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- Aus alten Zeitungen: Falschgeld kam aus dem Fotolabor
Gefunden in: "Kölnische Rundschau" vom 13. Mai 1955 Bank deutscher Länder: Gebrauchte Original-Banknote zu 50 Deutsche Mark der Serie 1948, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Bank deutscher Länder: Gebrauchte Original-Banknote zu 50 Deutsche Mark der Serie 1948, Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Falschgeld kam aus dem Fotolabor Alter "Fachmann" landet wieder hinter schwedischen Gardinen Kronach. In seinem Fotolabor hatte der 53jährige Kronacher Fotograf Emil Gillig falsche Fünfzigmarkscheine hergestellt. Als alter Fachmann auf diesem Gebiet – Gillig hatte 1923 falsche Fünfhundertmarkscheine und 1935 falsche Fünfmarkstücke angefertigt – benutzte er zur Herstellung seiner neuesten "Blüten" mehrere Bogen dünnes Papier, die er übereinanderklebte, um die besondere Griffigkeit der Scheine zu erreichen. In der Dunkelkammer trug er die Farben auf. Die "Blüten" wirkten zwar etwas blaß, konnten vom Laien aber nicht von echten Geldscheinen unterschieden werden. Da sich jedoch die Sachverständigen nicht täuschen ließen, mußte sich der Fotograf jetzt vor der Großen Strafkammer Coburg verantworten. Wegen Falschmünzerei, Betruges, Urkundenfälschung, Untreue und Unterschlagung wurde er zu vier Jahren Gefängnis, drei Jahren Ehrverlust und 250 Mark Geldstrafe verurteilt. Zwei Mitangeklagte erhielten acht und sechs Monate Gefängnis. Hans-Ludwig Grabowski Anmerkung der Redaktion Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen. Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!
- Geldscheinporträts: Mahatma Gandhi – gewaltfrei und gewissenhaft
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Geburtsname: Mohandas Karamchand Gandhi Zur Person: Rechtsanwalt, politischer Führer, Pazifist, Publizist Nationalität: Indisch Lebensdaten: 2. Oktober 1896 – 30. Januar 1948 Geburtsort: Porbandar, Provinz Bombay, Britisch-Indien Sterbeort: Neu-Delhi, Republik Indien Mahatma Gandhi, Studiofotografie in London mit Unterschrift Gandhis1931. Abb. Wikimedia Commons. Gewaltfreier Widerstand, ziviler Ungehorsam, bewusste Regelverletzung als politisches Mittel – vieles von dem, was heute in Protestbewegungen weltweit als legitime Strategie gilt, lässt sich auf Mahatma Gandhi zurückführen. Sein Konzept des Satyagraha hat nicht nur die indische Unabhängigkeitsbewegung geprägt, sondern auch späteren Akteuren als Orientierung gedient, darunter Martin Luther King Jr. in der Bürgerrechtsbewegung in den USA und Nelson Mandela in Südafrika. Gandhi wurde 1869 in Porbandar im Westen Indiens geboren. Seine Familie gehörte zur lokalen Verwaltungsschicht, sein Umfeld war religiös geprägt. Bereits mit 13 Jahren wurde er dem Brauch entsprechend verheiratet. In seinen späteren Schriften kritisierte er die Kinderheirat scharf. Er studierte in London Jura und wurde Rechtsanwalt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Indien ging Gandhi nach Südafrika, eine weitere Kolonie der Briten. Auch dort galt das britische Recht, weshalb Gandhi hier praktizieren konnte. Hier begann seine politische Entwicklung. Gandhi erlebte Rassismus im Alltag, etwa als er trotz gültiger Fahrkarte aus einem Zugabteil verwiesen wurde. Solche Erfahrungen waren für ihn kein isoliertes Unrecht, sondern Ausdruck eines Systems. Er begann sich, für die Rechte der indischen Minderheit einzusetzen und entwickelte aus religiösen Quellen, aber auch angelehnt an die Schriften von Thoreau, Ruskin und Tolstoi, schrittweise eine Form des Widerstands, die später unter dem Begriff Satyagraha bekannt wurde: Das Festhalten an der Wahrheit, die untrennbar mit Gewaltfreiheit verbunden ist. Diese Gewaltfreiheit bedeutet Nächstenliebe und nimmt eigenes Leid bewusst auf sich. Die Macht der Nächstenliebe soll den Gegner für sich gewinnen, indem sie an seine Menschlichkeit appelliert. Nach seiner Rückkehr nach Indien im Jahr 1915 gewann Gandhi rasch an Einfluss. Er bewegte sich bewusst außerhalb elitärer Zirkel, reiste viel durchs Land und suchte den Kontakt zu breiten Bevölkerungsschichten. Gleichzeitig entwickelte er eine politische Praxis, die stark auf Symbolik setzte. Ein bekanntes Beispiel ist der Salzmarsch von 1930: Über Wochen zog Gandhi mit Anhängern Richtung Küste, um dort demonstrativ Salz zu gewinnen – ein Verstoß gegen das britische Salzmonopol. Die Aktion entfaltete große Wirkung und mobilisierte das gesamte Land. Gandhi verstand es, solche Aktionen strategisch zu nutzen. Er schrieb viel, stand im Austausch mit Journalisten und wurde zu einer international bekannten Figur. Doch er war keine unumstrittene Person: Ihm wurde Machthunger und Rückständigkeit vorgeworfen. Die Unabhängigkeit Indiens 1947 empfand Gandhi als persönliche Tragödie, denn sie ging mit der Landesteilung in das muslimische Pakistan und die Indische Union einher. Durch Unruhen kamen hunderttausende Menschen um. Auch Gandhi selbst wurde Opfer der Gewalt. Am 30. Januar 1948 wurde er von einem Hindu-Nationalisten erschossen. Indien, Reserve Bank of India: 10 Rupien, 2008. Vorderseite: Rechts Porträt von Mahatma Gandhi, links unten Ashoka-Säule mit drei Löwen. Papier mit Gandhis Porträt Indien, Reserve Bank of India: 10 Rupien, 2008. Vorderseite: Rechts Porträt von Mahatma Gandhi, links unten Ashoka-Säule mit drei Löwen. Rückseite: Nashorn, Tiger und Elefant. Gandhi wurde mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert, zuletzt in seinem Todesjahr. Da er den Preis nicht posthum erhalten konnte, wurde 1948 zu Ehren Gandhis kein Friedensnobelpreis vergeben. Die wichtigste Nachwirkung des Lebens und Wirkens Gandhis in Indien sind Abertausende sozialer Bewegungen und örtlicher Initiativen, die in seinem Sinne weiterarbeiten. Elias Heindl Literatur/Quellen: Matthias Eberling: Mahatma Gandhi. Leben, Werk, Wirkung. Suhrkamp BasisBiographie, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006 Clemens Jürgenmeyer: An der Wahrheit festhalten. Mahatma Gandhis Lehre vom gewaltfreien Leben. Bundeszentrale für politische Bildung, 20.01.2020 (https://www.bpb.de/themen/asien/indien/310374/an-der-wahrheit-festhalten/)
- Fehlerhafte Auktions-Anzeige in den aktuellen Zeitschriften MünzenRevue und Münzen & Sammeln
Versehentlich wurde in beiden Zeitschriften der Ausgabe September 2026 eine falsche Auktionsanzeige (Frühjahrsauktion) der Teutoburger Münzauktion platziert. Hier sehen Sie die korrekte Anzeige. Wir bitten alle Leser und Leserinnen um Entschuldigung und besondere Beachtung der Herbstauktion der Teutoburger Münzauktion vom 7. bis 11. September 2026. Pressemitteilung Battenberg Bayerland Verlag GmbH
- Neue Weltbanknoten-Varianten: August 2026, Teil 1
Algerien, Burundi, Dominikanische Republik, Guatemala, Indonesien, Malawi, Nepal, Philippinen, Uruguay, Westafrikanische Staaten (Guinea-Bissau) BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Algerien 1000 Dinars mit neuen Unterschriften BNB B411c: wie BNB B411b (SCWPM nicht gelistet), doch mit neuen Unterschriften (Delindi/Lebbou). Burundi 5.000 Francs von 2025 mit neuen Unterschriften BNB B244b: wie BNB B244a (SCWPM nicht gelistet), doch mit neuem Datum (24-01-2025) und neuen Unterschriften (Irène Kabura Murihano/Edouard Normand Bigendako). 10.000 Francs von 2025 mit neuen Unterschriften BNB B225b: wie BNB B245a (SCWPM nicht gelistet), doch mit neuem Datum (24-01-2025) und neuen Unterschriften (Irène Kabura Murihano/Edouard Normand Bigendako). Dominikanische Republik 50 Pesos Dominicanos von 2025 BNB B727h: wie BNB B727g (SCWPM 189), doch mit neuem Jahr 2025. 100 Pesos Dominicanos von 2025 BNB B728g: wie BNB B728f (SCWPM 190), doch mit neuem Jahr 2025. Guatemala 10 Quetzales mit neuem Datum und neuen Unterschriften BNB B608o: wie BNB B606n, doch mit neuem Datum (7 DE FEBRERO DE 2024) und neuen Unterschriften (Cáceres/González). 20 Quetzales mit neuem Datum und neuen Unterschriften BNB B608h: wie BNB B608g, doch mit neuem Datum (7 DE FEBRERO DE 2024) und neuen Unterschriften (Cáceres/González). Indonesien 100.000 Rupiah von 2026 BNB B623e: wie BNB B623d (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum 2026. Bisher erschienen Noten mit 2022, 2023, 2024 und 2025. Das Datum befindet sich links unten auf der Rückseite "PERURI TC 2026". Malawi 5.000 Kwacha von 2026 BNB B165e: wie BNB B165c (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum (1st JANUARY 2026) und neuen Unterschriften (MacDonald Mafuta Mwale). Nepal 500 Rupees von 2025 mit neuer Unterschrift BNB B292c: wie BNB B292b (SCWPM 81), aber mit neuem Datum (2025 A.D.) und neuer Unterschrift (Poudel). Philippinen 50 Piso von 2026 BNB B1101d: wie BNB B1101c (SCWPM 207), doch mit neuem Jahr 2026. 100 Piso von 2026 BNB B1102f: wie BNB B1102e (SCWPM 208), doch mit neuem Jahr 2026. Uruguay 200 Pesos Uruguayos von 2025 mit neuen Unterschriften BNB B555c: wie BNB B555b (SCWPM 96), doch mit neuem Jahr 2025, neuen Unterschriften (Christy/Tolosa), neuem 3 mm breitem Sicherheitsstreifen und neuem Druckvermerk (OBERTHUR fiduciaire), Serie H. Westafrikanische Staaten (Guinea-Bissau) 1.000 Francs CFA von 2025 BNB B121Sy: wie BNB B121Sx (SCWPM 915S), aber mit neuem Datum (20)25 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe S = Guinea-Bissau. Hans-Ludwig Besler (Grabowski (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book)
- Neue Weltbanknoten-Varianten: Juli 2026, Teil 2
Angola, Hongkong (Standard Chartered Bank), Indien, Iran, Namibia, Philippinen, Russland, Sudan, Westafrikanische Staaten (Elfenbeinküste) BNB = The Banknote Book (von Owen W. Linzmayer) SCWPM = Standard Catalog of World Paper Money (eingestellt) Angola 5000 Kwanzas vom Juni 2026 BNB B561d: wie BNB B561c (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum (Junho de 2026). Hongkong (Standard Chartered Bank) 100 Hong Kong Dollars vom 01.01.2023 BNB B425c: wie BNB B425b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuen Unterschriften (Razvi/Huen) und neuem Datum (1 JANUARY 2023). Indien 10 Rupees von 2026 BNB B298j: wie BNB B298i (SCWPM 109), aber mit neuem Jahr. 100 Rupees von 2026 BNB B301i: wie BNB B301h (SCWPM 112), aber mit neuem Jahr. Iran 10.000.000 Rials, neue Auflage BNB B305b: wie BNB B305a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Abdolnaser Hemmati). Namibia 200 Namibia Dollars von 2026 BNB B224b: wie BNB B224a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Philippinen 100 Piso von 2026 BNB B1106c: wie BNB B1106b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Jahr. Russland 100 Rubel von 2026 BNB B841a: wie BNB B834 (SCWPM nicht gelistet), wobei die Karte auf der Rückseite nicht mehr das gesamte Staatsgebiet Russlands, sondern nur noch den Zentralen Föderationskreis zeigt, und mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen. Sudan 2000 Sudanese Pounds vom November 2025 BNB B421b: wie BNB B421a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Amna Mirgani) und neuem Datum (NOVEMBER 2025). Westafrikanische Staaten (Elfenbeinküste) 1000 Francs CFA von 2026 BNB B121Az: wie BNB B121Ay (SCWPM 115A), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe A = Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste). 2000 Francs CFA von 2026 BNB B122Az: wie BNB B122Ay (SCWPM 116A), aber mit neuem Jahr (20)26 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Druck- bzw. Ausgabejahr an). Buchstabe A = Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste). Donald Ludwig (polymernotes.com) (Abb. Owen W. Linzmayer, The Banknote Book, und Stane Straus, polymernotes.com)
- Lexikon: National Bank Notes
Als National Bank Notes werden die von den einzelnen National Banks der USA seit 1863 ausgegebene Banknoten bezeichnet. Die National Banks wurden durch den National Currency Act vom 25. Februar 1863 geschaffen und ihre Scheine tragen deshalb auch die Bezeichnung "National Currency". Sie waren private Depositenbanken, die bis zum Jahr 1935 Noten ausgeben durften. Es gab insgesamt einige Tausend dieser Banken, die Noten in den Werten zu 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Dollars mit Daten von 1875, 1882, 1902 und 1929 ausgaben. Die Notentypen sind für alle Banken gleich und unterscheiden sich nur durch den Banknamen und die Unterschriften. Nur die Ausgabe von 1929 hat das kleinere Format der sog. "Small Size Notes", alle anderen Ausgaben sind sog. "Large Size Notes". USA, First National Bank of Reed City, Michigan: National Bank Note über 20 Dollars der Serie 1929, Vorderseite. USA, First National Bank of Reed City, Michigan: National Bank Note über 20 Dollars der Serie 1929, Rückseite. Die National Bank Notes verloren im Laufe der Zeit an Beliebtheit und Bedeutung im Zahlungsverkehr der USA. Die letzten Noten wurden 1935 ausgegeben. Nach 1935 waren die Federal Reserve Banks alleinige Notenbanken in den USA. Alle National Banks sind dem Federal Reserve System angeschlossen. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abbildungen: Philatelie und Ansichtskarten Detlef Hilmer†, München
- Der besondere Geldschein: 1-Pfennig-Almosenschein aus Weißenfels um 1850
Der Begriff Almosen gilt als „milde Gabe“, abgeleitet vom Altgriechischen ἐλεημοσύνη (= eleēmosýnē = Mitleid, Mildtätigkeit, Erbarmen“). Almosengeld wurde geprägt und gedruckt im Auftrag von Herrschern, des Klerus und später auch von Städten und Gemeinden – seit dem 17. Jahrhundert bis 1933 in Deutschland sind entsprechende Belege nachweisbar. So ein früher Almosenpfennig von 1699 und einer der letzten Gutscheine von 1933: Abb. 1: kupferner Armenpfennig von 1699 des Kirchspiels St. Ägidius (Sancti Aegidÿ) Bistum Münster – ähnliche Münzen gab es auch von den Pfarrbezirken St.Lamberti, St. Ludgeri und St.Martini. Abb. 2: Gutschein über 2 Reichspfennig o. D. (eingelöst am 4. Januar 1933 in Chemnitz > https://www.geldscheine-online.com/post/lexikon-bettlergeld vom 15.2.2021/31.3.2021). Die Bevölkerung wuchs in den deutschen Ländern zu Beginn des 19. Jahrhunderts beträchtlich. Auf dem Land fanden nicht mehr alle Menschen eine Arbeit und gingen in die schnell wachsenden Industriestädte. Es kam zu einer Landflucht besonders in Südwest- und Nordwestdeutschland, Hessen, Preußen und Schlesien. Das starke Bevölkerungswachstum, die Missernten und der Niedergang des traditionellen Handwerks lösten um 1850 eine massenhafte Verarmung aus. Christopher Jütte vom Deutschen Historischen Museum Berlin schrieb am 30. März 2015: „Aus Verzweiflung flüchteten sich viele Arme in die ,Notkriminalität‘. Durch den Diebstahl von Feldfrüchten und Holz, Wilderei und Schmuggel versuchten die Bedürftigen ihre Situation zu verbessern. Um sich zu betäuben und die Not einen Augenblick zu vergessen, griff die Unterschicht zum Alkohol. In den Zeitungen fanden sich Berichte über die sich ausbreitende ,Branntweinwuth‘, zur Bekämpfung der Armut forderten die Publizisten eine Beschränkung des Branntweinbrennens. Auch die Zahl der Bettler und sogenannten Landstreicher stieg vor 1850 rasant an.“ Ein seltenes Exemplar eines Almosenscheins ist ein vor über 175 Jahren in Preußen gedruckter Schein über 1 Pfennig der Armenkasse aus Weißenfels – bis heute ein Unikat: Abb. 3.1: 1 Pfennig o. D., Vs., 147 × 58 mm, Almosenschein der Armenkasse zu Weißenfels (preußische Provinz Sachsen), gedruckt um 1850 bei Leopold Kell in der Weißenfelser Friedrichstraße. Abb. 3.2: 1 Pfennig o. D., Rs., mit handschriftlicher Registrierung (Sammlung Pavel Hejzlar, Prag). Die Buchdruckerei wurde am 9. Januar 1813 durch Johann Karl Leberecht Kell gegründet und ab dem 1. Juli 1838 übernahm sein Sohn Leopold den Betrieb. Später führte seine Tochter Johanna mit ihrem Ehemann Wolf von Wolframsdorff die Druckerei bis zum Weggang in den Westen nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Herzog Johann Georg von Sachsen-Weißenfels wies 1699 den Rat zu Weißenfels an, eine Armenkasse einzurichten. 1746 wurde auf kurfürstlichen Befehl die Hof- und Armenkasse mit der Stadtarmenkasse zusammengelegt. Im Stadtarchiv befinden sich in den Unterlagen der Stadtarmenkasse sämtlich Bittgesuche der Stadtarmen aus dieser Zeit – auch die ihnen zugedachten Unterstützungen. Ein Almosenschein befindet sich nicht darunter. Abb. 4: Ansicht der Hochfürstlichen sächsischen Residenz Weißenfels, Kupferstich von 1721. Der Generalbericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten von 1854 bis 1857 führt auf Seite 27 an, dass die 1855 getroffene Entscheidung, „gewissen Armen bestimmte Gaben nicht in den Häusern zu verabreichen ... und Bettlern nur Anweisungen (Marken) an die Armenkasse zu geben, von 96 Personen durch Ankauf der Anweisungen an die Armenkasse in Anspruch genommen wurden. Am 15. September 1856 trat eine neue Armenordnung in Kraft, doch darin gibt es keine Hinweise auf Almosenscheine. In den jährlichen Berichten des Stadtrats von Weißenfels wird die Armenkasse 1860 erwähnt, ab 1880 findet man keine entsprechenden Informationen mehr. Das damalige „Weißenfelser Kreisblatt“ veröffentlichte 1856 eine Liste hergestellten Druckerzeugnisse der Druckerei Kell, die städtischen Almosenscheine waren nicht aufgeführt. In der Regel wurden Almosenscheine von Leuten bei den Armenkassen erworben, die diese als Geldspenden und Unterstützung an Bettler abgaben. Die Scheine wurden dann von Händlern wieder bei der Armenkasse eingelöst. Abb. 5: 1 Pfennig 1850 aus Kupfer, er galt von 1821 bis 1873 im Königreich Preußen. Nach dem Wiener Kongress von 1815 wurde entsprechend der preußischen Verwaltungsreform der Kreis Weißenfels zum 1. Oktober 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg in der preußischen Provinz Sachsen zugeordnet. Es galt der preußische Vereinstaler. Bei etwa 100 bis 120 Taler lag 1850 im deutschen Handwerk das Durchschnittseinkommen pro Jahr. Ein 2-Pfund-Brot von kostete damals zwischen 10 bis 15 Pfennige. Michael H. Schöne Anmerkungen: Vielen Dank an Frau Silke Künzel vom Stadtarchiv Weißenfels für ihre Unterstützung und an Herrn Pavel Hejzlar (flyarcher@seznam.cz) für die Erlaubnis der Abbildung des 1-Pfennig-Almosenscheins. Quellen: https://de.wikipedia.org https://www.dhm.de
- Aus privaten Sammlungen: Fehldruck einer Reichsbanknote zu 1 Milliarde Mark von 1923
Bereits ab 1918 war die Reichsbank mit der stetig steigenden Menge an Papiergeld dazu gezwungen, neben der Reichsdruckerei auch private Druckereien mit in den Druck von Reichsbanknoten einzubeziehen, um den wachsenden Bedarf an Banknoten termingerecht decken zu können. Während der Inflation nahm die Anzahl der am Druck von Reichsbanknoten beteiligten privaten Druckfirmen ständig zu, da die Kapazitäten der Reichsdruckerei längst nicht mehr ausreichten. Für den massenhaften Druck der sog. Hilfsbanknoten der Reichsbank mussten außerdem private Papierfabriken mit der Herstellung von Banknotenpapier beauftragt werden. 1923 arbeiteten 85 Druckereien mit 1060 Druckmaschinen unmittelbar für die Deutsche Reichsbank. Hinzu kamen weitere 48 private Druckereien mit 723 Druckmaschinen, die mittelbar für die Reichsdruckerei arbeiteten. An der Herstellung der Reichsbanknoten in der Zeit der Hochinflation Ende 1923 waren also insgesamt 133 Druckereien mit 1.783 Druckmaschinen sowie zusätzlich 30 Papierfabriken voll im Betrieb. Aus 17,3 Millionen Kilogramm Papier, das die Papierfabriken verließ und einer Ladung von 1.700 Eisenbahnwaggons entsprach, wurden 10,1 Milliarden Reichsbanknoten in einem Gesamtwert von 3.877 Trillionen Mark gedruckt. Bei der Vielzahl, der am Druck von Reichsbanknoten beteiligten Firmen und in Anbetracht des zwangsläufig gesunkenen Niveaus der Ausführung des Drucks, kam es nicht selten zu Druckvarianten und sogar zu Fehldrucken. Die Hilfsbanknote der Deutschen Reichsbank zu 1 Milliarde Mark vom 20. Oktober 1923 (DEU-144, Ros./Grab. 119, Pick 122) wurde ausschließlich von privaten Druckereien auf dünnem Papier mit Wasserzeichen Kreuzblüten hergestellt. Verwendet wurden die Firmenzeichen AJ, AK, AN, AO, AP, AR, AS, AT und X. Die Zuordnung der meisten dieser Firmenzeichen zu Druckfirmen ist leider bislang ungeklärt. Das Firmenzeichen AJ steht wahrscheinlich für die Germania Druckerei oder Ullstein in Berlin und das Firmenzeichen AK wahrscheinlich für die Firma Holten in Berlin. DEU-144a: Reichsbanknote zu 1 Mrd. Mark vom 20. Oktober 1923, Vorderseite in vollständigem Druck mit Firmenzeichen AT. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Es kommen zwei verschiedenen Fehldrucke der einseitig bedruckten Banknoten vor. Da der Druck aus nur zwei Druckvorgängen besteht, kommen Fehldrucke der Vorderseite entweder nur mit dem hellblauen Unterdruck ohne Überdruck oder aber nur mit dem schwarzen Überdruck ohne den Unterdruck vor. Bei den Fehldrucken ohne den schwarzen Überdruck kann man freilich keine Zuordnung zu einem Firmenzeichen vornehmen, weil dieses fehlt. Fehldrucke ohne den Unterdruck gibt es mit den Firmenzeichen AJ und AR. Es ist durchaus denkbar, dass auch die Fehldrucke ohne den Überdruck diesen Firmenzeichen zugewiesen werden können. Objekttyp: Reichsbanknote (Fehldruck) Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Besler (Grabowski) Authentizität: Original Land/Region/Ort: Deutsches Reich ("Weimarer Republik") Emittent: Deutsche Reichsbank, Berlin Nominal: 1 Milliarde Mark Datierung: 20. Oktober 1923 Umlauf: in Umlauf ab Oktober 1923, gesetzlich ungültig ab 5. Juli 1925 Vorderseite: Fehldruck: Nur hellblauer Unterdruck mit Ornamenten und Wertangabe. Ohne den schwarzen Überdruck (Text, Unterschriften und Siegel). Rückseite: Unbedruckt Material: Papier mit Wasserzeichen Kreuzblüten Format: 127 mm x 61 mm Nummerierung: Ohne Druck: Privater Druck ohne Angaben eines Firmenzeichens (wahrscheinlich AJ oder AR) Zitate: DEU-144F2 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871, Regenstauf 2023) Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro 📖 LESEPROBE 🛒 SHOP
- Aus privaten Sammlungen: 1000 Marek Polskich der Polnischen Landesdarlehnskasse von 1919
Nach der russischen Generalmobilmachung vom 30. Juli 1914 und der daraufhin erfolgten Mobilmachung und Kriegserklärung Deutschlands überschritten am Abend des 1. August 1914 Truppen des mit Frankreich verbündeten Russlands die Grenzen des Deutschen Reichs nach Ostpreußen und gaben damit den „Startschuss“ für den Ersten Weltkrieg. Nachdem die russischen Armeen aus Ostpreußen zurückgedrängt waren, wurde der polnische Teil Russlands (Kongress- oder auch Russisch-Polen) vollständig von deutschen und österreichischen Truppen besetzt. Der nördliche Teil davon stand als „Generalgouvernement Warschau“ bis 1918 unter ziviler deutscher, der südliche Teil unter österreichischer Verwaltung. Nach der von Deutschland betriebenen Unabhängigkeit der polnischen Gebiete von Russland und der Proklamation des Königreichs Polen vom 5. November 1916 wurde mit Gesetz vom 13. Dezember 1916 in Warschau die Polnische Landesdarlehenskasse gegründet, der die Versorgung des Landes mit Zahlungsmitteln oblag. Die bisherige russische Rubel-Währung wurde am 26. April 1917 auf polnische Marka umgestellt, die der deutschen Mark gleichgestellt war. Das Deutsche Reich haftete sogar für die Einlösung der Gutscheine für das Generalgouvernement in Mark zum Nominalwert. Die 1919 entstandene Republik Polen behielt die Darlehenskassenscheine noch bis zum 30. November 1923 im Umlauf. Am 20. Januar 1924 wurde dann die inflationäre polnische Mark-Währung durch den Złoty abgelöst. Die erste Serie von Darlehnskassenscheinen des unabhängigen Polen bestand aus einem Hunderter vom 15. Februar 1919 sowie den Werten zu 1, 5, 20 und 1000 Marek Polskich vom 17. Mai 1919, die dann durch eine zweite Serie mit Werten über 1, 5, 10, 20, 100, 500 und 1000 Marek Polskich mit Datum vom 23. August 1919 (in Umlauf ab 5. Dezember 1919) sowie zu 1/2 und 5000 Marek Polskich vom 7. Februar 1920 (in Umlauf ab 25. Februar 1920 abgelöst wurde. Nach der Einführung des Złoty blieben die Kassenscheine der Polnischen Landesdarlehnskasse noch bis zum 1. Juli 1924 gültig. Von den Tausendern der erste Serie kamen auch zeitgenössische Fälschungen auf deutschem Wasserzeichenpapier vor. Objekttyp: Darlehnskassenschein Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Authentizität: Original Land/Region/Ort: Republik Polen Emittent: Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa (PKKP, Polnische Landesdarlehnskasse) Nominal: 1000 Marek Polskich (Polnische Mark) Datierung: 17. Mai 1919 Vorderseite: Links Porträt des polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko (1746–1817), rechts bekrönter polnischer Adler im Zierrahmen mit Text Rückseite: Von Ornamenten und Rankenwerk umgebenes Oval mit Darstellung des bekrönten polnischen Adlers, rechts davon Guilloche und Wertangabe Unterschriften: Mitte: Ernest Adam (Direktion der PKKP), Marian Karpus (Hauptschatzmeister) und Jósef Zarzycki Material: weißes Papier mit Wasserzeichen aus bekröntem polnischen Adler, umgeben von den Buchstaben "B" und "P" Format: 210 mm x 130 mm Entwurf: Adam Jerzy Półtawski Druck: An der Herstellung waren beteiligt: Staatliche grafische Werke in Warschau, Grafische Werke Bolesław Wirtz in Warschau sowie andere private Druckereien in Warschau Nummerierung: Serie: ZR, No 952965 ❉ Umlauf: 4. Juli 1919 – 1. Juli 1920 Zitate: Poland 22d (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) 22g4 (Czesław Miłczak: Banknoty Polskie i Wzory, Tom I 1794 – 1941, Warschau 2012) Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Die Fälschung der 20-Lei-Banknoten der Banca Generala Româna
Obwohl die Banknoten der Rumänischen Generalbank (Banca Generala Româna - BGR) nur für eine relativ kurze Zeit im Umlauf waren – beginnend im Jahr 1917 bis nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – fehlte es nicht an Versuchen, sie zu fälschen. Informationen über diese Fälschungen sind jedoch spärlich. Der erste bekannte Fall von Falschgeld-Herstellung ereignete sich im August 1918, noch während der deutschen Besatzung, als, trotz des Kriegsrechts und der im Kriegszustand geltenden harten Strafen, eine Bande versuchte, die Banknoten der Rumänischen Generalbank zu fälschen[1]. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der vorübergehenden Zulassung des Umlaufs der Banknoten der Rumänischen Generalbank durch die rumänischen Behörden, nahm die Zahl der Fälschungsversuche sowohl in Rumänien als auch im Ausland zu. Bevorzugte Ziele waren die Banknoten zu 20 Lei (Bukarest im November 1918 und Juni 1919), zu 100 Lei (Ort und Zeit unbekannt) sowie zu 1.000 Lei (Wien im September 1920). Abb. 1.1: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 20 Lei ohne Datum, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Abb. 1.2: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 20 Lei ohne Datum, Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Obwohl es nicht der einzige Fall der Fälschung von Banknoten der Rumänischen Generalbank war, ist der unten dargestellte Vorgang, aufgrund der Menge und der Qualität der produzierten Falsifikate, der bedeutendste aller bekannten Versuche und zugleich der bisher am besten dokumentierte[2]. Die Entdeckung dieses Falls erfolgte in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1919, nach einer Anzeige über die Existenz einer Bande, die 20-Lei-Banknoten fälschte. Die Allgemeine Sicherheit (Siguranța Generală) in Bukarest, die zuständige Ermittlungsbehörde für Banknotenfälschungen, leitete eine Untersuchung ein, die zur Festnahme aller Bandenmitglieder führte. Die Initiatoren der Fälschung waren Edmond Breitner, ein junger Kaufmann aus guter Familie und Eigentümer des Geschäfts Parfumeria Elitei auf der Calea Victoriei, der Hauptstraße Bukarests, sowie David Rotman, Verkäufer in derselben Parfümerie. Sie schlugen Matei Pentelescu, Chemiker und Angestellter des Instituts für Grafische Künste Minerva, vor, gemeinsam 20-Lei-Banknoten zu fälschen, wobei Edmond Breitner die notwendige Finanzierung bereitstellte. Matei Pentelescu wandte sich an einige Freunde, mit denen er im Institut für Grafische Künste Minerva zusammen gearbeitet hatte, einer der bedeutendsten Einrichtungen dieser Art in Bukarest: Garulo Garuli, ein 25jähriger Italiener und Zeichner, Emanoil Bocaciuc, Foto-Zinkograf, und Ștefan Dobrescu, Zinkograf. Diese bereiteten gemeinsam drei Klischees vor (zwei für die Vorderseite und eines für die Rückseite) und kauften eine Boston-Druckmaschine sowie die für die Herstellung einer großen Menge von Banknoten erforderlichen Materialien. Da sie nicht in der Lage waren, das richtige Wasserzeichenpapier mit dem Motiv Kreuz Ringel-Muster herzustellen, wandte sich Matei Pentelescu an Mihail “Mișu” Christescu, Graveur und Drucker, der das lithografische Modell dieses Wasserzeichens anfertigte und mithilfe von Vaseline auf gewöhnliches Papier übertrug. Abb. 2: Parfumeria Elitei, Anzeige aus der Presse jener Zeit. Für die Nummerierung der Banknoten fertigte Pierino Garuli, der 20-jährige Bruder von Garulo, einen Gummistempel an, der eine Kontrollnummer reproduzierte. Da im Jahr 1919 die Banknoten der Banca Generală in Rumänien nur dann legal umlaufen durften, wenn sie von zentralen oder lokalen rumänischen Behörden abgestempelt (nostrifiziert) worden waren, stellte Pierino Garuli außerdem einen Stempel mit dem Namen der Finanzverwaltung der Stadt Mizil her, der als amtliches Zeichen erscheinen sollte – und der auf die Falschnoten aufgebracht wurde, um den Eindruck zu erwecken, sie seien nostrifiziert worden. Mit der Verbreitung der Banknoten wurden unter anderem Pierino Garuli und David Rotman beauftragt. Zunächst wurde eine Fälscherwerkstatt in der Wohnung von Matei Pentelescu in der Silvestru Straße in Bukarest eingerichtet, wo die ersten 20-Lei-Banknoten hergestellt wurden. Edmond Breitner hielt diese jedoch im Druckbild für zu hell, weshalb eine zweite Auflage in dunkleren Farben und mit verfeinerten Details angefertigt wurde. Aus Vorsicht wurde die Werkstatt in die Calea Moșilor verlegt, wo die Produktion der verbesserten 20-Lei-Banknoten nach den Anweisungen von Edmond Breitner fortgesetzt wurde. Ein Teil der fertigen Fälschungen wurde Pierino Garuli anvertraut, damit er sie in Umlauf bringen konnte. Dieser jedoch, unvorsichtig und alkoholisiert, erregte unnötige Aufmerksamkeit, indem er dem Händler Aftalion sechs 20-Lei-Scheine im Tausch gegen eine 100-Lei-Banknote der Nationalbank Rumäniens anbot. Die Anwesenheit eines Polizei-Sergeanten genau im Moment des Geschäfts führte am 1. Juli 1919 zur sofortigen Festnahme von Garuli. Abb. 3: Die Banknotenfälscher-Bande der 20-Lei-Scheine der Rumänischen Generalbank und die von ihr verwendeten Werkzeuge. Den Fälschern war unbekannt, dass die Ermittlungen der Allgemeinen Sicherheit (Siguranța Generală), die drei Tage zuvor von Inspektor M. Buzescu und Kommissar Jean Ionescu eingeleitet worden waren, bereits dazu geführt hatten, Matei Pentelescu als Fälscher ausfindig zu machen. Zufällig fanden in dem Moment, als Pierino Garuli verhaftet wurde, Durchsuchungen in den Wohnungen aller an der Fälschung Beteiligten statt, die aufgrund der gefundenen Beweise sofort festgenommen wurden [3]. Aus den Aussagen der Verhafteten ging hervor, dass ungefähr 500 falsche 20-Lei-Banknoten hergestellt worden waren, von denen ein Teil in Umlauf gebracht, ein Teil im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmt und ein Teil verbrannt wurde. Die Untersuchung ergab außerdem, dass Edmond Breitner auch die Fälschung der von der Rumänischen Generalbank ausgegebenen 1.000-Lei-Banknote eingeleitet hatte. Die Klischees dafür wurden von Garulo Garuli, Emanoil Bocaciuc, Ștefan Dobrescu und dem Drucker Iulius Reitner angefertigt, während das Wasserzeichen-Modell erneut von Mihail „Mișu” Christescu stammte. Dennoch waren zum Zeitpunkt der Verhaftungen keine der betreffenden Scheine fertiggestellt; die Ermittler fanden lediglich Klischees und unvollendete Probedrucke ohne Nummerierung in der Wohnung der Brüder Garuli in der Straße Prelungirea Popa Nan, wo bereits mit den Arbeiten zur Fälschung der 1.000-Lei-Scheine begonnen worden war. Die im Sommer 1919 von Edmond Breitner, Mihai Pentelescu, den Brüdern Garulo und ihren übrigen Komplizen gefälschten 20-Lei-Banknoten zeigen einige einzigartige Merkmale, die sie von Originalen und anderen Fälschungen unterscheiden. Laut den in der Zeitschrift der Polizei (Revista Poliției) veröffentlichten Angaben sind ihre Farben heller als die des Originals, wobei das Papier – ohne Wasserzeichen – gröber und weniger satiniert ist. Die Kontrollnummer, die mit einem einzigen Gummistempel angebracht wurde, ist einheitlich und fehlerhaft: Im Gegensatz zu den Originalbanknoten, die entweder die Serienbuchstaben C für die Kontrollnummern 0000001–9999999 oder L für die Nummern 0000001–5000000 tragen (beide mit sieben Ziffern), tragen die Fälschungen den Buchstaben D und acht Ziffern. Laut Polizeibericht lautet die Nummerierung D 87341256; vergleicht man jedoch diese Angabe mit der Abbildung einer Fälschung, im selben Bericht nachgebildet, erkennt man, dass die aufgedruckte Nummerierung D 81234567 lautet, was auf einen möglichen Druckfehler im veröffentlichten Text hindeutet. Letztendlich tragen alle Fälschungen einen gefälschten Stempel mit dem Namen der Finanzverwaltung der Stadt Mizil. Abb. 4.1: Ein gefälschtes Exemplar der 20-Lei-Banknote aus der zeitgenössischen Presse, Vorderseite. Abb. 4.2: Ein gefälschtes Exemplar der 20-Lei-Banknote aus der zeitgenössischen Presse, Rückseite. Die gefälschten 1.000-Lei-Banknoten waren sämtlich unvollendet und trugen keine Nummerierung. Nach den Angaben der Polizei und den im Jahr 1919 veröffentlichten Abbildungen zeigten sie ähnliche Merkmale wie die 20-Lei-Fälschungen und ihre Qualität war insgesamt gut. Abb. 5.1: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 1000 Lei ohne Datum, Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Abb. 5.2: Banca Generala Româna, Original-Banknote zu 1000 Lei ohne Datum, Rückseite mit rumänischem Behördenstempel. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Abb. 6: Unvollendeter Druck der Vorderseite einer gefälschten 1.000-Lei-Banknote. Leider sind die zeitgenössischen Abbildungen nicht ausreichend klar, und da bislang kein Exemplar der Fälschung von 1919 identifiziert werden konnte, können keine genauen Angaben zu den Besonderheiten der Gravur dieses Typs gemacht werden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass eines der etwa 500 hergestellten Falsifikate irgendwann in einer Sammlung oder im Handel auftaucht. Aufgrund der hergestellten Menge und der Qualität der gefälschten Banknoten galt der Fall, der sich im Juni 1919 in Bukarest ereignete und dessen Hauptakteure Edmond Breitner, Matei Pentelescu, die Brüder Garuli und ihre Komplizen waren, bereits in der damaligen Zeit als die bedeutendste Fälschung von Banknoten der Banca Generala Româna. Ştefan Vasiliţă Anmerkungen [1] G. D. Creangă, Raport asupra activității Băncii Generale Române, Bukarest, Indepenența Druckverlag, 1919, S. 92. [2] Frumoasa și interesanta captură a falsificatorilor biletelor Băncii Generale Române de către Siguranța Capitalei, in Revista Poliției (Bukarest), I, 20. Juli 1919, 7, S. 5-9; Afacerea bancnotelor false, in Revista Poliției (Bukarest), I, 3. August 1919, 7, S. 6-7. [3] Über den Fall wurde, wenn auch mit einigen Fehlern, in der Presse jener Zeit berichtet.
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- Leserpost: Neuentdeckungen bei deutschem Notgeld
Hallo Herr Besler, ich sende Ihnen wieder Neuentdeckungen zu deutschen Notgeldscheinen. Es handelt sich um Notgeld der Hochinflation aus Goslar, Walldorf und Werdau. Bei dem Schein von Walldorf erfolgte der Druck auf Papier ohne Wasserzeichen. Das Papier ist nicht wasserliniert. Es gibt auch 200 Mrd. Mark mit wasserliniertem, rotem Papier. Der Schein von Werdau zu 5 Mio. Mark mit Lit. C ist vermutlich bereits bekannt, aber nicht im Keller bei 5546b aufgeführt. Beste Grüße aus Berlin T. Neldner Antwort der Redaktion Goslar, Buchdruckerei F. A. Lattmann Goslar, F. A. Lattmann (Buchdruckerei / Spielkartenfabrik), Scheck über 500 Millionen Mark auf die Goslarer Bank AG, vom 27. Oktober 1923, Vorderseite. Goslar, F. A. Lattmann (Buchdruckerei / Spielkartenfabrik), Scheck über 500 Millionen Mark auf die Goslarer Bank AG, vom 27. Oktober 1923, Rückseite. Dr. Arnold Keller führt unter diesem Emittenten unter der Nummer 1853 in seinem Standard-Katalog zum Notgeld der deutschen Inflation 1923 lediglich Ausgaben zu 100.000 und 500.000 Mark mit Wasserzeichen Kreuzmäander und jeweils handschriftlicher Datierung vom 15. August 1923 auf. Zum Keller-Katalog handelt es sich also um eine echte Neuentdeckung. Es wäre noch gut zu wissen, ob der Druck ebenfalls auf Wasserzeichen-Papier erfolgte und um welches Wasserzeichen es sich handelt. Das ist leider nicht auf den Abbildungen erkennbar. Auf Rückfrage teilte Herr Neldner mit, dass es sich ebenfalls um Papier mit dem Wasserzeichen Kreuzmäander handelt. Walldorf, Gemeinde Walldorf, Gemeine: Gutschein über 200 Mrd. Mark vom 7. November 1923 auf Papier ohne Wasserzeichen, Vorderseite. Walldorf, Gemeine: Gutschein über 200 Mrd. Mark vom 7. November 1923 auf Papier ohne Wasserzeichen, Rückseite. Dr. Arnold Keller führt unter Walldorf in Hessen (Nr. 5437) lediglich Werte zu 50 und 100 Mrd. Mark vom 7. November 1923 auf wasserliniertem Papier auf. ein Wert zu 200 Mrd. Mark mit gleichem Ausgabedatum auf Papier ohne Wasserzeichen fehlt hier und ist deshalb ebenfalls eine Ergänzung zu diesem heute noch zitierten Standard-Katalog, zu dem es leider keine Neubearbeitung gibt. Werdau in Sachsen, Dr. Keller führte under der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt, Filalie Werdau (Nr. 5546) lediglich Schecks über 1 Mio. Mark vom 10. August 1923 auf die Commerz- und Privat-Bank, Filale Werdau sowie über 2 Mio. Mark vom 11. August 1923 auf das Bankhaus Sarfert & Co. in Werdau auf. Der Wert über 5 Mio. Mark vom 11. August 1923 auf das gleiche Bankhaus fehlt bei Keller. Jedoch wird dieser Wert und weitere bei Keller nicht verzeichnete Ausgaben in dem sehr guten, wichtigen und empfehlenswerten Katalog "Das Papiergeld von Sachsen 1772 - 1949" von Mathias Bühn unter der Hauptnummer 7183 (hier 7183.12) verzeichnet. Dieser Katalog kann auch auf CD-ROM erworben werden, siehe hier: https://www.geldscheine-online.com/post/katalog-zum-papiergeld-von-sachsen-auf-cd-rom Hans-Ludwig Besler (Grabowski)












