC 64 EPQ Description: Russia, State Bank Notes U.S.S.R., 25 Rubles - Wmk: Stars, 1947, Choice UNC 64 EPQ, Pick: 227, 64 Choice UNC EPQ Starting Bid: € 285 Los 2054: Yugoslavia, 100 Lir, 1944, Gem UNC 65 EPQ, SPECIMEN Description: Yugoslavia, 100 Lir, 1944, Gem UNC 65 EPQ, SPECIMEN, Pick: R22s, 65 Gem UNC EPQ Starting Bid: € 400 Hier geht es direkt zur Seite mit dem Beginn des Banknotenteils! SHENBERG AUCTION LTD www.shenbergs.com auction.shenbergs.com info@shenbergs.com ☎ +37129787887

  • Neue Weltbanknoten-Varianten: Mai 2026, Teil 1

    Bangladesch, Guatemala, Katar, Kuba, Malediven, Pakistan, Türkei, Venezuela, Westafrikanische Staaten (Burkina Faso, Guinea-Bissau) BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Bangladesch 500 Taka von 2026 BNB B371b: wie BNB B371a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. 1000 Taka von 2026 BNB B372b: wie BNB B372a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Guatemala 5 Quetzales vom 07.02.2024 BNB B605h: wie BNB B605g (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Cáceres/González), neuem Datum (7 DE FEBRERO DE 2024), und neuer Druckerei (G+D Currency Technology). 50 Quetzales vom 15.03.2023 BNB B609e: wie BNB B609d (SCWPM 125), aber mit neuen Unterschriften (Monterroso/González), neuem Datum (15 DE MARZO DE 2023), und neuer Druckerei (OBERTHUR fiduciaire). Katar 5 Riyals von 2025 BNB B227a: wie BNB B220b (SCWPM ), aber mit neuem Jahr, überarbeitetem gefenstertem Sicherheitsfaden, überarbeitetem Staatswappen und Nennwert unten links auf der Vorderseite in westlichen statt arabischen Ziffern. 10 Riyals von 2025 BNB B228a: wie BNB B221b (SCWPM ), aber mit neuem Jahr, überarbeitetem gefenstertem Sicherheitsfaden, überarbeitetem Staatswappen und Nennwert unten links auf der Vorderseite in westlichen statt arabischen Ziffern. Kuba 20 Pesos von 2025 BNB B908p: wie BNB B908o (SCWPM 122), aber mit neuer Unterschrift (Delgado) und neuem Jahr. Malediven 10 Rufiyaa vom 31.07.2025 BNB B224a: wie BNB B216a (SCWPM nicht gelistet), aber mit dem neuen Währungssymbol, das auf beiden Seiten vor dem Nennwert steht, mit neuer Unterschrift (Munawar) und neuem Datum (2025 ޖުލައި 31). Pakistan 100 Rupees von 2026 BNB B235aa: wie BNB B235z (SCWPM 48), aber mit neuem Jahr. Türkei 20 Lira, neue Auflage BNB B302g: wie BNB B302f (SCWPM 224), aber mit neuen Unterschriften (Karahan/Karahan). Serie H. Venezuela 500 Bolívares vom 12.06.2025 BNB B391b: wie BNB B391a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Guerra/Pérez) und neuem Datum (12 DE JUNIO DE 2025). Westafrikanische Staaten (Burkina Faso) 500 Francs CFA von 2026 BNB B120Co: wie BNB B120Cn (SCWPM 319C), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe C = Burkina Faso. 1000 Francs CFA von 2025 BNB B121Cy: wie BNB B121Cx (SCWPM 315C), aber mit neuem Jahr (20)25 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe C = Burkina Faso. 1000 Francs CFA von 2026 BNB B121Cz: wie BNB B121Cy (SCWPM 315C), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe C = Burkina Faso. 2000 Francs CFA von 2026 BNB B122Cz: wie BNB B122Cy (SCWPM 316C), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe C = Burkina Faso. 5000 Francs CFA von 2026 BNB B123Cz: wie BNB B123Cy (SCWPM 317C), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe C = Burkina Faso. 10.000 Francs CFA von 2026 BNB B124Cz: wie BNB B124Cy (SCWPM 318C), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe C = Burkina Faso. Westafrikanische Staaten (Guinea-Bissau) 2000 Francs CFA von 2025 BNB B122Sy: wie BNB B122Sx (SCWPM 916S), aber mit neuem Jahr (20)25 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe S = Guinea-Bissau. Donald Ludwig (polymernotes.com) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book, und Stane Straus, polymernotes.com)

  • Aus alten Zeitungen: Falsche Geldscheine – made in Moskau?

    Gefunden in: "Rundschau" vom 29. Dezember 1952 Moskauer 100-Dollars-Fälschung. Falsche Geldscheine – made in Moskau? Nahezu vergessene Affäre könnte wieder aktuell werden Der amerikanische Geheimdienst ist angewiesen worden, in Zusammenhang mit den Banken ein besonderes Augenmerk auf falsche Noten zu richten, weil es für möglich gehalten wird, daß man in Moskau erneut zu Geldfälschungen großen Stils übergehen könnte. Welches Aufsehen solche Affären erregen, beweisen die rund 10 Millionen gefälschter Dollarnoten, die Ende der 20iger Jahre von Moskau aus abgesetzt wurden. Als die Sowjetunion ihren ersten Fünfjahresplan 1928 begann, stellte sich bald heraus, daß die Devisendecke zu knapp war, um die Einfuhren für den sich steigernden Verbrauch von Maschinen und Rohstoffen zu decken. Es soll ein alter bewährter lettischer Kommunist Alfred Tilden gewesen sein, der Stalin den Vorschlag gemacht hat, falsche Dollars herstellen zu lassen und vor allem in China an den Mann zu bringen, dessen Märkte und Hafenplätze sicher nicht sehr scharf in banktechnischer Hinsicht überwacht würden. Stalin persönlich erteilte 1929 die entsprechenden Befehle. Präzisionsmaschinen wurden unauffällig gekauft und durch Beziehungen oder Bestechungen größere Mengen des üblichen Spezialpapiers erworben. Obschon auch in Südost- und Mitteleuropa, ja in den USA selbst Noten verteilt und als gefälscht erkannt wurden, blieb es 1930 dem Berliner Kriminalkommissar von Liebermann vorbehalten, diese größte Fälschung des Jahrhunderts, die im Frieden ein Staat aus betrügerischen Gründen betrieb, zum Weltskandal zu machen, auch wenn er nicht in der Lage war, schlüssig den Urheber festzustellen. Das vermochte erst der 1939 geflüchtete Chef der sowjetischen Militärspionage für Europa, Kriwitzky, für dessen Äußerungen sich damals freilich niemand interessierte. Man wählte eine raffinierte Tarnung, wie sie ähnlich auch heute wieder im geheimen Ost/West-Handel üblich ist. Im Herbst 1929 kaufte nämlich eine Gruppe amerikanischer Finanziers, die mit kanadischen Minenaktien handelte, die 1846 gegründete angesehene Privatbank "Sass und Martini". Von ihr erwarb sie nach kurzer Zeit ein nicht ganz seriöser Herr Simons und der veräußerte sie nach weiterer kürzerer Wartezeit an den früheren Berliner kommunistischen Staatsverordneten Franz Roth, von dem man wußte, daß er in der Sowjetbotschaft gern gesehen war. Nun trat als Hauptkunde ein früherer Angestellter der Sowjetischen Handelsgesellschaft auf, Franz Fischer, ein alter Kommunist, und zahlte 19.000 Dollar in 100er Noten ein, die ganz harmlos bei der Deutschen Bank von "Sass und Martini" deponiert wurden. Ebenfalls bankmäßig üblich wurden aber von hier aus Teile dieser Scheine an die National City Bank in Neuyork weitergegeben und landeten von dort aus ganz normal bei der Federal Reserve Bank. Und hier wurde man stutzig, weil es sich um altmodische Scheine handelte, die in Amerika selbst gar nicht mehr ausgegeben wurden und nun vom Ausland her in solchen Mengen auftauchten … man erkannte die ganz hervorragend gemachte Fälschung. Der Skandal war da. Franz Fischer erfuhr bald Moskaus Dank, er wurde als Werkmeister nach Ostsibirien verbannt. Die Welt war aufmerksam geworden. Der sowjetische militärische Nachrichtendienst hatte schon mehrfach gegen die ungeschickte und auffällige Devisenhonorierung seiner Agenten protestiert (große Summen in 1-Dollar-Scheinen mit Zählbändern der Moskauer Staatsbank). Jetzt noch durch Fälschungen doppelt gefährdet zu werden, das alarmierte ihn. Die Ausgabe wurde eingestellt. Aber 1932, nach zwei Jahren, versuchte der KP- und Spionage-Chef für die USA, Nick Dozenberg, das Spiel noch einmal; er wurde später liquidiert. Der bekannte Strafverteidiger Dr. Sack (der im Reichstagsbrandprozeß verteidigte) erklärte offen, die Vermutungen amerikanischer Zeitungen stimmten, Moskau selbst habe die Fälschungen veranlaßt. Aber man wußte es noch nicht genau. In den USA waren sogar Gangsterbanden für den Vertrieb eingesetzt worden, jedoch der Verteilungschef, der Neuyorker Arzt Dr. Valentin Gregory Burtan (dessen Verteidigung die sowjetische Botschaft bezahlte) schwieg und ging 1934 für 15 Jahre ins Zuchthaus. An all das erinnert man sich. Interessant ist aber, daß die SU inzwischen in der Goldförderung auf einer Stufe mit Südafrika steht und nach fachmännischer Annahme über eine Goldreserve von mindestens einer Milliarde Dollar verfügen könnte. Barren mit Hammer und Sichel tauchen auch des öfteren im Handel auf. Auch damit könnten theoretisch Währungsschwierigkeiten durchgeführt werden, sogar echte. –thk– Unter dem Titel Dollars make the world go round – Greenbacks für den Moskauer Fünfjahresplan veröffentlichte Karlheinz Walz einen Beitrag zu den sowjetischen Dollarfälschungen hier im Blog: https://www.geldscheine-online.com/post/f%C3%A4lscher-falschgeld-teil-50 Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Anmerkung der Redaktion Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen. Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!

  • MIF Paper Money Fair (Mai 2026)

    Die Frühjahrsausgabe der MIF Paper Money Fair fand am ersten Maiwochenende 2026 in Maastricht, Niederlande, statt. Dimitri Waltmans, der Veranstalter, seine Familie und seine Mitarbeiter richteten erneut die weltweit größte Banknotenmesse aus. Diesmal nahmen mehr als 220 Aussteller aus über 70 Ländern teil. Es wurden neue Rekorde sowohl bei der Anzahl der anwesenden Händler (ohne Tische) als auch bei den Besucherzahlen am Samstag und Sonntag aufgestellt. Zahlreiche Besucher und reges Geschäft auf der MIF. Das Format der Veranstaltung war wie zuvor: drei Tage „Pre-Show“ und ein zusätzlicher Tag in der Haupthalle, der ausschließlich Ausstellern und Händlern vorbehalten war. Am Samstag und Sonntag war die Öffentlichkeit herzlich eingeladen, die Veranstaltung kostenlos zu besuchen, und Hunderte kamen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hervorragend, und es wurden keine Diebstähle gemeldet. Stack's Bowers erhält als Dankeschön für sein Sponsoring einen Korb mit Käse. Hauptsponsor der Veranstaltung war erneut das Auktionshaus Stack’s Bowers mit Sitz in Costa Mesa, Kalifornien. Co-Sponsoren der MIF waren Paper Money Guaranty (PMG), PCGS Europe und Monalisa Money Modo. Sberatel war ebenfalls vor Ort und versorgte alle mit kostenlosem Bier. Zum siebten Mal bei einer europäischen Messe bot PMG vor Ort eine Bewertung an. Ein Händlertisch von vielen auf der MIF. Neue Ausgaben sind stets sehr gefragt, und zu den Bestsellern zählten zweifellos die neuen ZiG-Banknoten aus Simbabwe, eine neue Gedenkbanknote aus Botswana sowie die neuen Polymer-Serien aus Brunei, Bhutan und St. Helena. Mitglieder der International Bank Note Society trafen sich auch auf der MIF. Ich hielt auch dieses Jahr wieder einen Vortrag auf der MIF, allerdings nicht vor einer Gruppe von Schülern wie im Herbst, sondern vor Vertretern der Presse und der Stadtverwaltung. Am nächsten Tag erschien ein informativer Artikel in der niederländischen Presse, den Sie HIER lesen können. Ich freue mich darauf, Sie auf der nächsten MIF im September 2026 zu sehen! Donald Ludwig

  • Carl Schurz: vom preußischen Rebell zum Innenminister der USA

    Carl Christian Schurz wurde am 2. März 1829 im Pächterhaus des Wasserschlosses Gracht in Liblar im Bergheim-Erft-Kreis in der preußischen Rheinprovinz geboren und war der älteste Sohn des Dorflehrers Christian Schurz und seiner Ehefrau Marianne. Ab 1836 besuchte er die Schule im Dorf; ein Jahr später wechselte er zur Elementarschule in Brühl. Das Lehrergehalt seines Vaters mit Bezügen von monatlich etwa 10 Thalern reichte für die Versorgung der Familie nicht aus; so verließ dieser den Schuldienst und eröffnete eine kleine Eisenwarenhandlung. Abb. 1: 5 Thaler Courant, 6. Mai 1824, Vs., 130 mm x 90 mm; Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden. Von 1839 bis 1846 besuchte Schurz das Marzellen-Gymnasium in Köln. Aber Geldprobleme der Familie zwangen Carl Schurz zum Abbruch der Schule in der vorletzten Jahrgangsstufe. Im Selbststudium brachte er sich den Stoff der Oberprima bei und legte als „Auswärtiger“ erfolgreich die Abiturprüfung ab; außerdem war er 1846/47 Gasthörer an der Universität Bonn. Schon in seiner Jugendzeit erfuhr er freiheitlich-demokratisches Gedankengut; selbst schrieb er 1905: „Unterdessen wurde von meinem Vater und meinen Oheim Amerika eifrig besprochen. Da hörte ich denn zum ersten Male von dem unermeßlichen Lande jenseits des Ozeans, seinen ungeheuren Wäldern, seinen großartigen Seen und Strömen, von der jungen Republik, wo es nur freie Menschen gäbe, keine Könige, keine Grafen, keinen Militärdienst und, wie man in Liblar glaubte, keine Steuern. Alles, was über Amerika Gedrucktes aufgetrieben werden konnte, wurde mit Begierde gelesen, und so sah ich im Pfennigmagazin zum erstenmal das Bildnis Washingtons, den mein Vater den edelsten aller Menschen in der Geschichte der Welt nannte, da er als Feldherr im Kriege für die Befreiung seines Volkes große Heere kommandiert und dann, statt sich zum König zu machen, all seine Gewalt freiwillig niedergelegt und wieder als einfacher Landwirt den Pflug in die Hand genommen habe. An diesem Beispiel erklärte mein Vater mir, was ein »Freiheitsheld« sei.“ [1] 1847 schrieb sich Schurz an der Bonner Universität ein, studierte Philologie und Geschichte und hörte Vorlesungen bei Professor Johann Gottfried Kinkel. Dessen antimonarchistische Ansichten begeisterten Schurz, sie freundeten sich an und beteiligten sich gemeinsam am 10. Mai 1849 an der Erstürmung des Waffenlagers in Siegburg. Zur Finanzierung des militärischen Aufstands und der Errichtung demokratischer Verhältnisse in Süddeutschland gab der liberale Rechtsanwalt Gustav von Struve Schuldscheine in Höhe von u. a. 35 Kreuzer als Anleihe aus. Am 21. September 1848 hatte der Abgeordnete der badischen Kammer in Lörrach eine „Deutsche Republik“ ausgerufen. Abb. 2: 35 Kreuzer, Januar 1849, Vs., 187 mm × 242 mm, 5 %-er Schuldschein der Gesellschaft deutscher Republikaner („Freiwilliges Anlehen“ zu Gunsten der deutschen Republik). Nach dem Scheitern des sog. Siegburger Zeughaussturms war Schurz am Ende des badisch-pfälzischen Aufstands in der Festung Rastatt wie viele meuternde badische Militärs von preußischen Truppen eingeschlossen. Die Festung fiel nach dreiwöchiger Belagerung am 23. Juli 1849. In der Nacht zum 24. Juli begann seine viertägige Flucht durch einen Abwasserkanal aus der Festung nach Steinmauern ins elsässische Seltz. Die geheime Bootsfahrt über den Rhein kostete Carl Schurz 5 Thaler. Abb. 3: 5 Thaler Courant, 2. Januar 1835, Vs., 130 mm x 85 mm, Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden. In Seltz erfuhr er, dass Professor Gottfried Kinkel nach Kämpfen an der Murlinie verwundet und in die Festung Rastatt gebracht wurde. Kinkel wurde am 4. August 1849 vom preußischen Kriegsgericht in Rastatt zu lebenslanger Festungshaft verurteilt. Nach seiner Flucht erreichte Schurz Straßburg, sollte dort interniert werden und fuhr in Richtung Schweiz, wo er einige ihm bekannte Revolutionäre in Bern zu treffen hoffte. Er überquerte illegal und ohne Pass die Grenze. Abb. 4: 100 französische 5-Franken-Thaler, Vs., 1. Januar 1849, Vs. 204 mm x 144 mm; Banknote der Deposito-Cassa der Stadt Bern (ursprünglich lauteten die befristeten Noten auf 500 Franken alter Währung). Im Mai 1850 wurde Kinkel in das Zuchthaus Spandau überführt und seine Frau erwirkte durch eine Öffentlichkeitskampagne eine mildere lebenslange Haft in einer „Zivilanstalt“. Schurz befreite seinen Freund in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1850. Durch Bestechung des Gefängniswärters Georg Brune gelang die spektakuläre Aktion mit Hilfe von Gleichgesinnten und einem 20 Meter langen Seil. Beide flohen gemeinsam über Oranienburg, Neubrandenburg und Güstrow nach Rostock. In Warnemünde gingen sie unter den Decknamen Kaiser und Hensel an Bord des Segelschiffs „Kleine Anna“ und landeten am 1. Dezember 1850 im Hafen von Leith bei Edinburgh. Gemeinsam fuhren sie nach London, wo sich ihre Wege trennten – Kinkel blieb in London, Schurz ging nach Frankreich. Abb. 5: Gottfried Kinkel (links) hatte am 31. Mai 1848 den Demokratischen Verein in Bonn gegründet und galt seitdem als radikaldemokratisch, er wurde zum Märtyrer der Revolution; Carl Schurz (rechts) wurde Adjutant von Fritz Anneke in der badischen Revolutionsarmee. Abb. 6: 1 Thaler, 1848, Vs./Rs., 34,5 mm Ø, 750-er Silber, sog. „Angsttaler“ Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Großherzog Friedrich Franz II. Abb. 7: 1 Pound/20 Shillings, 1. Mai 1838, Vs., 132 mm × 122 mm, Banknote der Leith Banking Co. Abb. 8: 1 Pound, 20. Mai 1816, Vs., 200 mm × 113 mm, Banknote der Bank of England. Abb. 9: 100 Francs, 22. Februar 1849, Vs., 180 mm × 110 mm, Banknote der Banque de France; Schurz verdiente durch journalistische Arbeiten etwa 180 Francs monatlich. Die französischen Behörden überwachten Carl Schurz, inhaftieren ihn Ende Mai 1851 für vier Tage und erklärten ihn zur unerwünschten Person. Er kehrt deshalb im Sommer nach London zurück, wo außer den Kinkels noch viele weitere politische Flüchtlinge lebten; dort lernte er Margarethe Meyer, Tochter eines Hamburger Fabrikanten, kennen und sie heirateten am 6. Juli 1852 kurz vor ihrer gemeinsamen Auswanderung in die USA. Am 17. September 1852 erreichten sie auf dem Paketschiff „City of London“ New York. Beide hielten sich später in Philadelphia und Washington auf. Schurz studierte die englische Sprache intensiv und besuchte den Senat und das Abgeordnetenhaus im Capitol. Schurz’ Eltern und Schwestern kamen im Frühjahr 1853 nach Philadelphia, nachdem die preußische Polizei das elterliche Haus durchsuchte und verwüstete. Die Großfamilie mietete ein Haus und die beiden Schwestern Anna und Antonie eröffneten ein Modegeschäft. Am 3. Mai 1853 wurde Schurz’ erstes Kind Agathe geboren. 1854 kaufte er ein Grundstück in Wisconsin und ließ ein Haus in Watertown bauen. Abb. 10: 10 Dollars, Juli 1850, Vs., 185 mm × 77 mm, Banknote der Bank of Wisconsin. Schurz praktizierte ab 1858 als Rechtsanwalt am Circuit Court in Milwaukee/Illinois. Wegweisend für seine Zukunft war die Begegnung mit Abraham Lincoln am 12. Oktober 1858. Während einer Zugfahrt kam es zu einer denkwürdigen Begegnung: Carl Schurz lernte den späteren 16. Präsident der USA kennen. Dieser debattierte damals mit dem Herausforderer Stephen A. Douglas über die Sklaverei – beide wollten für Illinois in den Washingtoner Senat. Lincoln verlor gegen Douglas, hatte aber schon den Präsidentschaftswahlkampf 1860 im Blick. Schurz unterstützte Lincoln dabei und entsprechend seinem ausgeprägten Ego behauptete er später: „Ich habe mehr als alle anderen getan, um Lincoln auf dem richtigen Weg zu halten.“ Lincoln gewann die Präsidentschaft am 6. November 1860 und Carl Schurz sollte als US-Botschafter nach Sardinien gehen, wurde jedoch 1861 von Außenminister William H. Seward als Gesandter in die Botschaft der USA nach Spanien geschickt. Abb. 11: 100 Reales de Vellón, 1. August 1861, Vs., 178 mm × 114 mm, Banknote der Banco de Cádiz. Nach einem halben Jahr kehrte Schurz in die Vereinigten Staaten zurück, um sich auf Seiten der Nordstaaten am Bürgerkrieg zu beteiligen. Schurz diente als Brigadegeneral unter den Generälen Frémont und Sigel in der Virginia-Armee. Im Sommer 1863 wurde er zum Generalmajor befördert, befehligte die Army of the Cumberland und nahm an verschiedenen Schlachten z. B. bei Chancellorsville und Gettysburg teil. 1864 wurde er Truppenausbilder in Nashville/Tennessee. Abb. 12: 1 Dollar, 4. Januar 1863, Vs., 186 mm × 78 mm, Banknote der Bank of Chattanooga/Tennessee (Südstaaten). Abb. 13: 5 Dollars, 5. Mai 1859, Vs., 186 mm × 78 mm, Banknote der City Bank Philadelphia/ Pennsylvania (Nordstaaten). Nach dem tödlichen Attentat auf Präsident Lincoln während seiner zweiten Amtszeit am 15. April 1865 wurde der Vizepräsident Andrew Johnson ins Präsidentenamt vereidigt. Schurz brach nach Meinungsverschiedenheiten mit Johnson und beendete vorerst seine politische Karriere. Schurz zog sich ins Privatleben zurück und wurde u. a. Washington-Korrespondent für die „New York Tribune“ und Redakteur bei der „New York Evening Post“. Zusammen mit seiner Frau Margarethe, die als erste Gründerin eines Kindergartens in den USA gilt, reiste er 1867 nach Deutschland und nach einem Aufenthalt im inzwischen an Preußen gefallenen Nassau nahm er von Wiesbaden aus im Januar 1868 eine persönliche Einladung des damaligen Bundeskanzlers des Norddeutschen Bundes Otto von Bismarck an. Bismarck, der Schurz seit 1851 steckbrieflich suchen ließ, empfing ihn freundlich im Kanzlerpalais in der Berliner Wilhelmstraße. In einem der Gespräche überraschte er Schurz mit einer nüchternen Prophezeiung über den französischen Kaiser Napoleon III.: „... Dazu wird er unter irgendeinem Vorwand Streit mit uns anfangen. Ich glaube nicht, dass er persönlich diesen Krieg herbeisehnte, ich glaube sogar, er würde ihn lieber vermeiden, aber seine unsichere Lage wird ihn dazu treiben. Nach meiner Berechnung wird diese Krisis in etwa zwei Jahren eintreten. ... Wir werden siegen und das Ergebnis wird gerade das Gegenteil von dem sein, was Napoleon anstrebt, nämlich die vollständige Einigung Deutschlands außerhalb Österreichs und wahrscheinlich auch der Sturz Napoleons.“ Der Krieg zwischen Frankreich und Preußen brach im Juli 1870 aus, Napoleon III. wurde am 4. September 1870 gestürzt und das Deutsche Reich am 1. Januar 1871 errichtet– eine zutreffende Voraussage des preußischen Ministerpräsidenten.[2] Abb. 14: 5 Thaler Courant, 15. September 1856, Vs., 130 mm × 85 mm, Kassenanweisung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden. Wieder in den USA angekommen, begab sich Schurz erneut auf das innenpolitische Parkett. Der inzwischen 40-Jährige kandidierte 1869 für das Amt eines US-Senators für Missouri, gewann das Mandat und sagte selbst über sich: „Die Schlacht ist geschlagen. Es ist der größte Sieg meines Lebens ... Nur wenig mehr als sechzehn Jahre waren vergangen, seitdem ich in Amerika gelandet war, ein Heimatloser, ein aus dem großen Schiffbruch der revolutionären Bewegung in Europa Geretteter.“ Er begleitete sein Washingtoner Amt bis 1875; der republikanische Gouverneur von Ohio, Hayes, wurde in dieser Zeit auf Schurz aufmerksam, der 1872 die Liberal-Republikanischen Partei mitbegründete. Nach der 1876 gewonnenen Präsidentschaft ernannte Rutherford B. Hayes sieben Tage nach Amtseinführung den früheren Senator Schurz zum Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika. Abb. 15: Ernennungsurkunde als Innenminister der USA im Kabinett Hayes vom 12. März 1877 mit dem Text „... know ye, that, reposing special trust and confidence in the patriotism, integrity and abilities of Carl Schurz of Missouri, I have nominated, and, by and with the advice and consent of the Senate, do appoint him to be Secretary of the Interior, and do autorize and empower him to execute and fulfil the duties according to law, and to have and to hold the said office, with all the powers, the privileges, and emcluments to the same of right appertaining ...“ (... hiermit bezeuge ich, dass ich, im besonderen Vertrauen auf den Patriotismus, die Integrität und die Fähigkeiten von Carl Schurz aus Missouri, ihn mit Zustimmung des Senats zum Innenminister nominiert habe und ernenne und ermächtige ihn, die ihm gesetzlich zustehenden Pflichten zu erfüllen und das Amt mit allen damit verbundenen Befugnissen, Privilegien und Rechten auszuüben ...) – am 12. März 1877 in Washington von Präsident R. B. Hayes unterzeichnet (US-Banknoten mit dem Abbild von Präsident Hayes gibt es nicht – lediglich eine Fantasienote über 100 Dollars Serie 1924). Schurz erhielt als Innenminister ein Gehalt von jährlich 8.000 US-Dollars – nach heutigem Wert etwa 240.000 bis 260.000 US-Dollars. Abb. 16: Carl Schurz, im Januar 1869 als Senator von Missouri gewählt, war als erster Deutsch-Amerikaner bis 1875 Kongressabgeordneter und ab 1877 US-Innenminister – seine Reformierung des öffentlichen Dienstes warf man ihm „als Einführung unamerikanischer ‚preußischer‘ Verhältnisse“ vor; schon damals war es in den USA üblich, nach jeder Wahl alle Ämter neu zu besetzen (Foto: Mathew B. Brady 1877). Abb. 17: 1 Dollar, 25. Mai 1877, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der German American National Bank of Washington. Abb. 18: 20 Dollars, 6. Juli 1885, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der National City Bank of New York. Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst arbeitete Schurz ab 1881 wieder als Journalist und war als Herausgeber der „Evening Post“ und als Chefredakteur bei „Harper’s Weekly“ von 1892 bis 1893 tätig. Er leitete auch die „New York Civil Service Reform League“ und blieb als anerkannter Führer in der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft politisch aktiv. Schurz’ letzter öffentlicher Kampf richtete sich gegen den US-Imperialismus; er verurteilte den Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898. Am 10. Dezember 1898 verzichtete das Königreich Spanien im Frieden von Paris auf wichtige Außenbesitzungen. Kuba, Guam, Puerto Rico, die Jungferninseln und die Philippinen kamen für 20 Millionen US-Dollars an die Vereinigten Staaten. Er prangerte das Vorgehen der Amerikaner an, das nicht den Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung entsprach und eine Verletzung der Verfassung der USA darstellte. Carl Schurz starb am 14. Mai 1906 an einer Lungenentzündung in seiner Wohnung East 91st Street 24 in New York City und wurde auf dem Friedhof von Sleepy Hollow im Westchester County beigesetzt. Er überlebte seine Frau Margarethe, die 1876 kurz nach Geburt ihres zweiten Sohns Herbert starb. Ihre Tochter Emmy wurde nur zwei Jahre alt und Herbert starb 24-jährig in London an einem Herzleiden. Der jüngste Sohn Carl Lincoln Schurz war Rechtsanwalt in New York und starb 1924 im Alter von 53 Jahren im hessischen Bad Nauheim ebenfalls an einer Herzerkrankung. Schurz’ Töchter Agathe und Marianne blieben unverheiratet und widmeten sich sozialen Projekten – sie starben 1915 bzw. 1929. Abb. 20: 5 Dollars, 1. Juli 1905, Vs., 184 mm × 80 mm, Banknote der American Exchange National Bank of New York. Schurz galt viele Jahrzehnte in Deutschland und in den USA als vorbildlicher Demokrat. Seine historische Bedeutung wird neuerdings problematisch gesehen und ist Thema kritischer Aufarbeitung. So wirft man ihm den Aufbau brutaler Anstalten zur Assimilierung und einen erzwungenen Ausverkauf der verbliebenen Reservate (Aufteilung der Indianer-Reservate in Privatgrundstücke und Verkauf des nicht verteilten Landes an weiße Siedler) während seiner Dienstzeit als Innenminister vor. Die vorige US-Innenministerin Deb Haaland (2021–2025) gab eine Studie der Federal Boarding School Initiative in Washington in Auftrag, in der eine jahrzehntelange Zwangsverschickung indigener Kinder und deren Umerziehung in staatlichen Internaten anprangert wurde. Auch war er dafür verantwortlich, dass 1877 Bestrebungen für die Gleichberechtigung von Schwarzen in den Südstaaten gestoppt wurde. Michael H. Schöne Quellen: [1] Carl Schurz „Sturmjahre, Lebenserinnerungen 1829–1852“, Ostberlin 1982 [2] Carl Schurz „Unter dem Sternenbanner, Lebenserinnerungen 1852–1869“, Ostberlin 1981 https://archive.org https://carl-schurz.de https://de.wikipedia.org http://gamhof.org https://greven-archiv-digital.de https://www.bpb.de https://www.demokratiegeschichte.de https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de https://www.instyle.com https://www.mrlincolnswhitehouse.org http://www.wisoveg.de

  • Lexikon: Muntbiljets

    Muntbiljets (Muntbiljetten, Deutsch: Münzbillets) sind niederländisches Staatspapiergeld, das ab Mitte des 19. Jahrhunderts vom Finanzministerium und der Nederlandsche Bank (Niederländische Bank) gemeinsam ausgegeben wurde. Die Muntbiljets zirkulierten neben den Noten der Niderländischen Bank; 1914 wurden sie vorübergehend von den Zilverbons (Zilverbonnen, Deutsch: Silberbons) abgelöst, aber dann wieder während des Zweiten Weltkriegs (1943) in den USA gedruckt und in den Werten 1, 2½, 10, 25, 50 und 100 Gulden jetzt nur noch vom Finanzministerium ausgegeben. Niederlande, Finanzminister: Muntbiljet über 2½ Gulden vom 4. Februar 1943 (Ausgabe 1945) mit Porträt von Königin Wilhelmina,Vorderseite. Gedruckt von der American Banknote Company. Niederlande, Finanzminister: Muntbiljet über 2½ Gulden vom 4. Februar 1943 (Ausgabe 1945), Rückseite. Gedruckt von der American Banknote Company. Niederlande, Finanzminister: Muntbiljet über 2½ Gulden vom 8. August 1949 mit Porträt von Königin Juliana, Vorderseite. Niederlande, Finanzminister: Muntbiljet über 2½ Gulden vom 8. August 1949, Rückseite. Zwei weitere Ausgaben von 1- und 2½-Gulden-Muntbiljets gibt es mit dem Datum vom 18. Mai 1945 bzw. 8. August 1949. Die Muntbiljets wurden zwar aus dem Verkehr gezogen, blieben aber auch danach einlösbar. Auch in den niederländischen Kolonien gab es Muntbiljets. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Geldscheinporträts: Ecaterina Teodoroiu – Rumäniens Jeanne d‘Arc

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. ​Geburtsname: Cătălina Vasile Toderoiu Zur Person: Krankenschwester, Soldatin ​Nationalität: Rumänisch ​Lebensdaten: 15. Januar 1894 – 3. September 1917 ​Geburtsort: Vădeni (Kleine Walachei, Königreich Rumänien) ​Sterbeort: Padiu (Königreich Rumänien) Ecaterina Teodoroiu, 1917, nachträglich koloriert. Abb. wikimedia.org/wikipedia/commons. Der Erste Weltkrieg wird zumeist als großer Betrug gesehen, als sinnloses, blutiges Sterben einer ganzen Generation naiver junger Männer, die sich absurden Illusionen von Ehre und Vaterland hingaben. In Rumänien ist die Sichtweise etwas anders. Der Erste Weltkrieg hat dort noch eine zusätzliche Bedeutung als Gründungsereignis eines nur kurz bestehenden Großrumäniens, das 1918 alle historischen Regionen Rumäniens vereinte. Das Abwerten des Krieges bedeutet somit indirekt auch einen symbolischen Angriff auf den Nationalmythos. Vielleicht lässt sich so besser verstehen, weshalb eine junge Frau, die sich freiwillig meldete, unbedingt an die Front wollte und dort mit 23 Jahren starb, zur Nationalheldin auserkoren und noch 2021 auf der 20-Lei-Banknote verewigt wurde. Ecaterina Teodoroiu (geboren als Cătălina), wuchs in einfachen, bäuer­lichen Verhältnissen auf. Sie fasste früh den Entschluss, Lehrerin zu werden, um ihr großes Interesse an der rumänischen Landesgeschichte weiterzutragen. Wohl aus ähnlichen, patriotischen Gründen trat sie der örtlichen Pfadfindergruppe bei. Der Kriegseintritt Rumäniens durchkreuzte ihre Pläne. Zwei Jahre lang war es Rumänien gelungen, ein neutraler Staat zu bleiben. Im Sommer 1916 trat Rumänien der Entente bei. Innenpolitisch war lange unklar, für welche Seite Rumänien sich entscheiden würde. Letztendlich waren es die Aussicht auf die Eroberung Siebenbürgens und die Idee eines vereinigten Großrumäniens, die den Eintritt motivierten. Alle ihre fünf Brüder mussten kämpfen. Auch Ecaterina meldete sich freiwillig. Sie war an Aufklärungstouren mit ihrer Pfadfindergruppe beteiligt und arbeitete als Krankenschwester nahe der Frontlinie am Fluss Jiu. Bereits dort wurde sie für ihren Einsatz ausgezeichnet. Als ihr Bruder Nicolae getötet wurde, trat sie der Infanterie bei – Soldatinnen waren zu dieser Zeit eine absolute Seltenheit. Sie war fest entschlossen, den Tod ihres Bruders zu rächen. Im Winter 1916 wurde Teodoroiu gefangen genommen, konnte jedoch verletzt fliehen. Durch ein Täuschungsmanöver gelang es ihr sogar, weiteren Gefangenen ihrer Kompanie zur Flucht zu verhelfen. Nach erneuten Kämpfen und Verletzungen wurde sie im März 1917 mit der Militär-Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und erhielt das Kommando über einen Zug ihrer Kompanie. Sie wurde damit zum ersten weiblichen Offizier der rumänischen Armee. ROM-119a, 20-Lei-Banknote der Rumänische Nationalbank aus Polymer, 2021. Vs.: links Tapferkeitsmedaille als trans­parentes Fenster, rechts Ecaterina Teodoroiu , mittig ein Strauß Krokusse neben Wappen der Rumänischen Pfadfinder. ROM-119a, 20-Lei-Banknote der Rumänische Nationalbank aus Polymer, 2021. Rs.: Victoria-Statue, Mărășești-Mausoleum, Lilienblüte. Im September 1917 wurde sie von Maschinengewehrfeuer getroffen und starb. Die Inschrift auf ihrem Grabstein war „fecioara eroina“ – die „jungfräuliche Heldin“. Eine Inschrift, die auf keinem Grab eines jungen Mannes zu finden wäre. Sie wurde zur Jeanne D’Arc Rumäniens und zur Kriegsheldin stilisiert. Gleichzeitig wurde sie in Darstellungen zunehmend vermännlicht. Flache Brust, kurze Haare, Uniform, Brille. So ist sie auch auf der 20-Lei-Banknote von 2021 zu sehen, nach einem Bild, das kurz vor ihrem Tod entstand. Sie ist die erste weibliche Persönlichkeit auf einer rumänischen Banknote. Elias Heindl Literatur/Quellen: Cosmin Borza (2019): The Heroines. Re-Mythification of the First World War in the Romanian Literature. Metacritic Journal for Comparative Studies and Theory, Bd. 5, Ausg. 1, 109–120. Bucur, Maria. (2000): Between the Mother of the Wounded and the Virgin of Jiu: Romanian Women and the Gender of Heroism during the Great War. Journal of Women's History, 12 (2), 30–56. Rachel Basinger (2019): Hidden in History: The Untold Stories of Women During World War I and World War II. Ocala: Atlantic Publishing Group.

  • Neue Weltbanknoten-Varianten: April 2026, Teil 2

    Botswana, Guinea, Kuba, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Sri Lanka, Tunesien, Westafrikanische Staaten (Guinea-Bissau), Zentralafrikanische Staaten BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Botswana 20 Pula von 2024 BNB B125i: wie BNB B125h (SCWPM 31), aber mit neuen Unterschriften (Gaolathe/Dekop), neuem Jahr und einem neuen Sicherheitsstreifen auf der Rückseite. 50 Pula von 2024 BNB B126f: wie BNB B126e (SCWPM 32), aber mit neuen Unterschriften (Gaolathe/Dekop), neuem Jahr und einem neuen Sicherheitsstreifen auf der Rückseite. Guinea 1000 Francs Guinéens von 2024 BNB B339e: wie BNB B339d (SCWPM 48), aber mit neuen Unterschriften (Soumah/Kaba) und neuem Jahr. 2000 Francs Guinéens von 2024 BNB B342c: wie BNB B342b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Soumah/Kaba) und neuem Jahr. Kuba 50 Pesos von 2025 BNB B910n: wie BNB B910m (SCWPM 123), aber mit neuer Unterschrift (Delgado), neuem Jahr, neuer Druckerei (Gosnak) und Serifenzahlen in der Kontrollnummer. Mexiko 100 Pesos vom 12.03.2025 BNB B724b: wie BNB B724a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum (12 MAR. 2025). Neuseeland 50 Dollars von 2022 BNB B140d: wie BNB B140c (SCWPM 194), aber mit neuem Jahr (20)22 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Nigeria 20 Naira von 2026 BNB B232ab: wie BNB B232aa (SCWPM 34), aber mit neuem Jahr. 200 Naira von 2026 BNB B244h: wie BNB B244g (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Sri Lanka 20 Rupees vom 18.11.2024 BNB B123i: wie BNB B123h (SCWPM 123), aber mit neuen Unterschriften (Dissanayake/Weerasinghe) und neuem Datum (2024-11-18). Tunesien 5 Dinars vom 25.07.2025 BNB B537b: wie BNB B537a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Abdessalem/Nouri) und neuem Datum (2025-07-25). Westafrikanische Staaten (Guinea-Bissau) 500 Francs CFA von 2026 BNB B120So: wie BNB B120Sn(SCWPM 919S), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe S = Guinea-Bissau. Zentralafrikanische Staaten 5000 Francs CFA, neue Auflage BNB B114b: wie BNB B114a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Bangui/Angue). Donald Ludwig (polymernotes.com) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book, und Stane Straus, polymernotes.com)

  • Bisher unbekannter Notgeldschein: 10 Reichsmark 1945 aus dem Kleinwalsertal

    Fünf Jahre nach Bekanntwerden von bis dahin unbekannten Notgeldausgaben im Jahr 1945 (nicht ausgegebene Notgeldscheine der sächsischen Stadt Chemnitz) liegt eine neue Meldung vor: 10 Reichsmark 1945 der Gemeinde Mittelberg im Kleinwalsertal. Abb. 1: 10 Reichsmark 1945, Vs., zweifarbiger Druck mit roter Kontrollnummer und Gemeindestempel; die Abmessungen des Scheins sind bisher nicht bekannt. Abb. 2: 10 Reichsmark 1945, Rs., unbedruckt, leider ist die Qualität der Abbildungen unbefriedigend (mit Photoshop bearbeitetes Bildschirmfoto). Das österreichische Kleinwalsertal gehörte bis zum „Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich“ am 13. März 1938 zum Bezirk Bregenz im Bundesland Vorarlberg. Danach sollte es dem NS-Gau Schwaben zugeordnet werden und wurde bis 1945 verwaltungsmäßig in den Landkreis Sonthofen eingegliedert. Am 29. April 1945 überschritten Soldaten der 5. Französischen Panzerdivision und der 4. Marokkanischen Gebirgsdivision die Grenze bei Lochau und besetzten innerhalb einer Woche ganz Vorarlberg. Der Krieg endete im Kleinwalsertal am 2. Mai 1945. Schon vor dem Eintreffen französisch-marokkanischer Truppen wurde das Tal vom Heimatschutz unter Kontrolle gebracht. Am 1. Mai 1945 umstellten 30 von den auf 120 Männern angewachsenen Heimatschutz-Gruppe das provisorisch im „Café Amely“ in Riezlern untergebrachte Gemeindeamt. Gottlieb Kessler und Hermann Künzel übergaben die zivile Verwaltung an Gedeon Fritz und Peter Meusburger. Die Widerstandsbewegung war bewaffnet – Waffen und Munition hatten sie sich beim Jägerbataillon unter Oberleutnant Karl Richter im nahen bayerischen Oberstdorf beschafft, der den Ort mit seinem Heimatschutz ebenfalls kampflos übergeben wollte. Man wollte in den letzten Kriegstagen das Tal vor fanatischen Nationalsozialisten schützen und Kämpfe mit den anrückenden alliierten Truppen verhindern. Sie rechneten mit der Besetzung durch die US-Armee und stellten deshalb eine Tafel mit der Aufschrift „Here is Austria“ auf. Aber am Mittag des 2. Mai 1945 rückten die Franzosen auf leichten Panzerspähwagen an. Der bis März 1938 im Amt befindliche Bürgermeister, Gedeon Fritz, der sich den Widerständlern angeschlossen hatte, wurde als provisorischer Bürgermeister wieder eingesetzt und übergab das Tal formell an den französischen Kommandanten. Der Land- und Gastwirt Fritz führte vorerst auch das Referat für das Finanzwesen. Abb. 3: Heimatschutzmänner unter dem Kommandanten Peter Meusburger halten die Tafel "Here is Austria" am historischen Grenzgasthof „Walserschanz“. Der Mangel an ausreichend Zahlungsmittel am Ende des Zweiten Weltkriegs war bei der Bevölkerung, bei Industrie und Handel sowie der öffentlichen Hand im April/Mai 1945 in vielen Gegenden des Deutschen Reichs spürbar – so auch in Süddeutschland und im angeschlossenen Österreich. Das Bargeld für das Kleinwalsertal kam von der Reichsbankstelle Augsburg und anschließend von der Reichsbanknebenstelle in Kempten. Die Versorgung mit Reichsbanknoten war von dort aus im April 1945 nicht mehr gewährleistet: am 27. April 1945 war die kreisfreie Stadt kampflos an die US-Armee übergeben worden. Im Gemeinderat von Mittelberg beschloss man am 10. April 1945 den Druck und die Ausgabe von lokalem Notgeld in den Wertstufen 5, 10 und 20 RM. In der Schrift von Ulrich Nachbaur kann man nachlesen: „Auf Beschluss der kommissarischen Gemeindevertretung vom 10. Mai 1945 gab die Gemeinde Mittelberg Geldgutscheine als Notgeld aus, das aber bis 31. August 1945 wieder in allgemein gültige Zahlungsmittel umzuwechseln war.“ Abb. 4: Beratungsprotokoll und Entschließung vom 10. Mai 1945 zum Druck und zur Ausgabe von lokalem Notgeld in Höhe von 30.000 Reichsmark in Geldgutscheinen durch die Gemeindekasse und der Spar- und Darlehenskasse Hirschegg; anwesend waren Bürgermeister Gedeon Fritz, 2. Bürgermeister Max Kessler (Beamter der Spar- und Darlehenskasse), Ortsvorsteher Norbert Drechsel, Gewerbereferent Walter Riedmann und Ortskommandant Peter Meusburger. Belegt ist bis heute nur ein 10-RM-Gutschein mit dem Aufdruck: „Gemeinde Mittelberg / Gutschein / über / ZEHN MARK / Dieser Schein gilt nur in der Gemeinde Mittelberg (Klein Walsertal) und wird über Aufruf durch die Spar- und Darlehenskasse Klein Walsertal in Hirschegg eingelöst. / Mittelberg, am 11. Mai 1945 Gemeinde Mittelberg.“ Der Schein ist insofern von Interesse, da er das Datum vom 11. Mai 1945 trägt, die Gemeinde Mittelberg jedoch schon seit über eine Woche von den Franzosen verwaltet wurde. Eine Ausgabe der Scheine war eigentlich von der französischen Militärverwaltung verboten (wie im Falle der Stuttgarter und Triberger Notgeldscheine – beide mit Datum 1. Mai 1945, obwohl beide Städte schon am 22. bzw. 24. April 1945 von französischen Truppen besetzt wurden). Das wurde in der Beratung am 1. Juli 1945 bestätigt: „Er [der Bürgermeister] teilte noch mit, dass der Druck von Notgeld eigentlich verboten gewesen wäre. Die Gemeinde hat derzeit Rm. 12.000.- in Umlauf, wofür aber volle Deckung vorhanden ist. Die Ausgabe von weiteren Notgeld wurde eingestellt.“ Der Schein zeigt außerdem den Gemeindestempel mit der Umschrift „Gemeinde * Mittelberg Kl. Walsertal“ – eine Unterschrift fehlt. Er entspricht in vielerlei Hinsicht ähnlichen Notgeldscheinen der 1945-er Notgeld-Epoche. Die Scheine ohne Wasserzeichen wurden in der am 1. April 1930 eröffneten Buchdruckerei von Josef Müller im Hauptort Riezlern hergestellt; im Verlag dieser Druckerei erschien das „Veröffentlichungsblatt der Gemeinde Mittelberg-Kleinwalsertal“. In keiner Ausgabe wurde jedoch eine Bekanntmachung über die Ausgabe des Notgelds veröffentlicht; nur die Aufrufe zur Einlösung erschienen dort am 25. Juli und nochmals am 22. August 1945. Abb. 5: Nr. 13 des VBl. vom 25. Juli 1945 – amtliche Bekanntmachung über den Einzug von Notgeld. Im VBl. Nr. 17 vom 18. August 1945 wurde der Einzug von Notgeld nochmals fast wortgleich bekanntgegeben: „Neuerdings wird darauf hingewiesen, dass der Gemeinderat in der Sitzung vom 22. 7. 45. den Einzug des auf Grund des Beschlusses vom 10. Mai 1945 ausgegebenen Notgeldes beschlossen hat. Die Geldgutscheine sind bis 31. 8. 1945 bei der Spar- und Darlehnskasse Hirschegg oder der Gemeindekasse in allgemein gültige Zahlungsmittel umzuwechseln. Mittelberg, den 18. August 1945 – Der Bürgermeister: G. Fritz.“ Der Text des Beratungsprotokolls mit den Gemeinderäten vom 22. Juli 1945, Punkt 2, lautete: „Einzug der auf Grund des Beschlusses vom 10.5.45. ausgegebenen Notgeldscheine – Bürgermeister Gedeon Fritz gab den Gemeinderäten Kenntnis, dass derzeit Notgeldscheine im Werte von Rm. 12.000.- im Umlauf sind. Der beabsichtigte Zweck wurde durch die Ausgabe voll erfüllt; derzeit ist ein Mangel an Bargeld nicht mehr festzustellen. Es wäre zweckmäßig die im Umlauf befindlichen Notgeldscheine bis zum 31. August dieses Jahres zurückzuziehen. Entschließung: Die Gemeinderäte beschlossen einstimmig die auf Grund des Beschlusses vom 10. Mai 1945 ausgegebenen Notgeldscheine, bis 31.August aus dem Verkehr zu ziehen. Die Einlösung erfolgt durch die Gemeindekasse und durch die Spar- und Darlehenskasse Hirschegg. Die Rückziehung wird zweimal im Gemeindeblatt bekanntgegeben werden.“ Die 5-stellige Kontrollnummer lässt keinen Rückschluss auf die gedruckte Menge des 10-RM-Scheins zu, da man nicht weiß, ab welcher Zahl nummeriert wurde. Der Schein zeigt typische Umlaufspuren. Die Scheine könnten die selben Abmessungen wie die Reichsbanknoten zu 10 RM 1929 (150 x 75 mm) haben – die Verhältnisse Breite : Höhe sind gleich. Auch wurde der Grünton für 10-RM-Scheine beibehalten. Unbekannt ist weiterhin die gedruckte, ausgegebene, eingelöste und vernichtete Stückzahl aller Gutscheine. Am Ende des Kriegs befanden sich etwa 10.000 Menschen im Tal – fast 3.000 davon waren die eigentlichen Einwohner. Tausende Ostflüchtlinge waren seit März 1945 ins Tal gekommen und über tausend Verwundete lagen in Hotels, die als Notlazarette dienten. Entsprechend waren Versorgungsengpässe die Folge. Um die Fremden mit Lebensmitteln zu versorgen, übernahm die Metzgerei Meusburger die Aufgabe, alle Personen zu verpflegen. Unter ihnen befanden sich im damaligen „Ifen-Hotel“ zuvor internierte französische, italienische und griechische Diplomaten sowie Offiziere. Auch deutsche Soldaten auf ihrer Flucht und Bombenopfer mussten versorgt werden. Bis zum 1. Juli 1945 hatten schon zwei Drittel der Evakuierten das Tal wieder verlassen. Als Ortskommandant und Inhaber des Familienbetriebs einer Metzgerei gab Peter Meusburger wegen Bargeldmangels anfangs handschriftliche Zettel zur Verrechnung aus. Diese waren bald aufgebraucht und sind heute nicht mehr vorhanden und so ließ er eine Serie von 2-seitig gedruckten Gutscheinen herstellen. Zitat Peter Meusburger 1982: „Durch die 1945 noch geltenden Gesetze kostete ein Vergehen gegen die RM beinahe den Kopf. Deshalb war es schwer, eine Druckerei zu finden, mit welcher man zum Teil nur chiffriert korrespondieren konnte. Dies ist auch einer der Gründe, warum auf meinem Notgeld weder das Datum noch die Druckerei aufscheinen.“ Die Scheine sollen von der Bevölkerung in den drei Gemeinden des Tals gut angenommen worden sein und wanderten nach Einlösung in den Heizkessel. Daher gibt es bei den noch verbliebenen Serien und Einzelscheinen Nummernlücken. Meusburgers Wunsch war es, diese „einmalige Ausgabe“ teuer zu vermarkten und den Erlös auf seine Erben aufzuteilen. Auch den Zeitungen wollte er nur Rede und Antwort gegen entsprechendes Honorar gewähren. Nach seinem Tode waren die Restbestände von zigtausend Scheinen verschwunden. Erben bemühten Rechtsanwälte und man munkelte allerhand über den Verbleib der Scheine. Vielleicht hatte er aus Enttäuschung noch einen großen Teil selbst vernichtet. Peter Meusburger hatte den Geltungszeitraum seiner Scheine immer mit 1945 bis 1948 angegeben, was zu bezweifeln ist, da im Jahr 1945 noch kein Mangel an Kleingeld herrschte – der setzte erst 1946 ein. Nominale von 10 Reichspfennig bis 5 Reichsmark sind typisch für den Zeitabschnitt 1947/48. Abb. 6: 5 Reichsmark o. D. (1946/47), Vs., Gutschein der Metzgerei Peter Meusburger; die angeblich bis zur Währungsreform 1948 Gültigkeit hatten – Meusburger ließ außerdem die seit 1981 in der Sammlerschaft bekannt geworden Scheine in den Wertstufen 0,10 und 0,50 RM sowie 1, 2 und 5 RM drucken. Eine weitere Besonderheit aus dem Kleinwalsertal: bis zum Jahr 2002 galt die Deutsche Mark als gültige Währung und deshalb verwendete man im Spielcasino Kleinwalsertal/Casinos Austria in Riezlern entsprechende Jetons. Bis zum 31. Dezember 2001 waren farbige Kunststoff-Jetons zu 5, 10, 20, 50 und 100 DM in Gebrauch. Abb. 7: Jeton des Spielcasinos Kleinwalsertal im Wert von 2 Deutschen Mark, o. J., 28 mm Ø, Messing, es gab angeblich auch silberfarbene auf 10 Schilling lautende Marken. Die im Tal anwesenden französischen und marokkanischen Besatzungssoldaten feierten ihren Sieg über das nationalsozialistische Deutschland am 20. Mai 1945 mit einer großen Parade in Anwesenheit von Charles de Gaulle, dem späteren Staatspräsidenten Frankreichs. Die Gemeinde Mittelberg kehrte am 20. September 1945 offiziell zum österreichischen Bundesland Vorarlberg zurück. Bekannt ist, dass das Tal außer zu Fuß über die Berge nur auf einer Straße über Bayern erreichbar war und noch heute ist; zur Gemeinde Mittelberg gehören die Orte Riezlern, Hirschegg und Baad. Aufgrund ihrer geografischen Lage wurde die Gemeinde 1891 als Zollanschlussgebiet dem deutschen Wirtschaftsraum angeschlossen. Der Vertrag darüber wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland neu geschlossen. Abb. 8: Karte des Kleinwalsertals – die Einheimischen nennen es lediglich Walsertal, das seit über 100 Jahren zu einer beachtlichen und wichtigen Tourismusregion in den Allgäuer Alpen wurde. Ein besonderer Dank gilt dem Chronisten der Gemeinde Mittelberg, Herrn Stefan Heim, für die umfang- und hilfreiche Unterstützung bei der Recherche zum Mittelberger Notgeld 1945 vor Ort und für die Zusendung der entspr. Gemeinderatsprotokolle und Veröffentlichungsblätter. Michael H. Schöne Quellen: Ulrich Nachbaur: „Vorarlberger Territorialfragen 1945 bis 1948“, Konstanz 2007 Peter Schwarz: „Eigenes Geld zur Stunde Null“ > Allgäuer Zeitung vom 17. Mai 2005, 20:30 Uhr (https://www.all-in.de) WAG-Online oHG Arnsberg: Auktion 168 vom 8. März 2026, Los 539 https://austria-forum.org https://museumguckloch.wordpress.com https://www.jeton-museum.de https://www.kleinwalsertal.com https://www.malingesellschaft.at https://www.vorarlberger-walservereinigung.at https://www.walserdruck.at

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