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- Lexikon: Nachdrucke
Nachdrucke (Reprints) sind mit Originaldruckstöcken nach der Außerkurssetzung von Geldscheinen durchgeführte Drucke. Diese können für Sammler, Museen und Archive, aber auch zu Werbe- und Propagandazwecken, zum Beispiel anlässlich eines Bankjubiläums hergestellt werden. Sie sind oft kaum von den Originalen zu unterscheiden. Beispiele Australien: Noten der Bank of Newcastle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts über 1 und 5 Pfund (Nachdrucke von 1963); Costa Rica: Noten des Banco Anglo Costarricense vom Ende des 19. Jahrhunderts über 1, 5, 10 und 20 Colones (Nachdrucke von 1973); Deutschland: Verschiedene Notgeldausgaben, von denen zeitgenössische Nachdrucke für Sammler hergestellt wurden (z. B. Ansbach: 50 Pfennig von 1918, Liebstadt in Ostpreußen: wahrscheinlich sind die meisten in Sammlungen vorkommenden Kleingeldscheine zeitgenössische Nachdrucke für Sammler). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch von deutschen Notgeldscheinen Nachdrucke für Sammler angefertigt, teilweise mit noch vorhandenen Klischees (z. B. Scheine der Orte Lehesten, Lohr, Krempe und Wilster). Spätere Drucke von Scheinen, die in der Absicht ausgeführt wurden, Sammler zu täuschen, sind Fälschungen zum Schaden der Sammler. Deutsches Reich, Preußen, Provinz Posen, Stadt Exin: Nachdruck eines Kleingeldscheins zu 25 Pfennig vom 1. November 1916, zu erkennen am Stempel mit Adler im Wappenschild, Druck einseitig. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Für moderne Nachdrucke werden heute durch Einsatz von Computer und Scanner keine Original-Druckplatten mehr benötigt. Wir kennen Nachdrucke von Banknoten verschiedener Länder (z. B. China, Gibraltar, Nordkorea, Polen, Tschechische Republik). Viele moderne Nachdrucke kommen aus China. Hier ist Vorsicht bei seltenen chinesischen Banknoten aus der Anfangszeit der Volksrepublik geboten. Volksrepublik China, Volksbank, Nachdruck einer Banknote zu 50 Yuan von 1949 (CHN-829), Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Volksrepublik China, Volksbank, Nachdruck einer Banknote zu 50 Yuan von 1949 (CHN-829), Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Tschechoslowakei, Staatsbank, Offizieller moderner Nachdruck einer nicht ausgegebenen Banknote zu 1000 Kronen von 1951 (CSK-77), Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Tschechoslowakei, Staatsbank, Offizieller moderner Nachdruck einer nicht ausgegebenen Banknote zu 1000 Kronen von 1951 (CSK-77), Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Nachdrucke, auch solche, die nur zur Dokumentation von Geldscheinen und nicht mit Original-Druckstöcken hergestellt wurden, sollten in jedem Fall deutlich als solche gekennzeichnet werden, auch wenn im Einzelfall keine gesetzliche Vorschrift zum Schutz außer Kurs gesetzter Scheine bestehen. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de
- Der letzte Parteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands 1946 in Berlin und ein interessantes Zeitdokument
Um 10.25 Uhr eröffnete Wilhelm Pieck den ersten Nachkriegsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) im Deutschen Theater in Berlin. Seit der Gründung der Partei am 30. Dezember 1918 hatten in Deutschland zwölf Parteitage stattgefunden. Das Verbot der Partei während der Zeit der Hitler-Diktatur zwang dazu, die Parteitage im Ausland abzuhalten: im Oktober 1935 in Brüssel und im Januar 1939 in Bern. Wilhelm Pieck bei der Eröffnungsrede des 15. Parteitags der KPD am 19. April 1946 im Deutschen Theater in Berlin, Foto: Abraham Pisarek (1901-1983), Deutsche Fotothek, Wikimedia Commons. „Historisch bedeutsam an diesem 15. Parteitag war …, daß er zugleich der letzte Parteitag der Kommunistischen Partei Deutschland war. Er zog die wichtigste Lehre aus der Vergangenheit und beendete in einem großen Teil Deutschlands die Spaltung der Arbeiterklasse durch den Beschluß zur Vereinigung der beiden Arbeiterparteien.“[1] Der historische Parteitag hat sowohl in der Philatelie als auch in der Notaphilie Spuren hinterlassen. Bereits im Juni 1945 gab in der sowjetischen Besatzungszone der Magistrat von Groß-Berlin Freimarken über 5, 6, 8, 10, 12, 20 und 30 Pfennig aus.[2] Die ersten sechs Marken zeigen den Berliner Bären als Wappentier in verschiedenen Darstellungen, während der Wert zu 30 Pfennig eine Eiche mit den Kriegsruinen am Belle-Alliance-Platz abbildet. Diese Briefmarken wurden auf einen kleinen Papierbogen im Format 179 mm x 114 mm geklebt, der mit „Berliner Ausgabe cpl.“ überschrieben ist. Die Briefmarken erhielten anlässlich des Parteitags einen runden Sonderstempel: Am oberen Rand „BERLIN NW 7“, darunter 19.4.1946 gefolgt von dem dreizeiligen Text „15. Parteitag der / Kommunistischen Partei / Deutschlands“ und schließlich am unteren Rand „19./20. April 1946“. Abb. 1.1: Papierbogen mit sieben Briefmarken und Sonderstempel zum 15. Parteitag der KPD, Vorderseite. Abb. 1.2: Unbedruckte Seite mit Fasereinlage und sichtbarem Wasserzeichen. Abb. 1.3: Wasserzeichen: Frauenkopf im Oval. Das besondere an diesem Erinnerungsstück ist das verwendete Papier des Bogens. Betrachtet man die freie Rückseite fallen sofort die eingestreuten farbigen Fasern auf der linken Seite auf. Hält man nun das Papier gegen eine Lichtquelle, wird ein Wasserzeichen sichtbar: ein Frauenkopf in einem Oval. Hier wurde also das gleiche Papier verwendet wie bei der 20-Mark-Reichsbanknote vom 16. Juni 1939, dem sog. "Tiroler-Schein". Über die Herkunft des Papiers ist nichts bekannt. Möglicherweise befanden sich Bestände in der Reichsdruckerei oder bei der Papierfabrik Spechthausen A. G. Abb. 2.1: Reichsbanknote (DEU-215), 20 Reichsmark, 16. Juni 1939, Vorderseite. Abb. 2.2: Reichsbanknote (DEU-215), 20 Reichsmark, 16. Juni 1939, Rückseite. Bleibt noch anzumerken, dass am 21. und 22. April 1946 im Berliner Admiralspalast der Gründungsparteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) stattfand. Ab Herbst 1945 verfolgte die KPD mit Unterstützung der Sowjetunion den Zusammenschluss mit der SPD zu einer vereinigten Arbeiterpartei. Allerdings gab es bei den SPD-Mitgliedern in den Westzonen und West-Berlin entscheidende Vorbehalte. Im sowjetischen Sektor Berlins übte der sowjetische Kommandant einen erheblichen Druck auf die Sozialdemokraten aus, um sie zur Zustimmung für eine sozialistische Einheitspartei zu bewegen, sodass hier die SPD-Führung letztlich in den Zusammenschluss (Zwangsvereinigung) mit der KPD einwilligte[3] Mit einem symbolträchtigen Händedruck besiegelten der Sozialdemokrat Otto Grotewohl und der Kommunist Wilhelm Pieck die Vereinigung beider Arbeiterparteien für die Sowjetische Besatzungszone. Dieser auch im Emblem der SED abgebildete Händedruck sollte Ausdruck für das Ende des „Bruderkampfes“ und der historischen Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung sein. Uwe Bronnert Anmerkungen https://www.gvoon.de/art/dokumente/1946/bericht-verhandlungen-15-parteitag-kpd-deutschland-sbz-1946/pdf/bericht-verhandlungen-15-parteitag-kpd-deutschland-sbz-1946-seite_011.pdf „Am 19. Mai 1945 ging auf Anordnung des sowjetischen Militärkommandos die Zuständigkeit für das Postwesen in Groß-Berlin auf den neu eingesetzten Magistrat der Stadt über. An dieser städtischen Zuständigkeit änderte sich auch nichts, als am 11. Juli 1945 die Verwaltung Groß-Berlins von der neu geschaffenen Alliierten Kommandantur für die Stadt Berlin (als gemeinschaftliches Organ aller vier Besatzungsmächte) übernommen wurde. So wurde auch der Magistratsbeschluß vom 20. Mai, für Groß-Berlin eigene Marken herauszugeben, die zunächst nur für den Postverkehr innerhalb Berlins gelten sollten, anerkannt.“ Michel Deutschland-Katalog 2000/2001, München 2000, S. 268. Innerhalb Berlins einigten sich die vier Besatzungsmächte im Mai 1946 darauf, sowohl die SED als auch die SPD als Parteien zuzulassen. Die SPD blieb somit als eigenständige Partei in Ost-Berlin bis zum Mauerbau 1961 bestehen. Ankündigung der Neuauflage 2026: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-279-3 Auflage: 24. Auflage 2026/27 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: ca. 880 Seiten Preis: 39,90 EUR Erscheinungstermin: Ende Oktober 2026
- Fehldrucke der Banknote zu 50 Mark der Staatsbank der DDR Ausgabe 1971
"Ausschuss im Umlauf“ lautete der Untertitel eines Beitrags von Michael H. Schöne in der Zeitschrift Der Geldscheinsammler Ausgabe Mai 1998[1]. Beschrieben wurden darin Fehldrucke der Banknoten der Staatsbank der DDR der Ausgaben 1971 und 1975. Für die Banknote zu 50 Mark von 1971 wurden genannt: Kopfstehendes Wasserzeichen, dreifach nummerierte Scheine und Abklatsche (Teile der linken Vorderseite spiegelverkehrt auf der Rückseite). Schon kurz nach der "Wende" war auf diese Fehldrucke hingewiesen worden[2]. Auch im online-Sammlerforum www.banknotesworld.com waren sie immer wieder Grund für Diskussionen. Fast drei Jahrzehnte sind seit der Veröffentlichung des Beitrags vergangen. Viel ist seither passiert, vor allem aber: Viele Unterlagen über den Druck der Banknoten der DDR sind heute zugänglich[3]. Daher können interessante Hintergrundinformationen ergänzt werden, warum es zu diesen Fehldrucken bei der Erstauflage der Banknote zu 50 Mark von 1971 kam. Mehr noch: Weitere Druckfehler der Erstauflage können belegt werden, von denen vielleicht noch einige unerkannt in Sammlungen schlummern. Das Politbüro des Zentralkomitees der SED[4] legte am 10. November 1970 die Motive für die Ausgabe einer neuen Banknotenserie der Staatsbank der DDR fest. Für die Wertstufe zu 50 Mark beschloss man für die Vorderseite die Abbildung eines Kopfporträts von Friedrich Engels, für die Rückseite eine Abbildung der Chemischen Industrie in Schwedt. Die Farbe des Scheines wurde mit karminrot festgelegt. Dem Politbüro lagen für die Beschlussfassung Entwürfe der Vorder- und Rückseiten für die Wertstufen von 5 bis 100 Mark vor, wobei sich das Kopfbildnis von Friedrich Engels im vorgelegten Entwurf leicht von der später ausgegebenen Note unterscheidet. Dank der Recherchen von Peter Reissig (†)[5] wissen wir, dass die Gestaltung der Vorderseite von Gerhard Faulwasser, die der Rückseite von Margot Bitzer ausgeführt wurde. Vor der Produktionsaufnahme war dem Politbüro durch den Präsidenten der Staatsbank ein Andruck jeder Banknote zur Bestätigung vorzulegen[6]. Vorausgegangen waren Untersuchungen, ob die neue Banknotenserie der 1967 aus der Deutschen Notenbank hervorgegangenen Staatsbank der DDR erneut in der Druckerei Gosnak in Moskau, oder aber beim VEB Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig (DWD) hergestellt werden sollte[7]. Letzteres setzte sich aus zwei Gründen durch: Zum einen ersparte es Ausgaben in Devisen, zum anderen war die DWD seit Ende der 1960er Jahre infolge der Anschaffung einer modernen Tiefdruckanlage erstmals in der Lage, auch Wertpapiere im Stahlstich-Tiefdruck in hohen Auflagenzahlen zu drucken. Zudem konnte der VEB Feinpapierfabrik Königstein ab 1969 erstmals auch Wasserzeichenpapier mit Sicherheitsfaden für den Banknotendruck liefern. Die Ausgabe der Banknote zu 50 Mark sollte ursprünglich 1974 erfolgen, und zunächst als erster Schein der neuen Serie 1973 die Wertstufe zu 20 Mark ausgegeben werden. Später entschied man, die Ausgabe des 50-Mark-Scheins vorzuziehen, da die Restbestände der bei Gosnak gedruckten Scheine zu 50 MDN der Ausgabe 1964 zur Neige gingen und ein teurer Nachdruck in Moskau vermieden werden sollte[8]. Der Schein wurde ab 1. Juni 1973 in den Umlauf gegeben[9] und lief über ein Jahr parallel mit de Fünfzigern der Ausgabe von 1964 um. Aufgrund negativer Erfahrungen wurde bei den späteren Ausgabe ein längerer Doppelumlauf von Scheinen beider Serien mit gleicher Wertstufe vermieden. Ankündigung der Staatsbank der DDR zur Erstausgabe der Banknote zu 50 Mark "Nur für den Dienstgebrauch". Quelle: Konzernarchiv der KfW. Am 21. September 1971 schlossen die DWD und die Staatsbank der DDR einen Rahmenvertrag über die Herstellung von Banknoten, unter dem dann einzelne Wirtschaftsverträge für Druckaufträge erteilt wurden. Interessant ist, dass nach diesem Rahmenvertrag die Erarbeitung und Vorlage der Entwürfe der neu zu druckenden Banknoten der Staatsbank oblag. Die DWD hatte alle Materialien für die Banknotenproduktion einschließlich des Druckpapiers auf eigene Rechnung zu beschaffen. Sie übernahm zugleich die volle Verantwortung für die Qualität der hergestellten Scheine. Ferner hatte die DWD die fertig gedruckten Banknoten unentgeltlich so lange in den hauseigenen Tresoren einzulagern, bis die Staatsbank diese zur Auslieferung in Leipzig abrief. Die DWD begann mit den Druckvorbereitungen zur Erstauflage der Banknote zu 50 Mark (intern Auftrag I/70 bzw. Auftrag VI 1973 genannt) vermutlich im Frühjahr 1972. Die Scheine wurden in Bogen zu 24 Stück (Nutzen) in Leipzig gedruckt. Die fortlaufende Nummerierung der Scheine im Bogen erfolgte in der zweiten und Stelle der Kontrollnummer, sie lautete auf dem Bogen also z.B. AC 010XXX, 011XXX, 012XXX usw. bis 033XXX). In der Erstauflage ausgedruckt wurden die Serien AA bis AG, BA bis BG und CA bis CC, dazu Austauschnoten der Serien ZA bis ZD[10]. Ferner wurden Musternoten mit der Kontrollnummer AA 0000000 angefertigt. Die Gesamtanzahl der Erstauflage betrug 169 Millionen Banknoten[11], die Druckkosten lagen bei 69,50 Mark pro 1.000 Stück[12]. Druckbogen der Banknote zu 50 Mark Ausgabe 1971, nicht nummeriert. Quelle: Bildarchiv Michael H. Schöne. Vertraglich war für die Erstauflage der Banknote zu 50 Mark eine Produktionsmenge von 12 Millionen Scheinen pro Monat festgelegt worden. Aufgrund von Arbeitskräftemangel konnte die DWD zunächst jedoch nur 10 Millionen Stück pro Monat liefern. Nach Bekanntwerden von Qualitätsmängeln und der Einführung umfangreicher Nachkontrollen bei den bereits produzierten Scheinen durch die DWD musste die Produktion im Juli und August 1973 heruntergefahren werden. Der Abschluss des Druckauftrags verzögerte sich daher bis September 1974. Fehldrucke kommen bei allen Banknotendruckereien vor. Sie sind etwa für die in der Bundesdruckerei und bei Giesecke & Devrient gedruckten Scheine der Ausgabe BBk I und BBk III belegt. Bei der Erstauflage der Banknote zu 50 Mark 1971 in der DWD lagen sie vor allem in einem Mangel qualifizierter Arbeitskräfte begründet, der neben einer reduzierten monatlichen Produktionsmenge zulasten der Qualitätskontrolle der fertig gedruckten Scheine ging – diese wurden zu oberflächlich geprüft, bevor sie an die Staatsbank ausgeliefert wurden. Kritisch war, dass die Produktionsfehler der Erstausgabe dese neuen Fünfzigers weitgehend erst nach Auslieferung und Ausgabe der Scheine im Juni 1973 durch diverse Filialen der Staatsbank sowie andere Banken an verschiedenen Orten entdeckt wurden. Die Druckfehler waren so bedeutend, dass DDR-Finanzminister Böhm in einem Schreiben der Staatsbank vom 22. Juni 1973 darüber informiert wurde. Folgende Fehldrucke wurden bei der Staatsbank aktenkundig und waren teilweise bereits in den Geldumlauf gelangt, was erklärt, warum sie heute grundsätzlich im Sammlermarkt vorhanden sind bzw. sein könnten. Sie spielen alle im Bereich der Nummerierungen mit den Serienbuchstaben AA, AB, AC und AD: Fehldruck-Variante "Falsche Stellung der Kontrollnummern". Quelle: Bildarchiv Michael H. Schöne. Seitenverkehrtes Wasserzeichen durch verkehrt eingelegtes Papier – das Wasserzeichen befindet sich unter dem Kopfporträt. Dieser Fehler dürfte der häufigste sein. Derartige Scheine wurden schon am 4. Juni 1973 – nur vier Tage nach der Erstausgabe – durch die Staatsbank Kreisfiliale Potsdam bemerkt. Weitere 120 Scheine mit seitenverkehrtem Wasserzeichen fielen aber der Staatsbank Kreisfiliale Magdeburg erst am 20. Juni 1973 auf, als die Scheine schon drei Wochen im Umlauf waren. Scheine, die links am Schaurand etwa 0,5 cm länger sind als vorgesehen, also eine Breite von 14,1 cm statt 13,6 cm aufweisen. Hievon wurden zwei Stück in der Kreisfiliale Waren der Industrie- und Handelsbank bemerkt. Unvollständiger Ausdruck der Hauptplatte insbesondere bei der Wertangabe „Fünfzig“ sowie beim Buchstaben „R“ in Mark. Ursache hierfür war ein beschädigtes Drucktuch. Dieser Fehler wurde am 18. Juni 1973 erstmals in der Staatsbank Kreisfiliale Leipzig bemerkt, dort bei ca. 15 Scheinen. Falsche Stellung der Kontrollnummern aufgrund nicht passgenauen Erfassens des Druckbogens, wodurch die Kontrollnummer entweder zirka 1,5 cm nach links verschoben (aktenkundig für die Nummer AA 1727011) oder zirka 1 cm nach oben verschoben (aktenkundig für einen Druckbogen mit den Nummern AC 0106297 bis AC 0336297) ist. Dieser Fehler wurde schon am Tag der Erstausgabe durch die Staatsbank in Leipzig sowie bei der Landwirtschaftsbank in Schmölln entdeckt. Teile des Kopfbildnisses der Vorderseite sind auf der Rückseite gedruckt. Ursache hierfür soll die fehlende Ecke eines Druckbogens gewesen sein, so dass beim folgenden Druckbogen Teile des Druckbildes auf die Rückseite gedruckt wurden. Dieser Fehler wurde am 4. Juni 1973 durch eine Staatsbankfiliale in Berlin festgestellt. Abweichende Nummerierungen desselben Scheins durch Versagen eines Ziffernwerks. Auch dieser Fehler wurde erstmals am 18. Juni 1973 durch die Kreisfiliale der Staatsbank in Leipzig bemerkt, die vier fehlerhaft nummerierte Scheine aussortierte, wobei unklar blieb, wie viele fehlerhaft nummerierte Stücke zuvor bereits ausgegeben worden waren. Dieser Fehler trat später immer wieder auf, so etwa bei den Banknoten zu 5 und 20 Mark der Ausgabe 1975. Der Sicherheitsstreifen ist bei einzelnen Scheinen herausziehbar. Über die aufgetreten Fehldrucke fanden im Juni und Juli 1973 in Leipzig intensive und streng vertrauliche Beratungen zwischen Mitarbeitern der Staatsbank und der DWD statt. Die DWD war gezwungen, per sofort ein zusätzliches Qualitätssicherungs-Programm aufzusetzen: Statt drei sollten jetzt fünf Endkontrollen eingeführt und der Stand des Wasserzeichens durch Bogenkontrollen vor Druckbeginn geprüft werden. Auch sollte ab September 1973 das Prämiensystem für Mitarbeiter der DWD stärker qualitätsbezogen und weniger auf die erfüllten Stückzahlen ausgerichtet werden. Zudem war eine Nachkontrolle des in der DWD noch unverpackt lagernden Bestandes von 3 Millionen Scheinen zu 50 Mark vorzunehmen. Aus den Ergebnissen sollten Rückschlüsse daraus gezogen werden, ob ein bereits verpackter Bestand[13] von weiteren 4,5 Millionen Scheinen ebenfalls nochmals zu kontrollieren sei. Vorher durften keine weiteren Scheine an die Staatsbank ausgeliefert werden, ein bereits an die Staatsbank ausgelieferter Bestand von 2 Millionen Scheinen war durch diese an die DWD zurückzusenden und ebenfalls durch diese zu kontrollieren. Die DWD hatte also mindestens 5 Millionen Scheine hinsichtlich der Qualität nochmals zu überprüfen. Der damit verbundene händische Arbeitsaufwand muss für die DWD auch angesichts des Arbeitskräftemangels erheblich gewesen sein. Sie war jedoch laut Rahmenvertrag über den Druck der Banknoten für die Qualität der hergestellten Scheine verantwortlich und hatte daher die Kosten für diese Maßnahmen allein zu tragen. Trotz der eingeführten Qualitätskontrollen sind auch später immer wieder Druckfehler bei allen in der DWD für die Staatsbank der DDR gedruckten Banknoten sowie bei den Reiseschecks der Ausgabe 1979 bekannt geworden, die unbemerkt ihren Weg in den Umlauf gefunden haben. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen Michael H. Schöne, Fehldrucke bei DDR-Banknoten, Der Geldscheinsammler 1998, Ausgabe Mai, S. 50-51. Michael H. Schöne, Das Papiergeld im anderen Teil Deutschland. Der Geldscheinsammler 1990, S. 235. KfW, Historisches Konzernarchiv, MüA 838 etc. Das Politbüro des ZK des SED war das höchste Führungsgremium der Staatspartei SED. Es traf in seinen wöchentlichen Sitzungen alle grundsätzlichen politischen und wichtigen personellen Entscheidungen, nachdem sie von den Behörden vorbereitet worden waren. Peter Reissig, DDR-Papiergeld Katalog und Geschichte mit Bewertungen (8), moneytrend 6/2011, S. 210 ff. Beschluss vom 1.6.1971. Dazu Reissig, a.a.O. S. 211. Um Nachdrucke der Wertstufe zu 100 MDN der Ausgabe 1964 bei Gosnak kam man 1975 dennoch nicht herum. Anordnung Nr. 1 über die Ausgabe neuer Banknoten der DDR vom 2. Mai 1973, GBl DDR 1973 I 227. Der Druck von Folgeauflagen erfolgte vermutlich 1975, 1977, 1978, 1982 und 1983. Gemäß den ausgedruckten Serien AA bis AG, BA bis BG und CA bis CC ergäben sich rechnerisch 170 Millionen Stück, wenn jede Serie mit 10.000.000 Stück voll ausgedruckt worden ist. Da die Nummerierung jedoch erst bei 0001001 beginnt, sind (17*1000=) 17.000 Stück rechnerisch abzuziehen. Damit verbleiben rechnerisch 169.983.000 ausgedruckte Scheine dieser Serien, von denen fehlerhafte Drucke in unbekannter Zahl abzuziehen sind, die durch Austauschnoten der Serien ZA bis ZD aufgefüllt wurden. Bei den Folgeauflagen waren die Kosten höher. Die Scheine zu 50 Mark waren durch die DWD wie folgt zu verpacken: Bündel mit Streifband zu 100 Scheinen (Päckchen), 10 Päckchen formiert zu einem Paket (1000 Scheine) versehen mit Streifband und eingeschweißt in Plastikfolie, 20 Pakete (20.000 Scheine) verpackt in einem verschnürten und plombierten Sack, der mit einer Sackfahne versehen wurde.
- Omans Polymer-Gedenkbanknote: Die Sammlerprodukte
Am 11. Januar 2026 gab die Zentralbank von Oman (CBO) ihre allererste Polymerbanknote heraus, worüber wir HIER in unserem Blog berichteten. Die CBO verpackte 10.000 Banknoten in dreifach gefalteten Präsentationsmappen (in einer Hülle) und verkaufte sie zum Nennwert an den Wechselstuben der CBO und in den Filialen der Oman Post. Für die Mappe wurde kein Aufschlag berechnet. Das unten abgebildete Exemplar ist die einzige offizielle Präsentationsmappe, die von der Zentralbank verkauft wurde. Die Präsentationsmappe der 1-Rial-Gedenkbanknote (Vorderseite). Die Hülle (der Umschlag) der Präsentationsmappe der 1-Rial-Gedenkbanknote (Vorderseite). Die Präsentationsmappe (aufgefaltet) der 1-Rial-Gedenkbanknote (beide Seiten). Die Bankverkaufte außerdem 1000 ungeschnittene Bogen mit je 40 Banknoten, von denen einer unten abgebildet ist: Eine Privatperson kaufte viele der ungeschnittenen Bogen und schnitt sie auf, um Blöcke mit je zwei Banknoten herzustellen, die dann in Mappen gesteckt und mit einem hohen Aufschlag verkauft werden. Eine dieser privaten Mappen ist unten abgebildet. Sie ist relativ einfach hergestellt, und ein Freund, der in Oman lebt, erzählte mir, dass der arabische Text nicht einmal ganz korrekt ist. Sammlern steht es natürlich frei, zu kaufen, was immer sie sammeln möchten. Mein Rat lautet jedoch, nur offizielle numismatische Produkte zu erwerben und keine privat hergestellten zu kaufen. Caveat emptor. Donald Ludwig (polymernotes.com)
- Aus privaten Sammlungen: Kantinenscheine im US-amerikanischen Sektor Westberlins 1945/46
Fast zwei Monate nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa informierte die „New York Times“ am 4. Juli 1945 ihre Leser mit der Schlagzeile „Western Allies Take Over Occupation Zones in Berlin“ von der Besetzung des Westteils Berlins durch die westlichen Siegermächte. Die Besetzung Deutschlands und die Aufteilung in Besatzungszonen bzw. -sektoren beschlossen die Regierungs- bzw. Staatschefs Franklin D. Roosevelt, Winston L. Churchill und Josef W. Stalin als Ergebnis ihrer im Februar 1945 abgehaltenen Konferenz von Jalta auf der Halbinsel Krim. Ende April 1945 hatten sowjetische Streitkräfte Berlin erreicht und anschließend die ganze Stadt besetzt. Am 1./2. Juli 1945 trafen erste Vorausabteilung der US-Amerikaner, Briten und Franzosen in die bis dahin sowjetisch kontrollierte Stadt ein. Die US-Truppen quartierten sich in den südwestlichen Berliner Stadtbezirken Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg, Steglitz und Tempelhof ein und errichteten ihr Hauptquartier in der damaligen Kronprinzenallee im Ortsteil Dahlem (seit 1. Juni 1949 Clay-Allee). Wie in anderen Garnisonen im US-Besatzungsgebiet wurden auch in NCO-Kantinen, Bars, Klubs und ähnlichen Einrichtungen der US Army in Westberlin Kleingeldscheine in den Wertstufen ½, 1 und 2 Mark verwendet. Entsprechend des ab September 1944 geltenden Militär-Wechselkurses von 10 Reichsmark für 1 US-Dollar kursierten auch im US-Sektor Berlins solche Wertscheine. Die drei Wertmarken über ½, 1 und 2 Mark zeigen den Aufdruck „BERLIN DISTRICT“. Entsprechend sind die Kleingeldscheine in den Zeitraum 1945/46 einzuordnen. Die Bezeichnungen für die US-Truppen in Westberlin änderten sich bis 1993: 4. Juli 1945 bis 30. Oktober 1946: Berlin Military District (Berlin District), 1. November 1946 bis 30. April 1948: Berlin Command, 1. Mai 1948 bis 4. Dezember 1952: Berlin Military Post, 5. Dezember 1952 bis 30. November 1961: wiederum Berlin Command und vom 1. Dezember 1961 bis zum März 1993: Berlin Brigade. Die Wertmarken waren in sog. Booklets eingeheftet, aus denen man die perforierten Scheine heraustrennen konnte. Diese Hefte hatten einen Wert von 40 Reichsmark. Enthalten waren 1 Blatt mit 10 Wertmarken zu 2 Mark, 1 Blatt mit 10 Wertmarken zu 1 Mark und 2 Blätter mit 20 Wertmarken zu ½ Mark, zusammen also 40 RM = 4 US-Dollar. Der einheitliche Unterdruck in Rot „BERLIN DISTRICT / ... MARK / Good in all U. S. Army Sponsered / Installations in Berlin.“ enthielt einen Satzfehler – falsch: »Sponsered« – richtig wäre gewesen »Sponsored«. Das war wohl der Herstellung in einer deutschen Druckerei geschuldet. Der selbe Fehler befindet sich auch auf dem Coupon Book. Der Wertaufdruck erfolgte in Blau, wobei den Wertziffern, wahrscheinlich als Fälschungsschutz, die griechischen Kleinbuchstaben Eta, Psi und Phi auf der rechten Seite beigefügt wurden. Das Deckblatt zeigt, dass es auf einen Angehörigen der 16. HQ-Polizeistaffel am 29. August 1946 ausgestellt wurde und für ein Jahr gültig war. Diese Scheine wurden in der Kreuzberger Druckerei von Erich Blaschker im US-amerikanischen Sektor hergestellt – wahrscheinlich wurden dort auch die OMGUS-Tauschscheine und Kantinenscheine für die Gaststätte im Alliierten Kontrollrats-Gebäude gedruckt. Abb. 1: Wertmarke über ½ Mark, Buchstabe η. Abb. 2: Wertmarke über 1 Mark, Buchstabe ψ. Abb. 3: Wertmarke über 1 Mark, Buchstabe φ. Abb. 4: Coupon Book, am 29. August 1946 auf den Namen Closs, Angehöriger der 16. US-Hauptquartier-Polizeistaffel. Abb. 5: verschiedene Wertmarkenstreifen in einem sog. Booklet eingeheftet. Objekttyp: Kantinengeld. Sammlung: Michael H. Schöne. Authentizität: Originale. Land/Region/Ort: Deutschland, US-Sektor Westberlin. Emittent: U.S. HQ, Berlin District. Nominale: ½ Mark, 1 Mark und 2 Mark. Datierung: 1946. Vorderseite: 4-zeiliger Text „BERLIN DISTRICT / ... MARK / Good in all U.S. Army Sponsered / Installations in Berlin.“, Druck Rot, Wertzahlen und Kleinbuchstaben in Blau. Rückseite: Unbedruckt. Material: Halbkarton. Druck: Druckerei Erich Blaschker, Berlin-Kreuzberg. Format: ca. 50 mm × 23 mm. Nummerierung: Ohne. Zitate: M. H. Schöne: "Militär-, Kantinen- und Lagergeld der Alliierten seit 1944 in Deutschland", 2013, KN # 2326 (½ und 1 Mark wurden dort vermutet). Michael H. Schöne Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Großbritannien: Die Öffentlichkeit wird aufgerufen
Britische Wildtiere werden auf der nächsten Banknotenserie der Bank of England (BoE) historische Persönlichkeiten ablösen, und die Öffentlichkeit kann nun mitbestimmen, welche Tiere darauf abgebildet werden sollen. Über die Entscheidung zu diesen umfassenden Designänderungen wurde erstmals HIER im Blog berichtet. Humorvolle Designvorschläge wurden bereits HIER vorgestellt. In Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Wildtierexperten aus ganz Großbritannien hat die BoE eine Auswahlliste mit in Großbritannien heimischen Tieren erstellt, die als zentrales Motiv auf den neuen 5-, 10-, 20- und 50-Pfund-Banknoten verwendet werden könnten. Die Meinung der Öffentlichkeit wird bei der endgültigen Entscheidung über die Designs eine wichtige Rolle spielen. Die BoE hat die Auswahlliste in drei Kategorien mit jeweils sechs Tieren unterteilt, die eine Vielzahl von Arten und Lebensräumen abdecken: (1) Säugetiere, (2) Vögel und (3) Amphibien, Insekten und Fische. Vom 3. Juni bis zum 3. Juli um Mitternacht (BST) kann die Öffentlichkeit in einer Online-Umfrage zwei Tiere aus jeder Kategorie auswählen. Nur die Tiere auf der Auswahlliste können als Hauptmotive der neuen Serie dienen. Die Bank sucht keine weiteren Nominierungen. Säugetiere (rechts nach links, oben nach unten) Großer Tümmler (bottlenose dolphin) Feldhase (brown hare) Europäischer Igel (European hedgehog) Kegelrobbe (grey seal) Baummarder (pine marten) Rotfuchs (red fox) Vögel (rechts nach links, oben nach unten) Papageientaucher (Atlantic puffin) Schleiereule (barn owl) Eisvogel (common kingfisher) Großer Brachvogel (Eurasian curlew) Buntspecht (great spotted woodpecker) Seeadler (white-tailed eagle) Amphibien, Insekten und Fische (rechts nach links, oben nach unten) Atlantischer Lachs (Atlantic salmon) Riesenhai (basking shark) Gelbschwanz-Hummler (buff-tailed bumblebee) Grasfrosch (common frog) Kaiserlibelle (emperor dragonfly) Sumpf-Perlmutterfalter (marsh fritillary butterfly) Die Banknoten (5 £, 10 £, 20 £, 50 £) müssen leicht voneinander zu unterscheiden sein. Es ist wichtig, dass auf allen vier Banknoten vier unterschiedliche Tiere abgebildet sind und dass diese verschiedene Lebensräume aus ganz Großbritannien repräsentieren. Vor diesem Hintergrund wird die BoE nicht unbedingt die vier Tiere auswählen, die die meisten Stimmen erhalten. Andrew Bailey, der Gouverneur, wird unter Berücksichtigung der Rückmeldungen der Öffentlichkeit die endgültige Entscheidung treffen. Die Bank wird das Ergebnis dieser Konsultation bis Ende 2026 bekannt geben. Es wird noch einige Jahre dauern, bis die nächste Serie in den Umlauf kommt. Die Gestaltung, Erprobung und der Druck der Banknoten sind ein detaillierter, mehrjähriger Prozess, der sicherstellt, dass sie hochwertig, widerstandsfähig und barrierefrei sind und den neuesten Fälschungsschutz enthalten. Die nächste Serie wird weiterhin ein Porträt des Monarchen enthalten. Die Darstellung der „Home Nations“ (England, Schottland, Wales und Nordirland) wird ebenfalls ein wichtiges Gestaltungsmerkmal sein. Donald Ludwig (polymernotes.com)
- Teutoburger Münzauktion: Nachbericht zum Banknotenteil der Auktion 172 vom 6. Juni 2026
Die 172. Auktion lief auch bei den Banknoten erfolgreich ab. Gute Steigerungen gab es bei der Schweiz, zum Baltikum, bei Altdeutschland, bei den Reichsbanknoten, aber vor allem bei den Sammlungen und Lots. Hier einige Highlights der Auktion: Los 4119 Banknoten, Ausland, Schweiz, Pick 36e 500 Franken 31.8.1946. II Zuschlag: 1.450 EUR Los 4126 Banknoten, Ausland, Schweiz, Pick 50c 500 Franken 18.12.1958. III Zuschlag: 1.600 EUR Los 4176 Banknoten, Altdeutschland, Hessen-Homburg, Grabowski/Kranz 169, Pick S292 Banknote, 10 Gulden 1.1.1855. Landgräflich Hessische Concessionierte Landesbank 1855. Lit. A, Ser. II., III- / IV+, Nadelstiche Zuschlag: 4.500 EUR Los 4215 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945, Rosenberg D1, Grabowski WBN-1 Schatzanweisung zu 6 (5) Dollar 7.3.1923. Buchst. X, Serie D. III, Kleberreste Zuschlag: 1.850 EUR Los 4225 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945, Rosenberg 159, Grabowski DEU-204 100 Rentenmark 1.11.1923. Serie A. II+, leichter Mittelknick Zuschlag: 2.500 EUR Los 4234 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Deutsches Reich, 1871-1945, Deutsche Militär- und Besatzungsausgaben 1914-1918, Rosenberg 456, Grabowski EWK-32 Generalgouvernement Warschau, 1000 Marek 9.12.1916. (1917). II Zuschlag: 1.650 EUR Los 4261 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Kolonien und Nebengebiete, Danzig, Freie Stadt, Rosenberg 833b, Grabowski DAN-57b 10 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Artushof und Danziger Wappen/Christophorus. KN 6-stellig schwarz, Wz. Männerkopf, Serie A/A. III / III- Zuschlag: 1.150 EUR Los 4274 Banknoten, Die deutschen Banknoten ab 1871 nach Rosenberg, Westliche Besatzungszonen und BRD, ab 1948, Rosenberg 242, Grabowski WBZ-7 50 Deutsche Mark, Serie 1948. Serie K/H. I- Zuschlag: 1.000 EUR Hier geht es direkt zum NACHVERKAUF im Banknotenteil der 172. Auktion! Teutoburger Münzauktion Web: https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/ Tel.: 05425/930050 E-Mail: info@teutoburger-muenzauktion.de
- Leserpost: Anfrage wegen einer Reichsbanknote
Geehrter Herr Grabowski, ich habe eine Reichsbanknote erstanden (5 Reichsmark vom 1. August 1942), auf der weder ein Unterdruck-Buchstabe, noch eine Kontrollnummer abgedruckt ist. In Ihrem Buch "Die deutschen Banknoten ab 1871" ist dieser Schein unter DEU-220 gelistet, aber mit Unterdruck-Buchstaben und Kenn-Nummern und bestimmten Stempeln. Meine Frage wäre nun: Wie schätzen Sie diesen Schein ein, gibt es solche Scheine? Ich glaube eigentlich an keine Fälschung, da ja auch ein Wasserzeichen vorhanden ist. Zur Begutachtung sende ich Ihnen den Schein mit. Vielen Dank für Ihre Bemühungen und eine gute Zeit. K. Würfl Antwort der Redaktion Es handelt sich um keine Fälschung, sondern um ein Original, das aus einem unfertigen Druckbogen getrennt wurde. Das Format weicht deshalb auch durch das breite rechte Randstück mit 151 x 69 mm auffällig von den ausgegebenen fertig gedruckten und mit Unterdruck-Buchstaben, Serie und Kontrollnummer versehenen Umlaufstücken im Format 140 x 70 mm ab. Bei den alliierten Luftangriffen auf Berlin wurde auch die damalige Reichsdruckerei getroffen und teilweise zerstört. Bekannt sind nach dem Angriff entwendete Reichsbanknoten mit Brandflecken sowie unfertige Banknoten (Makulatur), die nach der Besetzung durch die Rote Armee gestohlen wurden. Etliche davon wurden widerrechtlich ohne oder mit von Hand gezeichneter Nummerierung in Umlauf gebracht. Dabei handelt es sich um Werte zu 5, 10, 20 und 50 Reichsmark. Es wurden sogar Scheine mit Lochentwertung nachträglich mit farbigen Papierblättchen beklebt und wieder in Verkehr gebracht. Ihr Schein ist nicht nachträglich manipuliert. Es handelt sich um ein nicht nummeriertes Original und als solches um ein interessantes und sammelnswertes Zeitdokument aus der Endzeit des Zweiten Weltkriegs. Siehe auch meine Anmerkungen im genannten Katalog "Nach Kriegsende unbefugt ausgegebene unfertige Makulatoren". Beste Grüße und noch viel Freud beim Sammeln … Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Ankündigung der Neuauflage 2026: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-279-3 Auflage: 24. Auflage 2026/27 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: ca. 880 Seiten Preis: 39,90 EUR Erscheinungstermin: Ende Oktober 2026
- Die Bank of Scotland McTominay-Wohltätigkeits-Auktion
Scott McTominay erzielte am 18. November 2025 beim 4:2-Sieg gegen Dänemark das erste Tor. Nachdem es den Dänen nicht gelang, den Ball weit aus ihrer eigenen Verteidigungszone zu klären, schlug Flügelspieler Ben Doak einen hohen, geschwungenen Pass in den Strafraum, und McTominay warf sich in die Luft. Sein Rechtsfuß-Fallrückzieher traf den Ball perfekt und schickte ihn an Dänemarks Torhüter Kasper Schmeichel vorbei direkt in die Ecke. McTominays Tor sollte sich als entscheidend für den spannenden 4:2-Sieg der Schotten erweisen und sicherte Schottland die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2026 – zum ersten Mal seit 1998. McTominay spielt sowohl für den SSC Neapel als auch in der schottischen Fußballnationalmannschaft. Scott McTominay erzielt das erste Tor am 18.11.2025 gegen Dänemark. Dieses berühmte Tor wurde nun auf einer limitierten 20-Pfund-Polymerbanknote der Bank of Scotland verewigt. Scott McTominay mit „seiner“ Gedenkbanknote. Es wurden nur 100 Banknoten mit diesem Motiv hergestellt, von denen lediglich 50 für die Öffentlichkeit erhältlich sind. In Zusammenarbeit mit der schottischen Illustratorin Katie Smith und mit der Genehmigung von Scott McTominay hat die Bank of Scotland einen Überdruck entworfen, um das Tor zu feiern. Im Gegensatz zu anderen offiziellen Gedenkbanknoten, die speziell mit Banknotendruckfarben hergestellt und nach dem Druck vollständig geschützt werden, handelt es sich hierbei um eine Standardausgabe, die bereits gedruckt und veredelt wurde und auf die später ein Überdruck mit Standarddruckfarbe aufgebracht wurde. Daher handelt es sich um Standard-Kontrollnummern aus der Mitte der Auflage (auf 20-Pfund-Polymerbanknoten mit dem Datum 1. Juni 2019). Die Scott-McTominay-20-Pfund-Polymerbanknote. Am 26. Juni findet eine Wohltätigkeits-Auktion statt, bei der die folgenden 25 Banknoten versteigert werden: 9 Scott-McTominay-20-Pfund-Banknoten der Bank of Scotland, unsigniert (Lose 1–9). 15 Scott-McTominay-20-Pfund-Banknoten der Bank of Scotland, vom Spieler persönlich handsigniert (Lose 10–24). 1 handsignierte Banknote und das Paar Schuhe, das McTominay während des Spiels tatsächlich getragen hat (Los 25). Die Scott-McTominay-20-Pfund-Polymerbanknote, handsigniert. Das Image der Los-Nummer 25 aus der Wohltätigkeits-Auktion. Die genauen Kontrollnummern für jedes Los werden von der Bank bis spätestens Freitag, den 26. Juni, bekanntgegeben. Bitte beachten Sie, dass in den Beschreibungen der Auktionslose bei Los 25 ein Bild der Schuhe über die Banknote gelegt ist. Dies ist KEIN zusätzlicher Aufdruck. Wie bei allen regulären Verkäufen und vielen anderen Wohltätigkeits-Auktionen erhebt das Auktionshaus eine Käuferprovision in Höhe von 22,5 %. Für Käufer aus Großbritannien fällt auf diese Käuferprovision eine Mehrwertsteuer von 20 % an. Auf den Zuschlagspreis wird keine Mehrwertsteuer erhoben. Weitere 25 Banknoten werden im Rahmen einer Verlosung an Einwohner Großbritanniens ab 18 Jahren vergeben. Man kann sich online oder per Post registrieren und erhält mit etwas Glück eine der Banknoten aus der Verlosung. Der gesamte Erlös aus der Auktion und der Verlosung wird an Crisis gespendet, die offizielle Partner-Wohltätigkeitsorganisation der Bank of Scotland, um deren Arbeit zur Beendigung der Obdachlosigkeit in Schottland bis 2040 zu unterstützen. Die verbleibenden 50 Banknoten werden entweder von der Bank of Scotland für ihre internen Archive aufbewahrt oder an Personen wie McTominay selbst und Influencer verschenkt, die bei der Vermarktung der Banknoten helfen. Zwei Banknoten werden zusätzlich bei zwei bevorstehenden Pop-up-Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Donald Ludwig (polymernotes.com)
- Aus alten Zeitungen: Kurz nach der Währungsreform – Falschgeld aus Paris
Gefunden in: "Die Rheinpfalz", Ludwigshafen vom 23.12.1956 Bank deutscher Länder: Fälschung zu 100 Mark von 1948 ("Roter Hunderter"), Vorderseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Bank deutscher Länder: Fälschung zu 100 Mark von 1948 ("Roter Hunderter"), Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Kurz nach der Währungsreform – Die falschen Geldscheine kamen damals aus der Seinestadt Paris Fragwürdige Finanztransaktion endete vor der Mannheimer Strafkammer – Zuchthaus für den Hauptschuldigen sch. Mannheim Vor der Mannheimer Strafkammer wurde in diesen Tagen eine Tat gesühnt, die mehr als sechs Jahre zurücklag. Angeklagt waren die Brüder Erwin und Bruno J., zwei Männer, die in Mannheim ihre Jugend verlebt hatten, nach 1933 aber aus rassischen Gründen die Heimat verlassen mußten. Sie suchten ihr Glück da und dort, in Europa und Uebersee, und sie fanden es nirgends. Erst nach Kriegsende konnten sie wieder festen Fuß fassen und diesmal richtig. Sie machten dunkle Geschäfte in Westdeutschland, ihren Wohnsitz behielten sie allerdings in Paris. Nach der Währungsreform kam viel Falschgeld nach Deutschland, erschreckend viel Falschgeld. Die Fachkundigen wußten bald, daß es in Paris gedruckt wurde. Die diesbezügliche Verbreitung ließen sich auch die beiden Brüder angelegen sein. In Mannheim hatten sie einen Jugendkameraden sitzen, der sich nicht lange treten ließ, Helferdienste zu leisten. Erich, so hieß der Mann, entwickelte einen Rieseneifer; er ging zusammen mit Erwin auf Tour, um den Leuten aller Schichten die falschen Fünfer, Zwanziger und Hunderter anzudrehen. Die ersten Opfer waren Mannheimer Geschäftsleute. Bei ihnen kauften Erich und Erwin ein, vor allem Maschinen und Kugellager, und mischten falsche Scheine unter die echten. Nach kurzer Zeit waren die beiden das Mischen leid, von nun an bekamen die Lieferanten nur noch "Blüten" in die Finger. Die Generalprobe wurde in Wiesbaden gemacht, sie verlief zur beiderseitigen Zufriedenheit, also wurden der Frechheit keine Grenzen mehr gesetzt. Sogar die Fahrkarten bezahlte das Duo mit falschem Geld. Großeinkäufe im Rheinland. In Köln ging die Herrlichkeit zu Ende. Die Kassiererin war besonders aufmerksam, die Zwanziger waren aber auch besonders schlecht ausgefallen. Sie beschaute sich die Scheine sehr genau, trotz des Protestes von Erwin. Rasch türmen! Erwin, der Erich immer vorgeschickt hatte, wenn das Geschäft riskant war, konnte sich in Sicherheit bringen. Erich blieb auf der Strecke. Er bekam drei Jahre Gefängnis, als Erwin schon längst wieder in Paris saß. Aber Erich verpfiff seine Hintermänner in keiner Weise. Erst vor einigen Monaten wurde Erwin und sein Bruder Bruno den deutschen Behörden ausgeliefert. Um diese Zeit befand sich Erich längst wieder auf freiem Fuß, er hatte seine Strafe bis auf den letzten Tag verbüßen müssen. Selbstverständlich mußte er als Zeuge bei und jetzt pfiff er sehr herzhaft. Er machte seine Aussagen so peinlich genau und so vorbehaltlos, daß er sich erneut selber belastete. Der Tenor: Für 70 000 Mark Falschgeld war von Paris nach Mannheim geschafft worden, der größte Teil davon wurde ausgegeben. Den Koffer mit dem restlichen Geld verbrannte, als die Geschichte mulmig wurde, ein Mannheimer Geschäftsmann. So endete eine fragwürdige Finanztransaktion. Je mehr Erich seine Aussage beteuerte, um so hartnäckiger leugnete Erwin. Er will das Geld in Frankfurt gegen Dollars eingetauscht und nicht gewußt haben, daß es sich um Falschgeld handelt. Au! Und der Bruder Bruno? Er war von Anfang an weniger belastet, beziehungsweise er hielt sich klugerweise ganz im Hintergrund. In die vorderste Front mußte ja Jugendfreund Erich. Es sprach nicht wenig gegen Bruno, aber die Zeugen konnten sich nach Jahr und Tag an die Vorgänge eben doch nicht mehr ganz genau erinnern. Zum Glück für Bruno. So viel Glück hatte Erwin nicht; er wurde für schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren, zu drei Jahren Ehrverlust und zur Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Ob die Geschichte damit ganz erledigt ist, vermag der Laie nicht zu sagen. Vor allem wäre die Rolle des verbrennungswütigen Mannheimer Geschäftsmanns noch zu klären. So geschehen im Frühjahr des Jahres 1949, also kurz nach der Währungsreform … Hier lesen Sie mehr zu den Währungsreformen 1948 in Deutschland: https://www.geldscheine-online.com/post/die-drei-w%C3%A4hrungsreformen-vor-75-jahren-in-deutschland Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Anmerkung der Redaktion Unter der Rubrik "Aus alten Zeitungen" möchten wir unseren Lesern in lockerer Folge interessante und amüsante Berichte aus historischen Zeitungen rund um Geldscheine, Falschgeld und echte "Räuberpistolen" präsentieren. Wenn auch Sie eine passende Geschichte in einer alten Zeitung gefunden haben, dann würden wir uns freuen, wenn Sie sich an uns wenden, um sie mit anderen Lesern zu teilen. Die Abbildung "Der Zeitungsleser" ist KI-generiert!
- Leserpost: Gab es den Bundeskassenschein zu 50 Pfennig überhaupt?
Sehr geehrter Herr Grabowski, darf ich noch mal eine für Sie vielleicht "doofe" Frage stellen, ich bin nämlich gerade wieder drüber gestolpert. Es betrifft die BRD-Kassenscheine von 1967. Da gab es ja die Werte von 5, 10 und 50 Pfennig sowie 1 und 2 Mark. Hier gibt es ja auch so eine komische Geschichte über einen Flohmarkt-Verkauf. Ich habe da irgendwo mal was gelesen. Ich glaube sogar auf Ihrem Portal (Geldscheine-Online). Gab es den 50-Pfennig-Kassenschein nie wirklich? Den findet man überhaupt nicht! Vielen Dank und beste Grüße E. Richter BRD-068a: Bundeskassenschein über 50 Pfennig ohne Datum (1967), Vorderseite. BRD-068a: Bundeskassenschein über 50 Pfennig ohne Datum (1967), Rückseite. Anmerkung der Redaktion Das ist überhaupt keine "doofe" Frage, der Fünfziger ist wirklich sehr selten. Die Scheine wurden ja im Zuge einer Vernichtungsaktion entwendet. Es gibt da mehrere Versionen (vom Fahrzeug gefallen oder in Kisten gestohlen bis hin zu aus dem Verbrennungsofen geholt). Dabei waren die verschiedenen Nennwerte unterschiedlich oft bei den so für die Nachwelt "geretteten" Zeitdokumenten vertreten. Der 50-Pfennig-Schein ist meines Wissens nur 3 x in privaten Sammlungen vorhanden. Ich hatte ihn immerhin mal in der Hand, um einen Scan anzufertigen (siehe Abbildungen). Der stammte aus einer Sammlung in München (einst für 3000 DM gekauft) und wurde dann nach dem Tod des Sammlers versteigert. Einer ist wohl in den USA und zwei in Deutschland. Das sind die Scheine, von denen ich Kenntnis habe. Herr Worbes in Berlin (www.worbes-verlag.de) hatte den Schein aber auch schon mal angeboten. Aufgeführt werden die Bundeskassenscheine aus der Zeit des "Kalten Kriegs" in meinem Katalog zu den deutschen Banknoten ab 1871, von dem Ende Oktober 2026 eine neue Auflage erscheinen wird. Beste Grüße und noch viel Spaß beim Sammeln … Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Ankündigung der Neuauflage 2026: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-279-3 Auflage: 24. Auflage 2026/27 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: ca. 880 Seiten Preis: 39,90 EUR Erscheinungstermin: Ende Oktober 2026
- Geheimnisumwitterte 500-Mark-Noten der DDR
Am 19. März 1980 beschloss der Nationale Verteidigungsrat der DDR für den Verteidigungsfall eine zusätzliche Notenreserve in Höhe von 20 Milliarden Mark anzulegen. Um Kosten zu sparen, wurden Noten zu 200 und 500 Mark gedruckt. Die Staatsbank informierte am 22. Juni 1984 den Ministerrat der DDR, dass ein Teil der Reserve angelegt sei. Bekanntlich wurden die Scheine in Leipzig beim VEB Wertpapierdruckerei gedruckt, aber nie in Umlauf gesetzt. Bereits vor Inkrafttreten der Währungsunion am 1. Juli 1990 begann die Staatsbank der DDR riesige Banknotenmengen – unter ihnen auch die Noten zu 200 und 500 Mark – in den Thekenbergen südlich von Halberstadt einzulagern. In der Stollenanlage sollten sie im Laufe der Zeit verrotten. Doch schon im Juni 1990 fanden einzelne Scheine der nicht ausgegebenen Noten ihren Weg in den Banknotenhandel. Die ersten Scheine wechselten bei einem Berliner Auktionshaus zu Preisen von bis zu 2.000 DM ihren Besitzer. Es wurden wohl eine größere Menge davon auf dem Transport zur Vernichtung gestohlen, denn die Scheine waren bereits im Herbst 1992 für nur noch ca. 90 DM zu erhalten. Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung und der Außerkurssetzung der DDR-Mark überschwemmten dann im Sommer 2001 plötzlich Tausende der schon fast vergessenen Geldscheine die Bundesrepublik. Außer Noten mit dem Konterfei von Marx und Engels wurden im Internet auch die nie im Umlauf gewesenen 200- und 500-Mark-Scheine zum Kauf angeboten. Das merkwürdige daran war, dass etliche der Scheine ziemlich muffig rochen und manchmal auch in der Größe geschrumpft schienen. „Grabräuber“ hatten sich Zugang zum unterirdischen Labyrinth in den Thekenbergen verschafft. Vor etwa zehn Jahren wurden dann 500-Mark-Noten angeboten, die sich jedoch bei genauerem Hinsehen deutlich von den bekannten Noten unterscheiden: Das Papier dieser Scheine entspricht nicht dem typischen DDR-Banknotenpapier. Es wiegt statt der 0,99 g nur 0,83 g und ist etwas steifer. Die matte Oberfläche weist deutlich eine andere Struktur auf. Zwar zeigt es auf dem linken Schaurand das Staatswappen der DDR als Wasserzeichen, das aber mit 27 mm Breite etwa 6 mm schmaler ist als bei den bisher bekannten Noten. Aber handelt es sich hierbei überhaupt um ein Wasserzeichen? Während bei den „alten“ Scheinen dort kleine Unebenheiten gefühlt werden können, ist der „neue“ Druck vollkommen glatt. Das vermeintliche Wasserzeichen entpuppt sich als Aufdruck und auch der Sicherheitsfaden auf der Rückseite wird durch einen silbernen Aufdruck vorgetäuscht. Ferner wurden die Scheine ausschließlich im Offsetdruck hergestellt, denn die Wertzahl 500 am linken unteren Schaurand und das Staatswappen auf der rechten Seite ist nicht fühlbar, anders als bei den bisher angebotenen Original-Scheinen, die teilweise im Tiefdruck produziert wurden. Überhaupt wirkt der Druck stellenweise flau und leicht verschwommen. Dies ist besonders am Schmuckband am unteren Rand der Vorder- und Rückseite sichtbar. Die angebotenen „neuen“ Noten stellten sich somit als Fälschungen heraus, obwohl die Fälscher bei ihrem Druck möglicherweise auf Original-Druckplatten zurückgriffen. Die Nummerierung ist ebenfalls identisch mit dem Original-Computersatz. Beides ist nicht abwegig, da nach der Wende z. B. bei ebay Original-Druckplatten als Altmaterial verkauft wurden. Abb. 1: Staatsbank der DDR, Banknote zu 500 Mark von 1985, Original, Vorderseite, Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Abb. 1: Staatsbank der DDR, Banknote zu 500 Mark von 1985, Original, Rückseite, Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Abb. 3: Wasserzeichen beim Original. Abb. 4: Staatsbank der DDR, Banknote zu 500 Mark von 1985, Falsifikat, Vorderseite, Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Abb. 4: Staatsbank der DDR, Banknote zu 500 Mark von 1985, Falsifikat, Rückseite, Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski. Abb. 6: Wasserzeichen beim Falsifikat. Woher stammen diese "Blüten"? Bei der Papiergeldbörse in Valkenburg – es muss um 2016 gewesen sein – bot ein bekannter deutscher Händler – nennen wir ihn L. – an seinem Verkaufstisch aus einem Bündel einzelne 500-Mark-Scheine zum Kauf an. Wie sich später herausstellte, hatte er zusammen mit einem weiteren Kollegen abertausende dieser Scheine erworben. „Wohl informierte Kreise“ sprachen damals davon, dass der Geldscheinposten für 50.000 € den Besitzer gewechselt habe. Beide Händler waren der Meinung, dass mit dem 500er ein gutes Geschäft zu machen sei, da er zu diesem Zeitpunkt kaum noch im Handel angeboten wurde. Besucher, die am Verkaufsstand die Scheine genauer betrachteten, machten L. darauf aufmerksam, dass mit ihnen etwas nicht stimmen würde. Ein Vergleich mit anderen 500-Mark-Noten bestätigten den Verdacht. Bei den angebotenen Noten handelte es sich um Fälschungen. Der Schreck war groß, als es L. bewusst wurde, dass er auf eine höchst dubiose Geschichte hereingefallen war. Nach Angaben der ungarischen Verkäufer seien die Noten bei der Filiale der Außenhandelsbank der DDR im Budapest eingelagert gewesen. Der „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands (Einigungsvertrag) vom 31. August 1990“[1] enthalte einen Zusatzartikel, nach dem DDR-Banknoten, die nach dem 1. Juli 1990 aus dem Ausland bei der Filiale der Außenhandelsbank in Zwickau präsentiert würden, in DM umgetauscht würden. Der Umtauschversuch sei jedoch aus nicht näher bekannten Gründen gescheitert, sodass die Scheine nun an Banknotenhändler verkauft werden sollten. Dass diese Geschichte jeder Grundlage entbehrte, hätte man leicht feststellen können. Weder die Außenhandelsbank noch die Staatsbank Berlin bzw. die KfW (beide Nachfolgebanken der Staatsbank der DDR) hatten eine Zweigstelle in Zwickau. Auch war die DDR-Mark eine reine Binnenwährung, also nicht konvertierbar.[2] Daher konnten am 1. Juli 1990 auch nur Bürger, die in der DDR ihren Wohnsitz hatten, DDR-Mark in D-Mark umwechseln. Dazu mussten sie ihr Bargeld zuerst auf ein Bankkonto einzahlen. Die Bankguthaben von natürlichen und juristischen Personen mit Wohn- bzw. Geschäftssitz außerhalb der DDR wurden im Verhältnis 2:1 umgestellte, wenn sie bereits vor dem 31. Dezember 1989 bestanden. Bei Bankguthaben, die nach dem 31. Dezember 1989 entstanden waren, galt ein Umstellungsverhältnis von 3:1. Bargeld war vom Umtausch ausdrücklich ausgeschlossen. Darüber hinaus waren die 500-Mark-Noten niemals gesetzliche Zahlungsmittel und auch nie offiziell ausgegeben worden. Warum hätte man sie umwechseln sollen. Und wieso tauchten die Geldscheine gerade jetzt, mehr als 15 Jahre nach der Wiedervereinigung, auf? Es ist verständlich, dass bei diesen fragwürdigen Angaben die Gerüchteküche brodelte. Gesichert scheint nur, dass eine Budapester Druckerei die Falsifikate herstellte. Aber wann wurden diese gedruckt; wer war/waren der/die Auftraggeber und zu welchem Zweck wurden sie gedruckt? War von Anfang an geplant, Händler und Sammler damit zu täuschen oder wollte man preisgünstige Reproduktion zum Kauf anbieten? Fragen über Fragen und keine Antworten. Bleibt anzumerken, dass ein bekannter Berliner Papiergeldhändler einen Posten der Falsifikate von L. übernahm. Allerdings beugte er dem Vorwurf vor, er würde ungekennzeichnete Fälschungen verkaufen. So ließ er auf der Vorderseite der Scheine einen Kastenaufdruck mit dem Wort „FALSCH“ anbringen. Abb. 7: Falsifikat mit Kastenstempel. Im Sommer 2020 rückten die falschen Fünfhunderter nochmals in den Fokus. Die Polizei hob eine Fälscherwerkstatt in Hamburg aus, in der Euro-Noten gefälscht worden waren. Quasi als Beifang wurden auch größere Mengen 500-DDR-Mark-Noten sichergestellt. Die Ermittler wandten sich wegen der DDR-Banknoten an die Kriminaltechnik beim Bundespolizeipräsidium in Koblenz und das und es war bald klar, dass es sich um Fälschungen handelte, die nicht in Hamburg hergestellt worden waren. Wieder fragte man sich, was beabsichtigten die Fälscher mit dem Nachdruck der nie ausgegebenen DDR-Banknoten, die sich zudem signifikant von den Originalen unterscheiden? In den Zeitungen war über den Fahndungserfolg der Polizei nichts zu lesen. Warum? Auch dies bleibt wohl ein Geheimnis. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] BGBl. 1990 II S. 889. [2] Eine Währung ist konvertierbar, wenn jeder – Privatpersonen, Unternehmen, Banken – sie ohne Genehmigung, Mengenbegrenzung oder Zweckbindung in andere Währungen umtauschen darf.












