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  • Paraguay: Eine neue Serie von Guaraníes-Banknoten

    Am 5. Oktober 2026 stellte die Banco Central del Paraguay (BCP) offiziell eine neu gestaltete Serie Guaraníes-Banknoten vor – eine der bedeutendsten Veränderungen bei den im Umlauf befindlichen Banknoten Paraguays seit mehr als sechs Jahrzehnten. Die neue Serie behält die bestehenden sechs Nennwerte bei und führt gleichzeitig neue Designs, modernisierte Sicherheitsmerkmale, neue Formate sowie eine starke Betonung der paraguayischen Geschichte, Kultur und Artenvielfalt ein. Die neuen Geldscheine heben die außergewöhnliche Artenvielfalt Paraguays hervor. Im Rahmen des Biodiversitäts-Projekts der BCP wurden repräsentative Tier- und Pflanzenarten aus den verschiedenen Ökoregionen Paraguays ausgewählt, um sie in die neue Banknotenserie zu integrieren. Zu den ausgewählten Arten gehören der Glockenvogel, der Riesenotter, der Jaguar, die Tagua, der Regenbogenbulle, der Yacaré, der Panambi Morotĩ, der Lapacho und weitere einheimische Arten. Dies verleiht der neuen Serie einen interessanten doppelten Charakter: auf der Vorderseite die Geschichte und die Menschen Paraguays, auf der Rückseite das Naturerbe des Landes. Eine weitere wesentliche Änderung ist die Einführung unterschiedlicher Längen für die einzelnen Nennwerte bei gleichbleibender Höhe. Die Banknoten werden je nach Nennwert schrittweise länger, wobei zwischen aufeinanderfolgenden Nennwerten ein Abstand von etwa 7 mm besteht. Diese Gestaltung soll Menschen mit Sehbehinderungen die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Werten erleichtern. Die 2.000-Guaraníes-Banknote würdigt die indigenen Völker Paraguays und hebt ihr kulturelles Erbe sowie ihren Beitrag zur Identität des Landes hervor. Auf der Rückseite ist der Jaguarete abgebildet, die größte Raubkatze Amerikas. Diese Banknote ist auf einem Polymersubstrat gedruckt. Die 5.000-Guaraníes-Banknote steht für das Erbe der paraguayischen Missionen. Darauf sind Roque González de Santa Cruz und Fray Juan de San Fernando abgebildet, der als wichtige Persönlichkeit der religiösen und kulturellen Geschichte Paraguays in Erinnerung geblieben ist. Roque González de Santa Cruz (1576–1628) war ein guaraní-spanischer Jesuitenpriester und der erste Missionar unter den Guaraní in Paraguay. Er wurde 1628 ermordet und wird von der katholischen Kirche als Märtyrer und Heiliger verehrt. Fray Juan de San Fernando (1569–1594) gilt als der erste auf paraguayischem Gebiet geborene Franziskaner, der an der Evangelisierung der indigenen Völker mitwirkte. Die Rückseite zeigt den „Jakare Ovéro“, ein einheimisches Krokodil, und den „Jakare Yrupẽ“, eine einheimische Wasserpflanze mit großen, rundlichen Schwimmblättern. Diese Note ist auf einem Polymer-Substrat gedruckt. Auf der 10.000-Guaraníes-Banknote sind José Gaspar Rodríguez de Francia und Carlos Antonio López abgebildet, zwei bedeutende Persönlichkeiten der Gründung und frühen Entwicklung Paraguays als unabhängiger Staat. José Gaspar Rodríguez de Francia (1766–1840) war Rechtsanwalt, Politiker, Staatsmann und der erste Diktator (1814–1840) Paraguays nach dessen Unabhängigkeit vom spanischen Vizekönigreich Río de la Plata im Jahr 1811. Carlos Antonio López (1792–1862) war von 1841 bis 1862 Staatschef von Paraguay. Unter seiner Präsidentschaft leitete er einen Prozess der wirtschaftlichen und politischen Modernisierung ein und beendete die isolationistische Politik des paraguayischen Diktators de Francia. Die Rückseite zeigt den Mähnenfuchs, den größten Hundartigen Südamerikas, den Erdster, eine Pilzart, und den Katuáva, einen weniger als 2 Meter hohen, fruchttragenden Laubstrauch. Eine wichtige Neuerung bei dieser Stückelung ist, dass sie auf Polymer gedruckt ist, wodurch der Anteil an Polymer-Banknoten in der paraguayischen Banknotenserie erweitert wird. Die 20.000-Guaraníes-Banknote ehrt die paraguayischen Nationalhelden Francisco Solano López und José Félix Estigarribia. Francisco Solano López (1827–1870) war ein paraguayischer Staatsmann, Offizier und Politiker, der von 1862 bis 1870 als Präsident von Paraguay amtierte, wobei der Großteil seiner Amtszeit in den Paraguayanischen Krieg (1864–1870) fiel. José Félix Estigarribia (1888–1940) war ein paraguayischer Offizier und Politiker, der von 1939 bis zu seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz im September 1940 als 34. Präsident von Paraguay amtierte. Die Rückseite zeigt den Riesenotter, das größte Mitglied der Marderfamilie in Südamerika, sowie den gefleckten Sorubim, einen großen Fisch mit einem Muster aus unregelmäßigen schwarzen Flecken auf dem Körper. Diese Banknote wird weiterhin auf einem Substrat auf Baumwollbasis gedruckt. Die 50.000-Guaraníes-Banknote würdigt die Bildung und die wichtige Rolle der Frauen in der Geschichte Paraguays durch die Porträts der Pädagoginnen Celsa und Adela Speratti. Celsa Speratti (1868–1938) und Adela Speratti (1865–1902) waren paraguayische Schwestern, die maßgeblich am Aufbau des Bildungssystems des Landes beteiligt waren. Sie wurden während des Dreierbundkriegs geboren, in dem ihr Vater ums Leben kam; daraufhin flohen die Schwestern mit ihrer Mutter nach Argentinien. Dort absolvierten beide eine Ausbildung zur Lehrerin, bevor sie nach Paraguay zurückkehrten und in Asunción die erste Lehrerbildungsanstalt gründeten. Die Rückseite zeigt die Tagua, die größte noch lebende Art des südamerikanischen Pekaris, den Regenbogen-Lembu, einen einheimischen Käfer mit einem leuchtend metallisch schimmernden Exoskelett, und den Samu’ũ, einen Baum, dessen Stamm einer Flasche ähnelt. Auch diese Banknote wird weiterhin auf einem Substrat auf Baumwollbasis gedruckt. Die Banknote mit dem höchsten Nennwert, 100.000 Guaraníes, würdigt die paraguayische Musik und Kunst durch zwei berühmte Musiker: Agustín Pío Barrios und José Asunción Flores. Agustín Pío Barrios (1885–1944), bekannt als Mangoré, war ein paraguayischer Virtuose der klassischen Gitarre und Komponist, der von manchen als einer der größten Interpreten und wohl als der produktivste Komponist für die klassische Gitarre angesehen wird. José Asunción Flores (1904–1972) war ein paraguayischer Komponist und Begründer des Musikgenres „Guarania“. Die Rückseite zeigt den Glockenvogel, den Nationalvogel Paraguays, den Panambi Morotĩ, einen großen, weißen Schmetterling mit einem leichten Blaustich, eine seltene Art in diesem Land, sowie den Lapacho, den Nationalbaum Paraguays. Dieser Wert wird weiterhin auf einem Substrat auf Baumwollbasis gedruckt. Die Einführung der neuen Banknoten erfolgt schrittweise entsprechend dem Bedarf an Bargeldnachschub. Die Banknoten mit den älteren Designs werden entsprechend ihrem Verschleißgrad und ihrem natürlichen Umlaufzyklus nach und nach aus dem Verkehr gezogen. Die neuen Banknoten werden auf unbestimmte Zeit parallel zu den derzeitigen Banknoten im Umlauf sein. Donald Ludwig (polymernotes.com)

  • Nepal überarbeitet seine 1.000-Rupien-Banknote

    Am 24. September 2026 gab die Nepal Rastra Bank eine überarbeitete 1.000-Rupien-Banknote heraus. Sie ähnelt im Design der 1.000-Rupien-Note aus dem Jahr 2019, auf deren Vorderseite links vorwiegend der Mount Everest und auf der Rückseite zwei asiatische Elefanten abgebildet sind. Die Hauptfarbe der Banknote aus dem Jahr 2019 ist Braun. Nepals 1.000-Rupien-Banknote (Vorderseite): 2026-Version oben, 2019-Version unten. Bei der neuen Ausgabe dominiert nun die Farbe Hellblau. Die Farbe des silbernen, geprägten, ovalen Sicherheitsmerkmals auf der Vorderseite, auf dem in der Mitte links die Göttin Bhagwati abgebildet ist, wurde in Gold geändert. Auch der unterbrochene Sicherheitsstreifen wurde von einem blauen zu einem orange-dunkelbraunen ersetzt. Nepals 1.000-Rupien-Banknote (Rückseite): 2026-Version oben, 2019-Version unten. Auf der Rückseite finden sich neue, farbige Azaleen-Blüten, die das Wasserzeichen auf der rechten Seite halbkreisförmig umgeben, sowie eine andere Säule ganz rechts. Das Wasserzeichen (ein Rhododendron und die Elektrotypie 1000) bleibt unverändert. Beide Banknoten wurden von der China Bank Note Printing and Minting Corporation gedruckt und messen 172 mm x 70 mm. Sie haben eine neue Unterschrift (Poudel) und ein neues Datum (2025). Donald Ludwig

  • Südossetien: Eine 200-Zarin-Gedenkbanknote

    Die Bank von Alania in Südossetien gab am 20. September 2026 ihre zweite Gedenkbanknote, eine 200-Zarin-Note, heraus. Dies fiel mit dem Unabhängigkeitstag Südossetiens zusammen, der jährlich am 20. September gefeiert wird. In der offiziellen Pressemitteilung wird diese Ausgabe als Teil einer Serie beschrieben, die bedeutenden Persönlichkeiten Ossetiens gewidmet ist, sodass in Zukunft weitere Nennwerte zu erwarten sind. Südossetien, offiziell die Republik Südossetien oder der Staat Alania, ist ein Binnenstaat im Südkaukasus, der teilweise diplomatisch anerkannt ist. Die offiziell angegebene Einwohnerzahl beträgt etwas mehr als 56.500 Menschen (2022), die auf einer Fläche von 3.900 qkm leben, davon 33.000 in der Hauptstadt Zchinwali. Stand 2026 erkennen nur vier Mitglieder der Vereinten Nationen (UN) Südossetien als souveränen Staat an – Russland, Venezuela, Nicaragua und Syrien. Die georgische Regierung und alle anderen UN-Mitgliedstaaten betrachten Südossetien als souveränes Territorium Georgiens. Der politische Status Südossetiens bleibt ein zentrales Thema des georgisch-ossetischen Konflikts und der Beziehungen zwischen Georgien und Russland. Da Georgien keine effektive Kontrolle über das Gebiet ausübt, unterhält es eine Verwaltungsbehörde namens „Provisorische Verwaltung Südossetiens“. Südossetien ist in hohem Maße auf militärische, politische und finanzielle Hilfe aus Russland angewiesen. Seit 2008 hat die südossetische Regierung den Wunsch geäußert, der Russischen Föderation beizutreten. Sollte dies geschehen, würde dies das Ende der von Südossetien ausgerufenen Unabhängigkeit bedeuten. Ein Referendum zu dieser Frage wurde in der Innenpolitik mehrfach angesprochen, fand jedoch bislang nicht statt. Technisch gesehen ist diese neue Gedenkbanknote, genau wie die 100-Zarin-Note aus dem letzten Jahr, gesetzliches Zahlungsmittel, wird jedoch weder in Südossetien noch in einem anderen Teil Georgiens oder Russlands in Umlauf gebracht. Sie wurde ausschließlich als Sammler-Ausgabe herausgegeben. Südossetien verwendet den russischen Rubel als offizielle Währung. Der Zarin wird in Südossetien technisch gesehen zu einem festen Kurs von 1 Zarin = 10 russischen Rubel gehandelt. Diese Ausgabe hat einen Nennwert von 200 Zarin und wurde von Gosnak (Moskau) auf Papier gedruckt. Sie misst 157 x 69 mm. Es wurden 20.000 Stück hergestellt. Auf der Vorderseite ist ein Porträt von Wassili Iwanowitsch Abajew (Vasso) abgebildet, einem sowjetisch-ossetischen Sprachwissenschaftler, der sich auf iranische Sprachen, insbesondere die ossetische Sprachwissenschaft, spezialisiert hatte. Sein Hauptwerk, das „Etymologische Wörterbuch der ossetischen Sprache“, das auf Material aus 190 Sprachen und Dialekten basiert, erschien zwischen 1959 und 1989 in vier Bänden und erlangte auch außerhalb der UdSSR Bekanntheit. Er starb im Alter von 100 Jahren in Sankt Petersburg. Zu seinen Mitgliedschaften und Auszeichnungen zählen unter anderem: Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, Professor, Doktor der Philologie, ordentliches Mitglied der Royal Asiatic Society of England, korrespondierendes Mitglied der Finno-Ugrischen Gesellschaft in Helsinki, zweifacher Preisträger des Kosta-Khetagurov-Preises, verdienter Wissenschaftler Nordossetiens, Preisträger des Staatspreises der UdSSR und Ritter des Ehrenordens der Republik Südossetien. Neben seinem Porträt ist ein handgeschriebener Text aus seinem Testament zu sehen, rechts unten Bücher, vor den Büchern eine Lupe mit dem ossetischen Buchstaben „æ“, oben links ein offenes Buch aus Goldfolie mit einer skythischen Hirschfigur (Sicherheitsmerkmal) sowie oben links das Wappen Südossetiens über einem Lilienkreuz (ein altes Symbol des Schutzes). Die Rückseite ist der ossetischen Natur gewidmet. Das Hauptmotiv zeigt kaukasisches Rotwild, ein Hirsch und eine Hirschkuh, die auf einer Wiese vor dem Hintergrund des Berges Sanai (Kazbek) stehen. Unten rechts ist eine Abbildung der sarmatischen Glockenblume zu sehen. Oben links, auf dem Zierstreifen, befindet sich das Währungszeichen „Z“. Zu den Sicherheitsmerkmalen der Banknote gehören ein goldfarbener, unterbrochener Sicherheitsstreifen, Tiefdruck (Intaglio), ein Wasserzeichen mit der Darstellung eines kaukasischen Rothirsches sowie die Elektrotypie 200, metallisierte Folie, grafische Mikroelemente, Infrarot- und UV-Lumineszenz. Donald Ludwig Siehe auch: https://www.geldscheine-online.com/post/mif-paper-money-fair-september-2026 Neue Ausgaben sind stets sehr gefragt, und die Verkaufsschlager dieser Show waren zweifellos die neuen Gedenkbanknoten aus São Tomé und Príncipe (die 50-Dobras-Ausgabe zur Unabhängigkeit), Samoa (die 100-Tālā-Banknote mit Königin Elisabeth II.) und den Salomonen (50 Jahre Zentralbank). Zu den weiteren „heißen“ Neuheiten zählten Banknoten aus Aserbaidschan (die neu gestaltete 100-Manat-Banknote), Kasachstan (die neue 500-Tenge-Banknote), Südossetien (die neue 200-Zarin-Ausgabe) und der Ukraine (die neue Banknote im Wert von 2000 Griwna).

  • Samoas neue Gedenkbanknote für Königin Elisabeth II. im Folder

    Am 10. September 2026 gab die Zentralbank von Samoa eine 100-Tālā-Banknote zum 100. Geburtstag der 2022 verstorbenen britischen Königin Elisabeth II. heraus. Darüber wurde erstmals HIER im Blog berichtet. Für die ersten 1.000 Banknoten wurde eine attraktive, dreifach gefaltete Gedenkmappe hergestellt. Diese verfügt auf der Vorderseite über ein stilisiertes, offenes Fenster, das einen Blick auf die drei Porträts der Königin auf der Vorderseite der Banknote freigibt. Öffnet man die Mappe, liest man zunächst einen Text über das Leben der Königin und darüber, warum Samoa diese historische Banknote herausgegeben hat. Öffnet man die dreifach gefaltete Mappe vollständig, kann man sich dann ausführlich über die auf der Banknote abgebildeten Motive informieren und insbesondere erfahren, warum diese sorgfältig ausgewählt wurden. Auf der Rückseite der Mappe ist die Rückseite der Banknote selbst zu sehen, und man kann die technischen Spezifikationen der Note nachlesen, die in einer limitierten Auflage von insgesamt nur 20.000 Stück herausgegeben wurde. Donald Ludwig (polymernotes.com)

  • Hongkong als notaphilistisches Reiseziel 

    Die Millionenmetropole Hongkong gilt als sehr attraktives Reiseziel in Asien. 1997 von Großbritannien nach 156jähriger Kolonialzeit an China zurückgegeben, gehört Hongkong formell zu China, hat aber nach der gemeinsamen Erklärung beider Länder von 1984 bis 2047 den Status einer Sonderverwaltungszone. Danach ist das wirtschaftliche System in Hongkong eigenständig. Die Wirtschaft in Hongkong ist streng marktwirtschaftlich ausgerichtet, die Stadt ein globales Finanzzentrum mit starken Verbindungen nach China. Für Einkaufstouristen ist interessant, dass in Hongkong keine Mehrwertsteuer erhoben wird. Steinlöwe vor dem historischen Gebäude der Bank of China in Central Hongkong. Abb. Foto des Autors. Hongkong hat eine eigene Währung, den Hongkong-Dollar, der frei konvertibel und in einem festen Verhältnis an den US-Dollar gekoppelt ist. Der Wechselkurs beträgt 1 Hongkong-Dollar = 0,1275 US-Dollar. Die umlaufenden Banknoten in den Wertstufen zu 20, 50, 100, 500 und 1000 Hongkong-Dollars werden von drei Geschäftsbanken herausgegeben, der Hongkong & Shanghai Banking Corporation (HSBC), der Standard Chartered Bank sowie der Bank of China. Daneben emittiert die Sonderverwaltungszone Kassenscheine zu 10 Dollars, die auf Polymer gedruckt sind. Der Geldumlauf ist daher recht bunt, zumal von allen Banken Scheine verschiedener Serien im Umlauf sind. Man kann über alle Wertstufen während eines mehrtägigen Aufenthaltes leicht 20 verschiedene Banknoten im Zahlungsverkehr finden, zumal Barzahlung immer noch eine große Rolle spielt. Viele kleinere Läden und Restaurants nehmen keine Kreditkarten an. Hongkong, Honkong and Shanghai Bankning Corporation Ltd.: 20 Hong Kong Dollars vom 1. Januar 2018, ( HKG-218a) Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Hongkong, Honkong and Shanghai Bankning Corporation Ltd.: 20 Hong Kong Dollars vom 1. Januar 2018, ( HKG-218a) Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Hongkong, Standard Chartered Bank (Hong Kong) Ltd.: 50 Hong Kong Dollars vom 1. Januar 2020, ( HKG-303b) Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Hongkong, Standard Chartered Bank (Hong Kong) Ltd.: 50 Hong Kong Dollars vom 1. Januar 2020, ( HKG-303b) Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Hongkong, Bank of China (Hong Kong) Ltd.: 100 Hong Kong Dollars vom 1. Januar 2018, ( HKG-350a) Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Hongkong, Bank of China (Hong Kong) Ltd.: 100 Hong Kong Dollars vom 1. Januar 2018, ( HKG-350a) Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Hongkong, Government of the Hong Kong Special Administrative Region: 10 Hong Kong Dollars vom 1. Oktober 2007, ( HKG-401b) Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Hongkong, Government of the Hong Kong Special Administrative Region: 10 Hong Kong Dollars vom 1. Oktober 2007, ( HKG-401b) Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Das Sammeln von Banknoten ist in Hongkong ein beliebtes Hobby. Der Sammlermarkt ist sehr dynamisch und gut strukturiert, die Nachfrage nach Geldscheinen aus Hongkong ist auch international hoch. Mehrmals im Jahr finden große mehrtägige Münzbörsen in Hongkong statt, die Hong Kong International Coin und Watch Convention (HICC) sowie die Hong Kong International Numismatic Fair (HKINF), welche zahlreiche Händler und Besucher aus Asien und darüber hinaus anziehen. Große Auktionshäuser wie Spink Hong Kong, Stacks Bowers und Heritage haben eigene Niederlassungen vor Ort und führen ebenfalls mehrmals im Jahr Banknotenauktionen mit Schwerpunkt Hongkong, Macao und China durch. Viele lokale Sammler gelten als kaufkräftig und suchen Scheine in perfekten Erhaltungen. Es lohnt sich daher, bei Banknoten ab den 1960er Jahren nur kassenfrische Scheine zu sammeln. Für die Zeit ab 1960 lässt sich auch mit vertretbarem Geldbeutel eine schöne Sammlung aufbauen, während man insbesondere für Scheine aus der Zeit vor 1941 sehr tief in die Tasche greifen muss. Hongkong war zwischen Dezember 1941 und August 1945 von japanischen Truppen besetzt. Im Gegensatz zu anderen Ländern in Asien hat es für Hongkong keine eigene Geldscheinausgabe der japanischen Besatzung, sondern nur einige Notausgaben gegeben, die heute selten sind. Junger Händler im Ho Mong Kok Shopping Center. Die Händler zeigen gerne ihre umfangreichen Bestände, wenn sie den Eindruck gewonnen haben dass man tatsächlich kaufen möchte. Abb. Foto des Autors. Ein sehr kritischer Blick muss beim Kauf von Geldscheinen vor Ort auf die Erhaltung gelegt werden. Viele Händler und Sammler in Asien haben leider die Angewohnheit, Scheine zu waschen, chemisch zu reinigen und zu pressen, um damit den optischen Eindruck zu verbessern. Wegen des im Sommer feuchtheißen Klimas können auch Stockflecken auf Geldscheinen ein Problem darstellen. Bei älteren Scheinen besteht zudem ein Risiko von Fälschungen. Aus diesem Grund ist das Grading (slabbing) von Banknoten in Asien weit verbreitet. In Hongkong beliebt und gerade für seltene Banknoten weit verbreitet ist das Grading von PMG, deren bestimmte Scheine auf Auktionen und im Handel Aufpreise erzielen und auch international als gut handelbar gelten. Daneben kommen Gradings diverser chinesischer Anbieter vor. Generell gilt, den Zustand auch derart begutachteter Banknoten immer kritisch zu überprüfen, und nicht blind auf ein Grading zu vertrauen. Ho Mong Kok Shopping Center in Kowloon Hongkong - 4 Stockwerke Banknotenhändler und Wechselstube im Erdgeschoss. Abb. Foto des Autors. Wer in Hongkong Geldscheine kaufen möchte, sollte unbedingt das Ho Mong Kok Shopping Center im Stadtteil Kowloon (U-Bahn-Haltestelle Mong Konk) besuchen, und viel Zeit einplanen. Auf vier Stockwerken bieten diverse Banknotenhändler Geldscheine insbesondere aus Hongkong, Macao und China an. Am besten schaut man Samstag- oder Sonntagnachmittag vorbei, da dann in der Regel alle Läden geöffnet sind. Wichtig ist, sich über die Preise vorab ein Bild zu verschaffen. Die Händler zeigen bereitwillig Scheine – die Auslagen stellen oft nur einen kleinen Teil des Angebotes dar, man muss gezielt fragen – wenn sie den Eindruck gewonnen haben, dass man tatsächlich kaufen möchte. Auch kassenfrische Scheine der laufenden Serien lassen sich hier gegen einen geringen Aufpreis erwerben, da diese bei den Banken nicht immer vorrätig sind. Wichtig ist, die Erhaltung der Scheine vor Ort genau zu überprüfen, und natürlich gilt: Der Preis ist Verhandlungssache! Dr. Sven Gerhard

  • Die Danziger Privat-Actien-Bank und ihr 50-Thaler-Schein von 1865

    Die fortschreitende Industrialisierung in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts verlangte neue Möglichkeiten der Finanzierung der Schlüsselindustrien wie dem Eisenbahnbau, der Bergbauindustrie, der Metallerzeugung oder dem Maschinenbau. Auch für die sich ausdehnende Infrastruktur suchte man nach Krediten und alle fanden sie diese bei den bestehenden und den neugegründeten Notenbanken, Aktienkreditbanken, Privatbanken, Sparkassen, Genossenschafts- und Hypothekenbanken. Diese konkurrierten auf dem deutschen Markt um Kunden und Kapital. Mehr als 50 Danziger Handelsfirmen reichten am 14. März 1856 beim preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe ein Gesuch um „landesherrliche Bestätigung“ ein, um die Zulassung einer Privatbank-AG unter der Bezeichnung „Danziger Privat-und-Actien-Bank“ zu erhalten. Im Königreich Preußen erhielten die Danziger und die Posener Bank am 16. März 1857 ihre Konzessionierung – wie zuvor schon der Berliner Kassenverein am 15. April 1850, die Privatbanken in Köln am 10.10.1855, die Magdeburger Privat-Bank am 30.06.1856 und die Königsberger Privat-Bank am 13.10.1856. Die preußische Normativbestimmung forderten je 1 Million Taler als Aktienkapital und erlaubten eine Banknoten-Emission in gleicher Höhe. Die Danziger Privat-und-Actien-Bank bezog das Mietshaus von Samuel Baum in der Danziger Langgasse 33 und das Hinterhaus in der Hundegasse 107. [1] Die erste Sitzung des Aufsichtsrats fand am 21. Mai 1856 statt; die Bank wurde dann am 16. März 1857 offiziell gegründet und nahm ihren Geschäftsbetrieb am 17. Juni 1857 auf. Von den 2.000 Danziger Bankaktien zu 500 Talern wurden 1.158 in Danzig und 842 in Berlin verkauft. Abb. 1: Gebäudekomplex der DPAB, Danziger Langgasse 33, 1867 durch das linke Haus Nr. 34 und 1905 durch das rechte Haus Nr. 32 ergänzt (Foto von 1933). Die erste Banknoten-Serie der Danziger Privat-und-Actien-Bank erschien mit dem Datum vom 1. Juli 1857 in den Wertstufen 10, 20, 50 und 100 Thaler – auch die Ausgabe von 200-Thaler-Banknoten war vorgesehen. Ein besonderer Geldschein ist die 50-Thaler-Banknote von 1865 [2]. Abb. 2: 50 Thaler 2. Januar 1865, Vs., 143 × 98 mm, KN 4-st., SBst./Lit. C (die SBst. A wurden für die 10-Thaler-, B für die 20-Thaler- und D für die 100-Thaler-Banknoten verwendet). Abb. Hans-Ludwig Besler (Grabowski), ehem. Sammlung Kranz. Abb. 3: 50 Thaler 2. Januar 1865, Rs., auf Wasserzeichenpapier der Fa. Gebr. Ebart, Spechthausen gedruckt. Abb. Hans-Ludwig Besler (Grabowski), ehem. Sammlung Kranz. Gedruckt wurden die Banknoten im Typografischen Institut, das 1852 von Hermann Giesecke und Alphonse Devrient in Leipzig gegründet wurde. Die Faksimile-Unterschriften sind dem königlichen Kommerzien- und Admiralitätsrat Karl Robert von Frantzius, dem Kaufmann Laser Goldschmidt (Levin Hirsch Goldschmidt Söhne) sowie Friedrich Heinrich Albert Otto Schottler (Bankdirektor von 1857 bis 1881) zuzuordnen. Die gestalterisch gelungenen Rückseiten aller Danziger Thaler- und Mark-Banknoten wurden in der Leipziger Druckerei im Typus damaliger Geldschein-Designs mit Allegorien entworfen. Abb. 4: Die ikonografischen Elemente zeigen allegorischen Motive – die "Gedania" mit Mauerkrone und Dreizack als Personifikation Danzigs, die auf Warenballen sitzt – zu ihren Füßen die Personifikationen der Weichsel und der Ostsee, die sich die Hand geben – die Figur des Merkur als Gott des Handels hält das historische Wappen Danzigs – im Hintergrund das Rechtstädtische Rathaus mit dem Schumann-Haus aus der Renaissance – auf der anderen Seite Segelboot, Ruderboot und Dampfschiff – flankiert wird alles von Merkurstab und Anker, die Danzig als Handels- und Hafenstadt symbolisieren – Geldtruhen, Geldsäcke und Münzen weisen auf den Reichtum der alten Hansestadt hin. Der Zoppoter Ewald Gerchel schrieb 1914 in seiner Inaugural-Dissertation: „Durchschnittlich zirkulierten im Jahre 1862 täglich 978 134 Tlr. und damit die größte überhaupt je erreichte Zirkulationssumme. Eingelöst wurden 1860 wöchentlich 138 000 Tlr. oder 13,8 % des gesamten Notenkapitals. Schon im Jahre 1863 kam die Privatbank zu der Ansicht, daß die Stückelung der Noten in größere Appoints den Verkehrsbedürfnissen des Ostens mehr entspräche als die kleinen Appoints. Es wurden daher je 100 000 Tlr. zu 20 und 50 Tlr. dem Verkehr entzogen und an ihrer Stelle 200 000 Tlr. zu 100 Tlr. ausgegeben. Da diese seltener an die Kasse der Bank zurückkamen, war damit zugleich eine Kostenersparnis erreicht.“ Abb. 5: Ausschnitt der Seite 22 der Dissertation von E. Gerchel. [3] Besondere Befugnisse wurden preußischen Organen gemäß § 52 des Statuts der Danziger Privat-Aktien-Bank vom 16. März 1857 und gemäß § 53 des revidierten Statuts vom 4. Februar 1867 zugesichert – z. B. bei der Herstellung und Ausgabe der Banknoten, die regelmäßig einer besonderen Genehmigung bzw. Überwachung der Regierung bedurften. Auch bei der Vernichtung oder Einziehung von Banknoten waren preußische Beamte zwingend zu beteiligen. Staatliche Kommissare konnten an Sitzungen der Direktionen, des Aufsichtsrates sowie an den Generalversammlungen teilnehmen und erhielten Einsichtsrechte in wesentliche Geschäftsunterlagen. Der Banknotenbestand lag 1872 lt. Jahresbericht der DPAB weit über der gesetzlichen Höchstgrenze bei 4,139 Mio. Thalern, die nach dem Münzgesetz von 1873 bis zum 1. Januar 1876 einzuziehen waren. Mit den Daten 1. März 1873 und 1. Juni 1875 wurden entsprechend 100-Mark-Banknoten ausgegeben – in Höhe von 3,0 Mio. Mark, was wieder der ursprünglichen Menge von einst 1,0 Mio. Thalern entsprach. Das Notenprivileg, das 1867 für weitere 15 Jahre verlängert wurde, erlosch zum 31. Dezember 1890. In der Bekanntmachung der Reichsbank vom 25. Dezember 1890 hieß es: „Da die der Danziger Privat-Aktien-Bank bis zum 1. Januar 1891 ertheilte Befugniß zur Ausgabe von Banknoten in Folge Nichtverlängerung des Notenprivilegiums mit dem genannten Tage in Gemäßheit des § 49 Nummer 1 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 (Reichs-Gesetzbl. S. 177) erlischt, hat der Bundesrath auf Grund des § 6 des Bankgesetzes den Aufruf und die Einziehung der von der Danziger Privat-Aktien-Bank unterm 1. Juni 1875 beziehungsweise 1. Juni 1882 und 1. Juni 1887 ausgegebenen Einhundertmarknoten ... angeordnet“. [4] Die Hunderter behielten als einfache Schuldscheine ihren Wert und konnten als solche bei der Kasse der Danziger Privat-Aktien-Bank bis zum Ablauf des Jahres 1892 eingelöst werden. Die starke Expansion der Bank führte zwischen 1900 und 1911 zur Errichtung von Niederlassungen in Belgard, Elbing, Graudenz, Köslin, Langfuhr, Lauenburg, Marienburg (Opr.), Neufahrwasser, Preußisch Stargard, Rügenwalde (Pomm.), Stolp und Zoppot sowie in Bromberg, Gotenhafen und Thorn in den 1930er Jahren. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die seit 1920 bestehende Freie Stadt Danzig ins Deutsche Reich rückgegliedert und so war die Umstellung des Kapitals von Danziger Gulden auf Reichsmark zwingend. Abb. 6: Aktie über 100 Gulden der Danziger Privat-Actien-Bank vom Januar 1934 (Auflage 2.000 Expl.); gemäß Beschluss der Ordentlichen Hauptversammlung vom 18. Mai 1940 wurde die DPAB in Ostdeutsche Privatbank AG umbenannt und noch im selben Jahr von der Bank der deutschen Arbeit übernommen; die Aktien wurden zum Vorzugskurs 1:1 auf 100 Reichsmark umgestellt, obwohl der Gulden ab 1. September 1939 bei 70 Reichspfennig lag (am 4. August 1939 rechnete man noch 1 Gulden ≈ 47 Reichspfennig). Abb. 7: auf Reichsmark lautender Blanko-Scheck der Danziger Privat-Actien-Bank mit Überdruck „Bank der deutschen Arbeit“, die von der SMAD mit Befehl vom 14. August 1945 geschlossen wurde. Die Thaler- und Mark-Banknoten der Danziger Privat-und-Actien-Bank sind allesamt sehr selten und erzielen auf dem Sammlermarkt vierstellige Euro-Beträge; wurde der 50-Thaler-Schein von 1865 bei Heinz Fengler [5] noch mit 1.800 bis 2.400 D-Mark bewertet, erhielt ein Exemplar bei der 166. Teutoburger Münzauktion im Dezember 2024 den Zuschlag bei 21.000 Euro. Michael H. Schöne Anmerkungen und Quellen [1] Błażej Śliwiński: „Danziger Privat-Aktien-Bank“ Encyklopedia Gdańska = https://gdansk.gedanopedia.pl [2] Katalog-Nr.: Grabowski/Kranz # 433, Pick/Rixen # A 309, Pick # S 528, Gumowski/Pelczar # 3, Schöne # A 347 [3] Ewald Gerchel: „Die Danziger Privat-Aktien-Bank 1856-1912“, Borna-Leipzig 1914 [4] „Bekanntmachung, betreffend den Aufruf und die Einziehung der Einhundertmarknoten der Danziger Privat-Aktien-Bank in Danzig“, RGBl. Nr. 38 vom 30. Dezember 1890 [5] Heinz Fengler: „Geschichte der deutschen Notenbanken vor Einführung der Mark-Währung“, Regenstauf 1992

  • Teutoburger Münzaktion: Vorschau auf die Auktion 174 vom 3. bis 8.12.2026, Teil I –Banknoten

    Die 174. Auktion vom 3.–8. Dezember 2026 besteht wieder aus drei umfangreichen Katalogteilen. Teil I umfasst Banknoten und Briefmarken. Einen Schwerpunkt bildet eine hervorragende Sammlung deutscher Reichsbanknoten nach Rosenberg/Grabowski, darunter zahlreiche seltene und gesuchte Stücke. Ergänzt wird das Banknotenangebot durch eine umfangreiche Auswahl aus aller Welt. Hier geht es direkt zum Banknotenteil der Auktion 174! Beispiele aus der Auktion: Los 619 Banknoten, Ausland, Polen Pick A2 Königreich, Bilet Skarbowy, 10 Zloty 8.6.1794. III- / IV+, eingerissen Startpreis: 300,00 EUR Los 620 Banknoten, Ausland, Polen Pick A3 Königreich, Bilet Skarbowy, 25 Zloty 8.6.1794. III- / IV+ Startpreis: 300,00 EUR Los 621 Banknoten, Ausland, Polen Pick A4 Königreich, Bilet Skarbowy, 50 Zloty 8.6.1794. III- / IV+, eingerissen Startpreis: 300,00 EUR Los 634 Banknoten, Altdeutschland, Bremen, Freie und Hansestadt Grabowski/Kranz 109, Pick S209: 100 Mark der Bremer Bank 1.7.1872. Lochentwertet. Im original Holzrahmen der Bremer Bank mit Glasabdeckung und aufgeklebtem Zettel auf Rs. Aufschrift: „Aus Anlaß des 250- jährigen Bestehens der Firma Fuhrmann & Co. Kommanditgesellschaft überreicht von der Direktion der Bremer Bank 10. Mai 1985“, mit Handunterschrift. III / III- Startpreis: 3.000,00 EUR Los 635 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945 Rosenberg 6 / Grabowski DEU-48: 5 Mark 10.1.1882. II- / III+ Startpreis: 400,00 EUR Los 667 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Kolonien und Nebengebiete, Deutsch-Ostafrika Rosenberg 902 / Grabowski DOA-3c: 50 Rupien 15.6.1905. Kolonialbanknote, Kaiser Wilhelm II. KN. 5-stellig, Vs. rot, Rs. schwarz. III / III-, Einriss Startpreis: 300,00 EUR Los 683 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Westliche Besatzungszonen und BRD, ab 1948 Rosenberg 265M / Grabowski BRD-9M: 50 Deutsche Mark 2.1.1960. Vs. roter Üdr. „MUSTER“ im Druckrahmen und zweizeilig „Muster / Nr. 0157“ im Schaurand, Rs. roter Üdr. „SPECIMEN“, KN. „0000000“, Serie K/W. I- / II+ Startpreis: 500,00 EUR Los 688 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Westliche Besatzungszonen und BRD, ab 1948 Rosenberg 280a / Grabowski BRD-24a: 1000 Deutsche Mark 1.6.1977. Serie W/G. PMG Grading 58 About Uncirculated Startpreis: 750,00 EUR Los 704 Banknoten, Deutsches Notgeld und KGL, Bielefeld (Westfalen), Notgeld besonderer Art Grabowski 1a: 10 Pfg. Leinen, weiß 1.7.1917 - 1.4.1919. Vs. und Rs. zusammengenäht. I-, von größter Seltenheit Startpreis: 1.500,00 EUR Los 741 Banknoten, Deutsches Notgeld und KGL, Hamburg (Hamburg) L.S.K.- (150) / Grabowski HAM-41: Hamburgische Landesbank Girozentrale, 50 Reichsmark 30.4.1945. Rote KN 000000. Das erst zweite bekannte Exemplar mit gedruckter KN und das 3. bekannte Ex. überhaupt. Rs. Klebereste, sonst I- / II+, laut Einlieferer aus Bilderrahmen entnommen Am 20. April 1945 wurde die Ausgabe dieses Aushilfsgeldes auf Grund der Verordnung des Reichsstatthalters beschlossen und die Firma Paul Hartung in Hamburg mit dem Druck der Scheine beauftragt. Zum Druck der Umlaufscheine kam es jedoch nicht mehr. Am 3. Mai 1945 wurde Hamburg britisch besetzt, der Druck am 5. Mai wurde abgesagt Startpreis: 2.500,00 EUR Los 870 Banknoten, Lots, Ausland Alle Welt, sehr interessanter Posten mit Schätzungsweise 15.000 Banknoten, ordentlich gebündelt und in 4 Plastikboxen gelagert. Enthalten sind verschiedene Jahrgänge von alt bis neu, teils mit fortlaufenden Seriennummern und auch teilweise schon nach Pick bestimmt und ausgepriesen. Unbedingt besichtigen. unterschiedlich erhalten Startpreis: 5.000,00 EUR Los 885 Banknoten, Lots, Allgemein Alle Welt interessanter Posten mit (laut Einlieferer) über 20.000 Scheinen. Dabei meist moderne Scheine, darunter aber auch bessere gesichtet. Viele Top Erhaltungen, unbedingt besichtigen. Fundgrube. unterschiedlich erhalten Startpreis: 8.000,00 EUR Hier geht es direkt zum Banknotenteil der Auktion 174! Auch die Abteilung Briefmarken kann mit zahlreichen interessanten Einzelstücken sowie hervorragenden und umfangreichen Sammlungen aufwarten. Teil II ist ganz dem Gold gewidmet. Den Auftakt bilden attraktive Serien antiker Aurei und späterer Goldprägungen. Es folgen zahlreiche Goldmünzen aus aller Welt sowie ein umfangreiches Angebot deutscher Reichsgoldmünzen. Auch Orden und Ehrenzeichen sowie historische Medaillen in Gold sind in diesem Katalogteil vertreten. Teil III, der Hauptkatalog, beginnt mit einer schönen Serie antiker Münzen sowie Ausgrabungsgegenständen, Ethnika, Primitivgeld und weiteren außergewöhnlichen Sammelobjekten. Im Bereich der ausländischen Münzen kommen zahlreiche seltene und interessante Prägungen aus aller Welt zum Ausruf. Besonders umfangreich vertreten sind Taler und andere Großsilbermünzen, darunter zahlreiche Stücke aus den habsburgischen Erblanden und Altdeutschland. Es folgen die deutschen Münzen mit Reichssilbermünzen sowie einer großen Sammlung Notgeld. Hier finden sich neben zahlreichen interessanten Ausgaben auch seltene Abschläge sowie Porzellanmünzen und -medaillen. Die weiteren deutschen Gebiete reichen von der Weimarer Republik über das Dritte Reich und die DDR bis hin zur Bundesrepublik Deutschland. Ein umfangreicher Bereich historischer Medaillen mit Stücken verschiedenster Epochen und Themengebiete bis zum Dritten Reich ergänzt das numismatische Angebot. In der Abteilung Lots und Sammlungen finden sich Münzen und Medaillen aus nahezu allen Sammelgebieten und Epochen. Zum Abschluss der 174. Auktion folgen Varia und Militaria mit einigen bemerkenswerten Seltenheiten sowie die Abteilungen Kunst und Antiquitäten. Teutoburger Münzauktion GmbH Brinkstr. 9 D-33829 Borgholzhausen Telefon 05425/930050 info@teutoburger-muenzauktion.de https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/

  • Aus privaten Sammlungen: Friedhofsgeld der Katholischen Kirchengemeinde Delmenhorst

    Die deutschen Bestattungstraditionen spiegeln eine lange historische Entwicklung wider und verdeutlichen die Bedeutung gemeinschaftlicher Handlungen. Ursprünglich dienten Bestattungszeremonien nicht nur der Trauerbewältigung, also dem Umgang mit Verlust, sondern auch dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Friedhöfe wurden bereits im Mittelalter zu zentralen Stätten des Gedenkens. Bis Mitte des 20. Jahrhundert änderten sich die Gepflogenheiten bei der Bestattung in Deutschland nur wenig. Nicht nur die Hausgeburt war zu dieser Zeit eine Selbstverständlichkeit, auch das Sterben erfolgte meist zu Hause im Kreise der nächsten Familienangehörigen. Bestattungsvorbereitungen erfolgten gewöhnlich durch die Familienangehörigen. Zumindest in ländlichen Gegenden wurde der Verstorbene von diesen gewaschen und angekleidet und zu Hause im vom Schreiner gelieferten Sarg aufgebahrt. Verwandte, Freunde und Nachbarn verabschiedeten sich hier vom Verblichenen. Erst am Tag der Bestattung wurde der Leichnam im sogenannten Trauerzug zur Trauerfeier und anschließenden Erdbestattung geleitet. Eine Bestattung bedeutete auch schon damals für die Familie eine erhebliche finanzielle Belastung, lag das durchschnittliche Arbeitsentgelt aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten z. B. 1929 bei nur rund 176 RM pro Monat. Hilfsarbeiter kamen 1928 auf einen Monatsverdienst von etwa 120 bis 160 RM, Facharbeiter erhielten ca. 170 bis 220 RM, Meister ca. 220 bis 350 RM und Angestellte in mittlerer Position ca. 180 bis 300 RM. In Berlin musste man Ende der 1920er Jahre für eine einfache Erdbestattung auf kommunalen Friedhöfen mit etwa 60 bis 150 Reichsmark rechnen, bestehend aus Grabstelle, Ausheben des Grabes, Benutzung der Leichenhalle und Verwaltungsgebühren. Bürgerliche Begräbnisse mit besserem Sarg, Leichenwagen und Trauerfeier lagen häufig zwischen 150 und 400 RM. Die Leistungen vieler Arbeiter- und Beamtensterbekassen lagen typischerweise zwischen 150 und 500 RM, was ausdrücklich zur Deckung der Bestattungskosten vorgesehen war. Nach zeitgenössischen Preisverzeichnissen, Sterbekassenordnungen und kommunalen Gebührenordnungen entstanden bei einer einfachen Beerdigung die folgenden Einzelkosten: Bezieht man das Einkommen auf die Bestattungskosten, dann kostete eine einfache Beerdigung etwa 100 bis 200 RM, also ungefähr einen Monatslohn eines Facharbeiters, eine größere bürgerliche Beerdigung kostete 300 bis 500 RM, also zwei bis drei Monatslöhne. Um sich vor den erheblichen finanziellen Belastungen zu schützen, waren viele Familien Mitglied einer Sterbekasse. Möglicherweise hatten auch die Friedhofs-Gutscheine der Kath. Kirchengemeinde Delmenhorst diese Aufgabe. 1928 ließ sie einen Gutschein zu einer Reichsmark drucken. Der Text des Gutscheins lautet: „Der Gutschein wird von der Kirchenkasse in Zahlung genommen: 1. bei Kauf einer Familiengrabstätte. 2. bei Sterbefällen zur Zahlung der Begräbniskosten. 3. bei Fortzug aus der Kirchengemeinde.“ Dies lässt vermuten, dass die Gutscheine zur Bildung von Rücklagen dienten, mit der der Erwerber zu einem späteren Zeitpunkt einen Teil der Bestattungskosten bezahlen konnte. Da Informationen zu diesen Gutscheinen fehlen, könnte auch ein anderer Grund im Mittelpunkt der Überlegungen gestanden haben. Bei der Kirchengemeinde standen z. B. größere Ausgaben für den Friedhof an. Bei fehlenden Finanzmitteln wäre dann ein Bankkredit nötig gewesen oder die Gemeindemitglieder erwarben die Friedhofs-Gutscheine. Durch ihren „Kauf“ erwarb das Gemeindemitglied das Recht eine später zu erbringenden Bestattungsleistung damit bezahlen zu dürfen. Die Kirchengemeinde erhielt einen unkündbaren Kredit, wie man unschwer aus dem Text ableiten kann: „Der Gutschein gilt nur für den ersten Erwerber und dessen Erben.“ Eine Rückerstattung war nur bei Fortzug des Gemeindemitglieds vorgesehen oder bei Aufruf durch den Kirchenvorstand. Objekttyp: Gutschein Sammlung: Sammlung Bronnert Authentizität: Original Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Oldenburg, Delmenhorst Emittent: Kirchenausschuß und Kirchenvorstand der Kath. Kirchengemeinde Delmenhorst Nominal: 1 Reichsmark Datierung: Juni 1928 Vorderseite: Schwarzer Druck auf gelben Unterdruck mit Wertbezeichnung und Muster Rückseite: Unbedruckt Material: Papier ohne Wasserzeichen Format: 145 mm x 100 mm Nummerierung: No 010062 (Auflage unbekannt) Druck: Unbekannt Zitate: D001 (Kai Lindman: Gedruckte Behelfszahlungsmittel und Wertmarken des Deutschen Reiches 1924 – 1944, Sassenburg 2018, S. 21) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • 4. Banknotensammlertreffen in Rabenau/Sachsen am Samstag, den 23. Januar 2027

    Es ist inzwischen zu einem festen Ereignis im Kalender vieler Banknotensammler geworden, um thematisch passend in das neue Sammeljahr zu starten - das mitteldeutsche Banknotensammlertreffen in Rabenau bei Dresden zu Jahresbeginn. Auch 2027 findet es wieder statt, am Samstag, den 23. Januar. Beginn ist ab 10:00 Uhr mit Tausch, Handel und Fachsimpelei. Um 16:00 Uhr steht ein Vortrag von Peter Vogelsang über die Faszination der bildlich gestalteten Banknoten des Deutschen Reichs auf dem Programm - Referent und Thema versprechen interessante Informationen und neue Einblicke. Ab 18:00 Uhr klingt das Treffen wieder mit einem geselligen Abendessen im Hotel Rabennest aus. Sammler und Händler sind wie immer willkommen. Händlertische kosten EUR 10, der Eintritt für Sammler ist frei. Teilnehmer melden sich bitte an bei Marcel Fränzel: Banknoten-fan@gmx.de Veranstaltungsort: Hotel Rabennest, Nordstraße 8, 01734 Rabenau/Sachsen (mit Übernachtungsmöglichkeit). Parkplätze vor dem Hotel. ÖPNV: S-Bahn / Zug von Dresden Hauptbahnhof bis Freital-Hainsberg, dann Bus oder Taxi. Rabenau liegt ca. 15 km südwestlich von Dresden. Dr. Sven Gerhard

  • Lexikon: Nord-Gebietsregierung

    Als Nord-Gebietsregierung wird die 1918 während der russischen Gegenrevolution im Bürgerkrieg entstandene Teilregierung unter dem Vorsitz des russischen Sozialrevolutionärs und erbitterten Gegners der Bolschewiki Nikolai Wassiljewitsch Tschaikowski (1851 – 1926) in Archangelsk bezeichnet. Diese gab zunächst mit 5 % verzinsliche Obligationen (Datum vom 15.08.1918 über 50 bis 10.000 Rubel) aus, die umlauffähig waren. Interessant sind die danach emittierten Scheine, die den zaristischen Rubel-Noten ähnlich waren und deshalb von Sammlern oft verwechselt werden. Sie lassen sich aber an der Kopfzeile "СБВЕРНАЯ РОССІЯ" (Nordrussland) erkennen. Nordrussland: Staatlicher Kassenschein über 10 Rubel von 1918 in der Gestaltung der Rubelnoten des Zarenreichs (RUS-S0140), Vorder- und Rückseite. Abb. www.worbes-verlag.de. Es gab Kleingeldscheine zu 10, 20, und 50 Kopeken sowie 1-, 3-, 5-, 10-, 25-, 100- und 500-Rubel-Noten, wobei die frühen Scheine den russischen Adler mit Krone zeigen, die bei den späteren Ausgaben fehlt. Die auch für den Umlauf zugelassenen Zaren-Noten sowie die der Provisorischen Regierung und die der Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik Russland wurden mit einer Perforation "ГБСО" gekennzeichnet. Es gibt zahlreiche Fälschungen dieser Perforation, die sich leider praktisch nicht von echten unterscheiden lassen (Vorsicht vor zu hohen Preisen!). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Silvio Gesells Freiwirtschaftslehre

    Die Freiwirtschaftslehre unter besonderer Berücksichtigung des Freigeldes (Schwundgeldes) Die staatliche Wirtschaftspolitik ist eng mit der Frage verbunden, wie Wohlstand geschaffen, Wirtschaftskrisen vermieden und soziale Gerechtigkeit gewährleistet werden kann. Seit dem 19. Jahrhundert konkurrierten kapitalistische[1] und sozialistische[2] Wirtschaftssysteme miteinander. Daneben entstanden zahlreiche Reformkonzepte, die alternative Wege zwischen Marktfreiheit und sozialer Verantwortung suchten. Zu den bemerkenswertesten Vertretern dieser Reformbewegungen zählt der deutsch-argentinische Kaufmann, Publizist, Finanztheoretiker und Sozialreformer Silvio Gesell. Gesells Freiwirtschaftslehre nimmt innerhalb der Geschichte wirtschaftspolitischer Ideen eine Sonderstellung ein. Anders als marxistische Autoren sah er die Ursache wirtschaftlicher Krisen nicht primär in Eigentums- oder Klassenverhältnissen. Zugleich lehnte er die Vorstellung ab, dass freie Märkte allein zu einer gerechten und stabilen Wirtschaftsordnung führen würden. Nach seiner Auffassung beruhte die Krisenanfälligkeit moderner Volkswirtschaften auf grundlegenden Fehlentwicklungen der Geld- und Bodenordnung. Die Institutionen des Geldes und des Grundeigentums ermöglichen seiner Ansicht nach die Entstehung leistungsloser Einkommen, die regelmäßig zu Arbeitslosigkeit, Unterkonsumtion und sozialen Ungleichheiten führen. Johann Silvio Gesell wurde am 17. März 1862 als siebtes von neun Kindern der Eheleute Ernst und Mathilde Gesell, geb. Talbot, in Sankt Vith geboren, das damals zur Rheinprovinz im Königreich Preußen gehörte. Nach einer kaufmännischen Ausbildung zog es ihn 1887 nach Argentinien, wo er als Unternehmer erfolgreich tätig war. Die heftigen Krisen, die Argentinien im 19. Jahrhundert erschütterten, prägten sein Denken nachhaltig. Besonders beschäftigte ihn die Frage, warum der Warenabsatz schrumpfen kann und Investitionen ausbleiben, obwohl ausreichende Produktionskapazitäten und Ressourcen an Arbeitskräften und Rohstoffen vorhanden sind. Er sah die Ursachen dafür im Geldwesen. Im Laufe seiner publizistischen Tätigkeit entwickelte er eine umfassende Theorie wirtschaftlicher Reformen, die er 1916 in seinem Hauptwerk „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ darlegte. Dieses Werk wurde zum Fundament der Freiwirtschaftsbewegung und bildet bis heute die zentrale Quelle für die Interpretation seiner Lehre.[3] Abb. 1.1: Silvio Gesell, 1895. Abb. Wikipedia, restauriert mit KI. Abb. 1.2: Titelseite seines Hauptwerkes. Abb. des Autors. Gesells Theorie wird häufig als Versuch gesehen, einen „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu finden. Diese Einordnung ist insofern zutreffend, als er sowohl die kapitalistische als auch die sozialistische Wirtschaftsordnung grundlegend kritisierte. Am Kapitalismus beanstandete er insbesondere die Möglichkeit, Einkommen aus Eigentum zu erzielen, ohne selbst produktiv tätig zu sein. Zins- und Renteneinkommen erschienen ihm als Ausdruck struktureller Privilegien, die den Wettbewerb verzerrten und gesellschaftliche Ungleichheiten verstärkten. Gleichzeitig wandte er sich gegen sozialistische Forderungen nach einer zentralen Planung der Wirtschaft. Märkte betrachtete er grundsätzlich als effiziente Informations- und Koordinationsmechanismen. Wettbewerb und unternehmerische Initiative sollten daher erhalten bleiben. Die eigentliche Reformaufgabe bestand für ihn nicht in der Abschaffung des Marktes, sondern in der Veränderung jener institutionellen Rahmenbedingungen, die seiner Ansicht nach Krisen und Ungleichheiten verursachten. Der ordnungspolitische Kern seiner Theorie besteht folglich darin, den Markt von Einflüssen der Geldhortung und Bodenrente zu befreien. Dabei sind „Freigeld“ und „Freiland“ die zentralen Elemente seiner Freiwirtschaftslehre. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die besondere Stellung des Geldes innerhalb einer Volkswirtschaft. Gesell argumentierte, dass nahezu alle Güter einem natürlichen Wertverlust unterliegen. Lebensmittel verderben, Maschinen verschleißen und Gebäude altern. Geld hingegen besitze den Vorteil, über lange Zeiträume nahezu verlustfrei aufbewahrt werden zu können. Dies verleiht den Geldbesitzern eine strukturelle Machtposition. Während Produzenten ihre Waren verkaufen müssen, können Geldhalter den Austauschprozess unterbrechen und auf günstigere Marktbedingungen warten. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten werde Geld daher gehortet, wodurch die Nachfrage sinke und Investitionen zurückgestellt würden. Diese Prozesse betrachtete Gesell als wesentliche Ursache von Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit. Zur Überwindung dieses Problems entwickelte er die Idee eines umlaufgesicherten Geldes, das er Freigeld nannte. Es soll regelmäßig an Wert verlieren, sofern es nicht ausgegeben oder investiert wird. Technisch stellte sich Gesell dies so vor. In festen Zeitabständen muss der Geldbesitzer eine Gebühr entrichtet, damit der Geldwert erhalten bleibt. Geld würde damit Lagerkosten verursachen und sich wie andere Wirtschaftsgüter verhalten. Er erwartete, dass dies die Geldhortung verringert, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht und damit die Nachfrage stabilisiert. Dadurch würden Konjunkturschwankungen abgeschwächt und Vollbeschäftigung begünstigt. Eng mit seiner Geldtheorie verbunden ist die Erklärung des Zinses. Nach seiner Auffassung beruht der Zins wesentlich auf dem Liquiditätsvorteil des Geldes. Da Geldhalter die Möglichkeit besitzen, ihre Mittel zurückzuhalten, müssen Kapitalnachfrager einen Preis zahlen, um Zugang zu diesen Mitteln zu erhalten. Diesen Preis nennt Gesell Urzins. Durch die Einführung eines umlaufgesicherten Geldes würde dieser strukturelle Vorteil weitgehend verschwinden. Geldbesitzer hätten dann ein Interesse daran, ihre Mittel möglichst rasch in Umlauf zu bringen. Gesell nahm an, dass das Kreditangebot dadurch steigen und die Zinssätze langfristig gegen null tendieren würden. Er übersah dabei, dass sich der Zins in der Regel durch ein Zusammenwirken von Zeitpräferenzen, Risikoabwägungen, Kapitalproduktivität und Inflationserwartungen bildet. Neben dem Geldwesen betrachtete Gesell die Bodenordnung als zweite zentrale Ursache gesellschaftlicher Ungleichheit. Seine Kritik knüpfte an ältere Reformtraditionen an, insbesondere an die Ideen des US-amerikanischen Ökonomen Henry George. Gesell argumentierte, dass Boden grundsätzlich anders behandelt werden müsse als gewöhnliche Produktionsgüter. Während Maschinen oder Gebäude durch menschliche Arbeit geschaffen werden, existiert Boden unabhängig von menschlicher Leistung. Sein Wert steigt häufig aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung oder Infrastrukturinvestitionen. Die daraus entstehenden Bodenwertsteigerungen betrachtete Gesell als leistungsloses Einkommen. Wer über Grundbesitz verfügt, könne wirtschaftliche Vorteile erzielen, ohne selbst zusätzliche produktive Leistungen zu erbringen. Dies widerspreche seinem Ideal einer Wirtschaftsordnung, in der Einkommen primär aus Arbeit und Unternehmertum hervorgehen sollten. Als Gegenmodell entwickelte er das Konzept des Freilandes. Grund und Boden sollten in öffentliches Eigentum überführt und lediglich zur Nutzung verpachtet werden. Die entstehenden Bodenrenten würden dadurch der Allgemeinheit zufließen. Gesell erwartete hiervon eine Verringerung der Bodenspekulation sowie einen gerechteren Zugang zu Wohn- und Wirtschaftsflächen. Seine Überlegungen beeinflussten verschiedene Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts und werden bis heute in Debatten über Geldpolitik, Bodenwertbesteuerung und alternative Währungssysteme diskutiert. Dabei nimmt das Freigeld eine besondere Stellung ein. dass nun genauer betrachtet werden soll. Silvio Gesell selbst beschreibt es so:[4] Erklärung des Freigeldes 1. Das Freigeld wird in Zetteln von 1-5-10-50-100-1000 Mark ausgegeben. – Außer diesen festen Zetteln werden Kleingeldzettel auf farbigem Muster ausgegeben, die ähnlich wie die Briefmarkenbogen eingerichtet sind und dazu dienen, durch Abreißen der nötigen Felder jeden Einzelbetrag bis Mk. 1,- zu zahlen; sie ersetzen also das frühere Kleingeld von 1-2-5-10 und 50 Pfg. (Gleichzeitig dienen diese Kleingeldabrisse dazu, die Zahlkraft der festen Geldzettel durch Ueberkleben der fälligen Wochenfelder auf dem Laufenden zu erhalten [siehe unter 2.]) Die bei den öffentlichen Kassen eingehenden Kleingeldabrisse werden nicht mehr in Verkehr gebracht, sondern immer wieder durch neue Zettel ersetzt. 2. Das Freigeld verliert wöchentlich ein Tausendstel (1‰) an Zahlkraft und zwar auf Kosten der Inhaber. Durch Aufkleben von Abrissen des erwähnten Kleingeldes hat der Inhaber die Zahlkraft der Zettel immer zu vervollständigen. So ist z. B. auf dem farbigen Muster die Note zu Mk. 100 durch Aufkleben solcher Abrisse bis zum 10. August vervollständigt. Der Empfänger dieser Note, der sich natürlich solchen Schaden entziehen will, sucht nun das Geld immer so schnell wie möglich weiterzugeben; denn erhält er es aus Bequemlichkeit bei sich, etwa bis zum 10. September, so muß er schon 5x10=50 Pfennig nachzahlen, indem er von seinem Kleingeld 5x10 Pfennig abreißt und auf die Hundertmarknote aufklebt. So steht der Geldumlauf unter Druck, der es bewirkt, daß jeder immer gleich bar bezahlt, seine Schulden tilgt und etwa dann noch verbleibenden Geldüberschuß mit derselben Eile zur Sparkasse trägt, die ihrerseits auch wieder danach trachten muß, Abnehmer für die Spareinlage heranzulocken, wenn nötig, durch Herabsetzung des Zinsfußes. 3. Am Ende des Jahres werden alle Geldscheine gegen neue umgetauscht. 4. Zweck des Freigeldes. Vor allem soll die Uebermacht des Geldes gebrochen werden. Diese Uebermacht ist restlos darauf zurückzuführen, daß das herkömmliche Geld den Waren gegenüber den Vorzug der Unverwüstlichkeit hat. Während unsere Arbeitserzeugnisse bedeutende Lager- und Wartekosten verursachen, die ihren allmählichen Zerfall nur verlangsamen, aber nicht verhindern können, ist der Besitz von Geld durch die Natur des Geldstoffes (Edelmetall) frei von jedem solchen Verlust. Der Geldbesitzer (Kapitalist) hat darum im Handel immer Zeit; er kann warten, während die Warenbesitzer es immer eilig haben. Zerschlagen sich also die um den Preis geführten Verhandlungen, so trifft der Schaden, der daraus erwächst, immer einseitig den Warenbesitzer, letzten Endes also den Arbeiter. Diesen Umstand benützt der Kapitalist, um den Druck auf den Warenbesitzer (Arbeiter) auszuüben, also um diesen zu veranlassen, seine Arbeitserzeugnisse (Arbeitskraft) unter Preis zu verkaufen. 5. Eine Einlösung des Papiergeldes von seiten des Währungsamtes findet nicht statt. Wozu denn auch? Geld wird man ja immer brauchen; darum ist auch keine Einlösungspflicht vorgesehen. Jedoch ist das Währungsamt verpflichtet, die Geldausgabe derart den Marktverhältnissen anzupassen, daß die Warenpreise im Durchschnitt fest bleiben. Das Währungsamt setzt mehr Geld in Umlauf, wenn die Warenpreise abwärts neigen, und zieht Geld ein, wenn die Warenpreise aufwärts streben, denn die Preise hängen ausschließlich von der Menge des angebotenen Geldes ab. Dafür aber, daß das vom Währungsamt in Umlauf gesetzte Geld auch sofort gegen Waren angeboten wird, sorgt die Natur diese Freigeldes. Das Währungsamt wird also nicht wie bisher schlafen und schicksalsgläubig faul die Währung des Landesgeldes vom rätselhaften sogenannten inneren Wert des Goldes erwarten, zum Vorteil des Schwindels, der Glücksritter und der Wucherer, sondern zielbewußt mit starker Hand eingreifen und den ehrlichen Handel gegen alle Fährnisse schirmen. 6. Unter Berücksichtigung der großen Bedeutung des Außenhandels wäre zur Herbeiführung fester Wechselkurse eine zwischenstaatliche Verständigung zu erstreben. Solange eine solche jedoch nicht erzielt ist, hat man die Wahl zu treffen, ob die Geldverwaltung die Festigkeit der Inlandspreise oder die der Wechselkurse zum Maßstab der Geldausgabe machen soll. 7. Der Umtausch des Metallgeldes gegen dieses Freigeld soll ein völlig freiwilliger bleiben. Wer sich also nicht vom Gold trennen kann, mag es behalten, doch verliert das Gold, genau wie es bereits mit dem Silber geschah, das freie Prägerecht, und die Münzen verlieren die Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Nach Ablauf der Umtauschfrist werden die Münzen an allen Staatskassen und vor Gericht zurückgewiesen. 8. Für Zahlungen ins Ausland bediene man sich wie bisher der Wechsel, die die Banken und Kaufleute als Erlös für die ins Ausland gelieferte und vom Ausland bezogene Waren feilhalten. Für kleinere Beträge bedient man sich in gewohnter Weise der Postanweisung. 9. Wer Landeserzeugnisse für die Ausfuhr erwerben will und dazu nur über Gold verfügt, also keine Einfuhrwechsel hat auftreiben können, dem wird das Gold vom Währungsamt abgekauft werden. Wer umgekehrt für die Einfuhr ausländischer Waren Gold braucht und keine Ausfuhrwechsel auftreiben kann, dem verkauft das Währungsamt das benötigte Gold. Der Preis dieses Goldes wird davon abhängen, wie man die im Absatz 6 offengelassene Frage beantwortet. 10. Durch den Kursverlust von 5,2 % jährlich dürfte die umlaufende Geldmasse um jährlich 200 – 300 Millionen abnehmen. Damit aber durchaus kein Geldmangel entsteht, muß das Währungsamt diese Millionen immer durch neu herzustellendes Geld jährlich ersetzen. Dies bedeutet für das Amt also eine regelmäßige Einnahme. 11. Bei dieser Einnahme der Geldverwaltung handelt es sich um eine unbeabsichtigte Nebenwirkung der Geldreform von verhältnismäßig ganz untergeordneter Bedeutung. Ueber die Verwendung dieser Summe sind besondere gesetzliche Bestimmungen zu treffen. Abb. 2.1: Muster des Freigeldes, Abb. des Autors. Abb. 2.2: Muster des Freigeldes, Abb. des Autors. Gesells Reformforderungen wurden im deutschsprachigen Raum vor allem in den 1920er Jahren von der Freiwirtschaftsbewegung – oft mit F.F.F. (Freigeld, Freiland, Festwährung) – propagiert, deren Wurzeln jedoch weiter zurückliegen. 1909 schloss sich der gelernte Tischler Georg Blumenthal (1872–1929) dem damals kleinen Kreis der "Gesellianer" an und gründete den Verein für physiokratische Politik, dem Gesell von Südamerika aus beitrat. Bereits im folgenden Jahr erfolgte die Gründung des Physiokratischen Verlags, in dem im Mai 1912 die erste Ausgabe der Zeitschrift „Der Physiokrat“ erschien, die im März 1916 der Kriegszensur zum Opfer fiel. Ein weiter Multiplikator der Gesell'schen Lehre war der ehemalige römisch-katholische Landpfarrer und Damaschke[5]-Anhänger Paulus Klüpfel (1876–1918). Er begegnete 1914 zunächst Blumenthal und dann Gesell, für den er bald als Privatsekretär arbeitete. Bereits ein Jahr später gründete Klüpfel den Freiland-Freigeld-Bund mit Sitz in Berlin-Steglitz. Im selben Jahr wurde eine Parallelorganisation mit gleichem Namen in der Schweiz vom Arzt und Mathematiker Theophil Christen (1873–1920) sowie dem Reformpädagoge und Psychoanalytiker Ernst Schneider (1878–1957) gegründet. Am 14. September 1919 schlossen sich in Arnstadt (Thüringen) der "Freiland-Freigeld-Bund" und der "Helmut Haackes Bund für Freiwirtschaft" zum "Deutschen Freiland-Freigeld-Bund" (DFFB) zusammen, dem sich im Mai 1921 weite Teile Blumenthalschen Physiokraten anschlossen. Der neue Name dieser Einheitsorganisation lautete "Freiwirtschaftsbund". Um die Idee des Freigeldes größeren Bevölkerungsgruppen bekannt zu machen, setzte die Freiwirtschaftsbewegung auf Flugschriften und Flugblätter in Form von Geldscheinen. Abb. 3.1: 100 Mark, 1922, doppelseitiges Flugblatt, Außenseiten. Abb. des Autors. Abb. 3.2: 100 Mark, 1922, doppelseitiges Flugblatt, Innenseiten. Größe: 250 x 176 mm. Abb. des Autors. Abb. 4.1: 50 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 4.2: 50 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Rückseite. Größe: 157 x 100 mm. Abb. des Autors. Abb. 5.1: 1000 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 5.2: 1000 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Rückseite. Größe 196 x 104 mm. Abb. des Autors. Abb. 6.1: 50 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 6.2: 50 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Innenseite links. Abb. des Autors. Abb. 6.3: 50 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Innenseite rechts. Abb. des Autors. Abb. 6.4: 50 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Rückseite. Größe: 187 x 130 mm. Abb. des Autors. Abb. 7.1: 100 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 7.2: 100 Mark, 1. Januar 1922, Flugblatt, Rückseite. Größe: 205 x 105 mm. Abb. des Autors. Abb. 8.1: 50 Mark, 1. Januar 1923, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 8.2: 50 Mark, 1. Januar 1923, Flugblatt, Innenseite links. Abb. des Autors. Abb. 8.3: 50 Mark, 1. Januar 1923, Flugblatt, Innenseite rechts. Abb. des Autors. Abb. 8.4: 50 Mark, 1. Januar 1923, Flugblatt, Rückseite. Größe: 164 x 120 mm. Abb. des Autors. Abb. 8.5: Angeklebter Aufnahmeantrag beim Freiwirtschaftsbund, Ortsgruppe Dortmund. Abb. des Autors. Abb. 9: 50 Mark, 1. Januar 1923, Flugblatt, Vorderseite in anderer Farbe. Größe: 164 x 120 mm. Abb. des Autors. Abb. 10.1: 10 Mark, 10. Dezember 1931, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 10.2: 10 Mark, 10. Dezember 1931, Flugblatt, Rückseite. Größe: 180 x 86 mm. Abb. des Autors. Abb. 11.1: 50 Mark, 1933, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 11.2: 50 Mark, 1933, Flugblatt, Rückseite. Größe: 144 x 113 mm. Abb. des Autors. Abb. 12.1: 100 Mark, 1. Januar 1933, Flugblatt, Vorderseite[6]. Abb. des Autors. Abb. 12.2: 100 Mark, 1. Januar 1933, Flugblatt, Rückseite. Größe: 178 x 78 mm. Abb. des Autors. Anm.: In gleicher Zeichnung gibt es ein Flugblatt, das auf den 1. Januar 1940 datiert. Hier fehlt die Unterschrift von Blumenthal. Abb. 13.1: 100 Mark, 1. Januar 1944, Flugblatt, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 13.2: 100 Mark, 1. Januar 1944, Flugblatt, Rückseite. Größe: 144 x 88 mm. Abb. des Autors. Abb. 14.1: Flugblatt auf einer 1000-Mark-Reichsbanknote vom 15. September 1922, Vorderseite. Abb. des Autors (restauriert). Abb. 14.2: Flugblatt auf einer 1000-Mark-Reichsbanknote vom 15. September 1922, Rückseite. Abb. des Autors (restauriert). Abb. 15: Achtseitiges Flugblatt des Schweizerischen Freiland- und Freigeldbundes. Größe: 215 x 140 mm. Abb. des Autors. Zwar emittierte die Flensburger Goldmarkgesellschaft m.b.H. unter dem Datum vom 30. September 1923 einen Notgeldschein über eine Goldmark, aber er blieb eine Kuriosität innerhalb der Goldgeld-Ausgaben des sog. wertbeständigen Notgelds am Ende der Hyperinflation. Am rechten Rand dieses Scheins ist „ein Aufgeld, damit dieser Schein 1 Goldmark gilt“ für Daten vom 3. Oktober bis 31. Dezember 1923 in Pfennigen aufgeführt und daneben die Umkehrung „Sonst gilt der Schein nur …“ mit datenmäßiger Festlegung des Schwundes bis zu einem Wert von 86 Pfennig am 31. Dezember 1923. Um den Schwund ausgleichen zu können und wieder auf den vollen Betrag zu kommen, war die Ausgabe von Scheinen zu einem Goldpfennig und einem Goldgroschen nötig. Abb. 16: Flensburger Goldmarkgesellschaft m.b.H., 30. September 1923, 1 Goldmark, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Quelle: Kai Lindman, Schwundgeld in Deutschland. Freigeld – Freiland – Freiwirtschaft 1916 – 1952, Gifhorn 2011, S. 22. Abb. 17.1: Flensburger Goldmarkgesellschaft m.b.H., o. D., 1 Goldpfennig, Vorderseite. Abb. des Autors. Abb. 17.2: Flensburger Goldmarkgesellschaft m.b.H., o. D., 1 Goldpfennig, Rückseite mit zweizeiligen Stempelaufdruck: ZUM OFFIZIELLEN KURS DER / DEUTSCHEN GOLDANLEIHE. Abb. des Autors. Abb. 18: Flensburger Goldmarkgesellschaft m.b.H., o. D., 1 Goldgroschen, Vorderseite. Goldpfennig und Goldgroschen mit und ohne Stempelaufdruck. Abb. des Autors. Der Text auf dem Wert zu einem Goldpfennig [Goldgroschen] lautet: „Gegen diesen Zettel zahlen wir an Herrn Karl Polenske Berlin oder dessen Order den Betrag von 1/400 Dollar (1/4 cts) [1/40 Dollar (2 ½ cts)] in deutschem Gelde zum Dollarschatzkurse, wenn er als Ergänzung zu 10 oder 1 Goldmark vorgelegt wird, andernfalls nur die Hälfte [1/50 Dollar (2 cts)]. Der Zettel kann vom 1.1.1924 zur Vorlage aufgerufen werden.“ Die Scheine wurden ab 5. Oktober 1923 in Umlauf gesetzt. Sie dürften keine große Bedeutung im Zahlungsverkehr gehabt haben, zumal sie schon bald beschlagnahmt wurden, da sie nicht den Vorschriften entsprachen. Auf Anfrage vom 22. Januar 1922 teilte der Emittent zwei Tage später der Finanzabteilung des Magistrats der Stadt Flensburg Folgendes mit:[7] Bleibt noch anzumerken, dass diese Goldmark-Scheine die erste Schwundgeld-Ausgabe überhaupt war. Silvio Gesell erlebte eine erfolgreiche Umsetzung seiner Freigeld-Idee nicht mehr. Er starb am 11. März 1930 an einer Lungenentzündung in Oranienburg, wo er einige Tage später im kleinen Kreis auf dem Stadtfriedhof beigesetzt wurde. Die moderne Volkswirtschaftslehre betrachtet die Freiwirtschaftslehre überwiegend kritisch.[8] Empirisch konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass Geldhortung allein die zentrale Ursache wirtschaftlicher Krisen darstellt. Gegenwärtige Konjunkturtheorien berücksichtigen zahlreiche weitere Faktoren, darunter technologische Innovationen, Finanzmarktentwicklungen, Erwartungen und staatliche Rahmenbedingungen. Zudem bestehen praktische Einwände gegen ein dauerhaft wertminderndes Geldsystem. In offenen Volkswirtschaften könnten Wirtschaftssubjekte auf alternative Währungen oder Anlageformen ausweichen. Auch die Frage, ob eine Umlaufsicherung tatsächlich zu dauerhaft höherer Beschäftigung führen würde, bleibt ungeklärt. Gleichzeitig sollte die Freiwirtschaftslehre nicht vorschnell als historische Kuriosität abgetan werden. Viele von Gesells Fragestellungen besitzen weiterhin Aktualität. Die Diskussion über Vermögenskonzentration, steigende Bodenpreise, Finanzspekulation und die gesellschaftliche Funktion des Geldes berührt Themen, die bereits im Zentrum seiner Analysen standen. Insbesondere die Debatten über Negativzinsen nach der Finanzkrise von 2008 sowie über digitale Zentralbankwährungen zeigen, dass Fragen nach der Steuerung des Geldumlaufs auch im 21. Jahrhundert von erheblicher Bedeutung sind. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Der Kapitalismus beruht auf der Idee, dass Wirtschaftswachstum und Wohlstand durch die Freiheit des Marktes, unabhängige Unternehmen und individuelle Entscheidungen erreicht werden können. Im kapitalistischen Wirtschaftssystem gibt es private Eigentumsrechte an Produktionsmitteln und Waren, die dem freien Markt angeboten werden. Die Preise für diese Waren und Dienstleistungen werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Merkmale des kapitalistischen Wirtschaftssystems: Privateigentum an Produktionsmitteln und Waren Freier Marktmechanismus Wettbewerbsorientierung Gewinne und Verluste sind individuell [2] Das sozialistische Wirtschaftssystem beruht auf der Vorstellung, dass die Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen am besten von der Gemeinschaft kontrolliert werden sollten, um soziale Gerechtigkeit und Gleichheit zu erreichen. Im Unterschied zum Kapitalismus besteht im sozialistischen Wirtschaftssystem kein privates Eigentum an Produktionsmitteln und Waren. Die Waren und Dienstleistungen werden staatlich kontrolliert und die Preise festgesetzt. Merkmale des sozialistischen Wirtschaftssystems: Staatliche Kontrolle der Produktion und Verteilung von Waren Gemeinwohl-Orientierung Gleichheit und soziale Gerechtigkeit Planwirtschaft [3] Gesell, Silvio: Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld, 6. Auflage, Berlin und Bern 1924. [4] Ebenda, S. 239 ff. [5] Adolf Wilhelm Ferdinand Damaschke (* 24. November 1865 in Berlin; † 30. Juli 1935 ebenda) war Lehrer und eine führende Persönlichkeit der Bodenreform in Deutschland. [6] Siehe hierzu Bronnert, Uwe: Das Geld der Zukunft, Beschlagnahmen – Einziehen – Verbieten, Geldscheine-online.com 13/2021. [7] Angaben nach Bakowsky, Herbert: Das Notgeld der Stadt Flensburg 1914-1923, Band 49 der Schriftenreihe „Die Münze“, Berlin 1975, S. 32. [8] Der britische Ökonomen John Maynard Keynes nannte Gesell in seinem Werk „General Theory of Employment, Interest and Money“ einen originellen und unterschätzten Denker, dessen Analyse der Geldhaltung wichtige Einsichten enthalte.

  • Vorbericht Emporium Hamburg: Auktion 113 „Banknoten & Notgeld“ vom 26. bis 27.11.2026

    Emporium Hamburg lädt auch in diesem Jahr zur doppelten Herbstauktion ein: Auktion 112 „Münzen & Medaillen“ läuft vom 23. bis 26. November 2026. Auktion 113 „Banknoten & Notgeld“ beginnt in diesem Jahr aufgrund des umfangreichen Angebots schon am Donnerstagnachmittag und läuft vom 26. bis 27. November 2026. Auktion 113 „Banknoten & Notgeld“ Die Banknotenauktion beginnt am Donnerstag mit dem Bereich Ausland. Am Freitag folgen die Banknoten aus Altdeutschland, den Deutschen Landen ab 1800, die Kategorie Notgeld sowie die Historischen Wertpapiere. Die Kategorie Ausland beinhaltet ein besonders umfangreiches Lot, das allerdings den Rahmen einer Fotographie sprengen würde: Los 5 versammelt nicht weniger als ca. 1030 Stück, darunter 870 Scheine belgischen Notgelds, in einer großen schönen Sammlung mit vielen vollständigen Serien. Zusätzlich enthalten sind ca. 160 Notgeldscheine aus Frankreich mit meist guter Erhaltung. Wir empfehlen daher unbedingt eine Besichtigung des Lots vor Ort im Störtebeker-Haus. Aus dem historischen Bereich der Auslandsausgaben sind Los 66 (Polen, 1 Talar 1810) und Los 161 (Lübeck, 20 Thaler 1865) hervorzuheben: Hier erhält man einen Blick in die frühe Entwicklung des Papiergeldes vor dem Aufkommen moderner nationaler Banknotensysteme. Hier geht es direkt zur Auktion 113 – Banknoten & Notgeld! Einige Beispiele aus der Auktion: Los 66 Polen, Herzogtum Warschau. 1 Talar 1. Dezember 1810. Erhaltung: III-IV. Schätzpreis: 1.500,00 € Los 161 Lübeck. 20 Thaler 1. Juli 1865 (1866). Erhaltung: I. Schätzpreis: 400,00 € Das Titelstück der diesjährigen Banknotenauktion verbindet deutsche Nachkriegsgeschichte mit amerikanischen Einflüssen: 50 Mark „Liberty“ von 1948 (Los 299). Entworfen und gedruckt in den USA, genauer in der Tudor Press in Boston, weist der Schein deutliche Anklänge an die US-amerikanische Banknotengestaltung seiner Zeit auf. Los 299 Noten der Bank Deutscher Länder. 50 Deutsche Mark o.D. (1948-1949) "Liberty". Erhaltung: extrem selten, I. Schätzpreis: 9.000,00 € Nicht weniger Aufmerksamkeit gilt erneut den Ausgaben der Deutschen Auslandsbanken in China. Die Lose 471–474 umfassen jeweils 1 Dollar beziehungsweise 10 Tael, sämtlich aus dem Jahr 1907. Vergleichbare Exemplare dieser fachgerecht restaurierten Scheine riefen bereits in vergangenen Auktionen großes Interesse unter Sammlern hervor. Los 471 Deutsch-Asiatische Bank, 1907-1918. 1 Dollar 1.3.1907, Tsingtau. Erhaltung: perforiert „DRUCKPROBE“, sehr selten, restauriert. Schätzpreis: 2.000,00 € Los 474 Deutsch-Asiatische Bank, 1907-1918. 10 Tael 1.3.1907, Tientsin. Erhaltung: perforiert „DRUCKPROBE“, sehr selten, restauriert. Schätzpreis: 2.000,00 € Zwei umfangreiche Spezialbereiche setzen die Sammlungsschwerpunkte des Katalogs. Die Sammlung der Zinskupons bayerischer Staatsanleihen von 1918 (Lose 492–510) dokumentiert eine ungewöhnliche Form des Notgeldes. Am 20. November 1918, wenige Tage nach dem Ende der bayerischen Monarchie, erklärte die Regierung des Volksstaates Bayern sämtliche bis zum 1. April 1919 fälligen Zinskupons bayerischer Staatsanleihen vorübergehend zu gesetzlichem Notgeld. Damit reagierte sie auf den akuten Mangel an Kleingeld und anderen Zahlungsmitteln in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Los 492 Zinskupons bayerischer Staatsanleihen. Königlich Bayerisches Allgemeines Anlehen. 8,75 Mark 1.3.1919. Erhaltung: selten, I. Schätzpreis: 300,00 € Der Mangel an gesetzlichen Zahlungsmitteln führte auch in Schlesien zur Ausgabe zahlreicher Notgeldscheine durch Städte, Gemeinden und Unternehmen (Sammlung Schlesischen Notgelds, Lose 577–931). Zwischen 1919 und 1923 entstand eine außergewöhnliche Vielfalt an Ausgaben, die neben ihrer wirtschaftlichen Funktion mit minimalistischem Aufdruck auch teils durch aufwendige Gestaltung, regionale Motive, Wappen und Stadtansichten auffallen. Auch in dieser Kategorie laden zahlreiche Lots zur vorherigen Besichtigung im Störtebeker-Haus ein! Los 607 Breslau. J. Kemna, Eisengießerei und Maschinenfabrik, 1, 2, 5 und 10 Mark, 21. November 1922. Erhaltung: 4 Stk., I (3x), II. Schätzpreis: 1.000,00 € Los 716 Hirschberg. Neudeutsche Bundespfalz, 5, 10 und 15 Mark. Serienscheine. Erhaltung: 3 Stk., je I. Schätzpreis: 350,00 € Los 733 Knurow. 1, 2 und 5 Mark 3. Mai 1922. Serienscheine. Erhaltung: 3 Stk., je I. Schätzpreis: 50,00 € Los 888 Magistrat Sprottau. Lot 13 Scheine, alle selten. 50.000 bis 50 Milliarden Mark 1923. Erhaltung: 13 Stk., meist gute Erhaltung. Schätzpreis: 800,00 € Hier geht es direkt zur Auktion 113 – Banknoten & Notgeld! Die Auktionen 112 und 113 finden vom 23. bis 27. November 2026 statt und werden live online über Auctionmobility übertragen. Die Vorbesichtigung der Auktionsware ist ab dem 12. Oktober 2026 nach vorheriger Terminabsprache im Störtebeker-Haus möglich. Weitere Informationen sowie ausgewählte Video-Highlights finden Sie unter www.emporium-hamburg.com! Emporium Hamburg Süderstraße 288 20537 Hamburg Tel.: + 49 (0) 40 25799 137 www.emporium-hamburg.com numis@emporium-hamburg.com

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